Reporter Bill Leslie brachte es gestern auf “Sky Sports” auf den Punkt: “Young Boys struggle to keep clean sheets.” Mit einem solchen Klub-Namen macht man sich in Europa lächerlich. Nur gut, dass die Berner nicht mehr im Wank-Dorf kicken.
Damit es anderen nicht auch so ergeht wie mir während der Euro 2000, hier alle Goals der WM 2010. Vor 10 Jahren habe ich die Euro vollständig verpasst. Grund: ich war ausgerechnet damals auf Sri Lanka, wo nirgendwo Fussball am TV gezeigt wurde. Stattdessen dafür stundenlang Cricket. Seither bin ich jetzt sowas wie ein Experte unter Laien.
Es war klar, dass Deutschland gestern gegen England gewinnen würde. Die Krake Paul hatte es schliesslich vorausgesagt. Ob Paul in England auch den Gewinner der Partie Deutschland – Argentinien voraussagen darf, weiss ich nicht. Ich werde das Orakel aber im Auge behalten.
Ein einziger WM-Titel vor 44 Jahren. Und dieser wurde erst noch zu Hause und dank einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung (eines Schweizers) errungen. Seither ist England fussballerisch ein Nobody. Die German Angst trifft heute auf die Engländer zu. Der Guardian geht schon fast davon aus, dass das Viertelfinale Endstation sein wird. Tatsache ist: England war auch schon selbstbewusster. Das ist allerigns auch schon 14 Jahre her – und endete im Desaster.
In der Not steht man zusammen. Das war bei bedrohten Völkern schon immer so. Und Gottmar Hitzfeld ist ein Heiliger, den man nicht angreift ausser – man heisst Köbi Kuhn. Nur so ist es zu erklären, dass die Schweiz immer noch die Schuld für die Niederlage gegen Chile beim Schiedsrichter Khalil al-Ghamdi sucht. Dieser ist bekannt als Schiedsrichter, der einen lockeren Umgang mit Karten pflegt. Das hätte man vorher wissen können. Offenbar hat man sich im Umfeld der Schweizer Nationalmannschaft niemand um Informationen über den Saudi bemüht. Ist Hitzfeld wirklich ein Trainer, der sich in der Vorbereitung eines Spieles um jedes Detail kümmert? Die Frage sollte einmal thematisiert werden. Bloss: Mit Ottmar Hilzfeld will sich niemand anlegen, er ist untouchable. Weshalb? Sportjournalisten sind oft mehr Fans als kritische Beobachter. Zudem wollen sie es sich von Berufes wegen sich nicht mit ihren künftigen Interviewpartnern verderben, was nachvollziehbar ist.
Schengen hin oder her: Wer auf der Grenze geht, spricht sich am besten zuerst noch mit der Grenzwache ab. So auch John Harlin (rechts) gestern in St. Gingolph.
Seit heute früh ist der Grenzgänger unterwegs. Die nächsten 1899 Kilometer und 100 Tage wird John Harlin auf der Schweizer Grenze gehen, klettern radfahren und paddeln – und Interessierte können ihm folgen auf Swissinfo. Weshalb er sich dies antut? Ist er ein Borderliner? Nein, es liegt in der Natur des Menschen, immer höher und weiter zu gehen.
Man hat ja bisher einiges gesehen an stil- und liebevoll präpariertem Haupthaar an dieser WM. Einsamer Höhepunkt für mich leistete sich der Ivorer Gervinho – ein klarer Fall für die Frisurenpolizei, wie ich meine. Was wohl Stilexperte Jeroen van Rooijen dazu sagen würde?
Die interessanteste und zugleich merkwürdigste Mannschaft in Südafrika ist Nordkorea. Das Schlussresultat des Spieles gegen Brasilien hat die staatliche Nachrichtenagentur Korea News Service, die übrigens über eine japanische Domain verfügt, übrigens ihrem Volk vorenthalten. Vielmehr wird der Schein erweckt, die Demokratische Volksrepublik haben in einem furchtlosen und heroischen Kampf den Gegner niedergerungen.
Heute Spielen die Untertanen Kim Il Sungs und dessen geliebten Sohns Kim Jong Il gegen Portugal. Wir sind gespannt, was der Korea News Service in die Heimat berichten wird. Vielleicht so etwas:
Abgesehen von einigen wenigen technischen Highlights war das Spiel gestern gegen die Elfenbeinküste ein ziemliches Gemurkse. Spielte die Selecão früher besser? Wehmütige Fussball-Aficionados bemühen in solchen Fällen immer mal wieder die Weltmeistermannschaft Brasilens aus dem Jahr 1970 mit Pelé, Jairzinho, Tostão und wie sie alle hiessen. Bei genauerem Hinsehen stürzt die Überhöhung in sich zusammen. Auffallend auch, wie langsam das Spiel damals war.