Woran ist die Verzweiflung der Reformierten spürbar? Die Fokussierung der Kirchenangebote auf kurzlebige Trends bedeutet den billigen Ausverkauf einer 2000-jährigen Tradition. Mit dem Kniefall vor gesellschaftlichen Milieus hecheln unsichere Kirchenvertreter dem Zeitgeist hinterher, statt sich auf ihre ewigen Kernkompetenzen zu besinnen: Die Vermittlung des Glaubens und die Interpretation der Bibel. Zentraler Ort dazu ist der Gottesdienst. Wenn die Pfarrer rhetorisch auf der Höhe und überzeugt sind von dem, was sie sagen, kommen die Gläubigen von selbst wieder zurück. Die Stärkung der Pfarrer muss deshalb höchste Priorität haben. Die Bibel hat mit ihrer inneren Komplexität und Deutungsoffenheit nichts an Faszinationskraft eingebüsst. Ganz im Gegensatz zur Kirche, die sich nicht bewusst scheint, dass sie Platz für alle bietet unter ihrem Dach.
Was passiert, wenn ein junger Sportler, der plötzlich im Rampenlicht steht, sich völlig unvorbereitet zu einem Gespräch mit den Medien bereit erklärt, zeigt der Fall des GC-Goalies Roman Bürki. Gegenüber dem Jugendsender Joiz sagt er, dass er nichts gegen das Abbrennen von Pyros im Stadion habe und Schlägereien zu einem Fussballspiel gehörten wie der Senf zur Wurst. Damit stellt er sich diametral gegen die Nulltoreranz seines Klubs gegenüber Gewalt und Feuerwerk im Stadion. Zu allem Übel wurde das Interview auch noch auf die Vereins-Homepage gestellt. Tatsache ist: Nicht nur sportlich steht der GC am Abgrund, auch kommunikativ herrscht Nachholbedarf. Statt aufzuschreien sollten die Klubverantwortlichen jetzt die interne Kommunikation des Klubs verbessern. Was in der Wirtschaft längst üblich ist, gilt auch im Sport: Junge sollten ein Minimum ans kommunikativer Schulung geniessen und die Botschaften des Klubs auf so heiklen Gebieten wie Gewalt und Krawallen an Spielen verinnerlichen.
Oder: Man muss auch mal nein sagen können. Mirko Kaminski tut es. Wobei zu sagen ist: Der Markt in Deutschland unterscheidet sich doch von demjenigen in der Schweiz. Denn: Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht…
Eines vorweg: Wenn ich einen Fussballverein nicht mag, dann ist es der FC Bayern. Mit grossem Glück gewannen sie dreimal in Folge den Europacup der Landesmeister in den 70er Jahren. Und das nach Jahren des Totaal Voetbal, wie er von Ajay Amsterdam praktiziert wurde. So etwas vergisst man nicht. Und doch habe ich nun, neugierig geworden durch den Titel “Der FC Bayern und seine Juden”, die Geschichte des FC Bayern gelesen. Fast wäre mir der Verein sympathisch geworden. Oder ist er es schon?
Was Dietrich Schulze-Marmeling präsentiert lässt aufhorchen. Mindestens zwei Gründungs-Mitglieder des Klubs waren Juden, Joseph Pollack und Benno Elkan. Der Autor stellt zudem fest, dass der Klub zwischen 1900 und 1933 ein weltoffener und liberaler Klub gewesen sei, in dem Juden wie selbstverständlich eine Heimat fanden. Insgesamt dreimal stand dem FC Bayern mit dem charismatischen Bayer Kurt Landauer ein jüdischer Präsident vor.
Während des Nazi-Regimes floh er in die Schweiz. Als der FC Bayern 1943, damals mit einem Nazi als Präsidenten, in einem Freundschaftsspiel im Hardturm gegen die Schweizer Nationalmannschaft antritt, ist Landauer im Publikum. Sein Versuch, mit seinem Mannschaft in Kontakt zu treten, wird von offizieller Stelle unterbunden. Eine andere Sympathiekundgebung konnte die Gestapo allerdings nicht verhindern: Nach Spielschluss lief die Mannschaft in Richtung Tribüne und winkte ihrem ehemaligen Präsidenten zu.
