Andi Jacomet, hat mir heute eines meiner frühen Werke zugespielt, das ich Anfang der 90er Jahre für die Berner Studentenzeitung geschrieben habe. Titel: Netzhibitionisten an der Uni. Interessant sind im Rückblick daran eigentlich nur die umständlichen URL der privaten Seiten im Netz. Ich war jung und brauchte das Geld, sage ich dazu.
Pro Litteris, die Schweizerische Urheberrechtsgesellschaft, kassiert Gebühren für journalistische Werke, Literatur und bildende Kunst. Auch ich bin Mitglied. Meindestens zweimal jährlich kriege ich Post von der Gesellschaft. Dabei handelt es sich um einen aufwendig gestalteten Geschäftsbericht oder eine Einladung zur Generalsversammlung. Das Kassieren und Verteilen der Urheberrechtsgebühren ist attraktiv, Pro Litteris muss nicht darben. So kann es sich die Gesellschaft leisten, ihrem Direktor mit einem Gehalt von 308’000 Franken fürstlich zu entlöhnen. Könnte man die Verwaltungskosten nicht ein bisschen senken und stattdessen die Urheber besser entschädigen? In diesem Sinne habe ich Pro Litteris gestern ein Mail geschickt mit der Bitte, mir künftig keine Einladungen, Traktandenlisten und Geschäftsberichte zuzustellen, denn ich könne es mir schlichtweg nicht leisten, dies alles zu lesen und die Pro-Litteris-Kongresse zu besuchen. Die Antwort kam postwendend:
“Wir verstehen Ihr Anliegen sehr gut, doch sind wir von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, Ihnen diese Unterlagen zuzuschicken. Es ist uns leider nicht erlaubt, unseren Mitgliedern, je nach deren Wünschen, Unterlagen zu schicken oder nicht.”
So wandert die Post, die ich von Pro Litteris kriege, auch weiterhin direkt ins Altpapier. Das papierlose Büro ist für die Gesellschaft keine Option. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn das Unternehmen einen CO2-Kompensation dafür vornehmen würde – auf Kosten der Urheber natürlich.
Ende Juni hat Ringier die Mehrheit am Rabattanbieter DeinDeal.ch übernommen. Das Geschäft wurde als „strategische Partnerschaft“ angepriesen. Dies ist ganz im Sinne von Marc Walder, CEO Ringier Schweiz und Deutschland, der aus dem Unternehmen einen Gemischtwarenladen machen wikll und seine Mitarbeiter auf den Verkauf von Tierfutter und Konzerttickets einschwört. Heute ist bei DeinDeal.ch das „Blick“-Jahresabo für 161.50 statt 323 Franken erhältlich. Merke: Wenn der Inhalt nicht stimmt, muss die Nachfrage über den Preis reguliert werden. Obs sich damit die Leser wieder gewinnen lassen, bleibt vorerst fraglich.
Welche Kinder lieben Tiere nicht? Andrew Bonds 16. CD ist musikalisch ebenso vielfältig wie die von ihm besungenen Tiere und Landschaften. Seine wortwitzigen Texte sind wie immer poetisch und nachvollziehbar – auch für die Kleinen. Die 22 Lieder auf der CD animieren sofort zum Mitsingen und Mittanzen.
Andrew Bond zählt heute mit über 450‘000 verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten
Kinderliedermachern und Musikern der Schweiz. Auch wenn ihn vielleicht der eine oder andere Erwachsene nicht oder noch nicht kennt: die Kinder kennen und singen seine Lieder dafür in- und auswendig. Und in den meisten Familien, Kindergärten und Schulzimmern der Deutschschweiz gehören seine eingängigen Kinderlieder, um nicht zu