Auf 250 gibt es viele traurige und ein paar schöne Geschichten. Das Buch handelt aber nicht nur vom FC Bayern und seinen Juden, sondern auch von Spielern, die keine Juden waren, aber trotzdem Probleme mit den Nazis hatten. So wie Sigmund Haringer.
Im 21. Jahrhundert wird der Druck gross, sich der jüdischen Vergangenheit zu stellen. Der Impuls dazu kommt ausgerechnet von der geschichtsbewussten Ultra-Gruppierung “Schickeria”. 2009 zum 110. Bayern-Geburtstag veröffentlicht diese eine eigene Chronik, die sich ausführlich den Jahren 1933 bis 1945 widmet. Alljährlich trägt die “Schickeria” ein antirassistisches Turnier um den Kurt-Landauer-Pokal aus.
Kurz: Ein absolut lesenswertes Buch, gespickt mit Hintergrundinformationen über den deutschen Rekordmeister, das ich jedem Fussballinteressierten zur Lektüre empfehlen kann. Er oder sie muss dabei ja nicht unbedingt zum Bayern-Fan werden, aber auszuschliessen ist es nicht.
Einen Medienpreis muss man sich verdienen. Oliver D. Fischer, Gewinner des 3. Internationalen Walliser Medienpreises, hat dies in zweifacher Hinsicht getan. Auch für seine Reportage Grand Cru auf Granit, die im Merian-Heft über das Wallis erschienen ist, musste er einige Hindernisse überwinen.
Man an muss sich den Ort verdienen, hatte Marion Granges am Telefon gesagt, und wie sich jetzt zeigt, war das als Drohung gemeint: eine 200 Meter hohe Felswand, irgendwo da oben das Weingut der Granges, hier unten die Talstation ihrer Privatseilbahn. Kein Mensch zu sehen, das immerhin war angekündigt.
Eine Kabine aus altem Holz, die Tür rastet so leise ein, dass man nicht weiß, ob sie wirklich zu ist. Ein Anruf bei Frau Granges, wie besprochen, dann ein Ruck, die Kabine schwebt überraschend lautlos hinauf, auf die Felsen zu, über denen der Schatten eines Adlers kreist.Mehr…
Gennaro Gattuso tanzt mit dem Linienrichter, Thiago Silva macht den Limbo, Clarence Seedorf schattenboxt sich über das Spielfeld und ein Spieler von Bari versucht sich als Rasenschwimmer. Das virale Video geht um die Welt. Und mit ihm die Botschaft: In der Gazzetta dello Sport steht alles drin.
Gespielt wurde übrigens auch: Hier.
Erstaunlich ist die Zahl der Schweizer Führungskräfte und Unternehmer, die ab 60 in ihrem eigenen Fett ersticken. Sie gehen kaum noch auf die Strasse, humpeln versteckt durch die Wälder der Zürcher Goldküste und können von St. Saphorin und alten Rotweinen nicht lassen. Der joggenden Jugend gehört die Zukunft, die in ihrem Fett langsam sterbenden gehen vergessen. Jetzt erhält die Zürcher SAM Sustainable Asset Management, eine Tochter der niederländischen Robeco, für ihre Webcasts die Marketing Trophy 2011. Darin wird unter anderem das Gesundheitsmanagement jedes einzelnen thematisiert. Im Jahr 2006 beklagten beispielsweise die USA 28 Terroropfer. Im gleichen Zeitraum starben dort 120’000 Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit. Was haben diese Informationen mit einer nachhaltigen Anlagen zu tun? Die Antwort lautet: Die Gesundheit und Prävention werden immer wichtiger – und damit verbinden sich Investitionschancen.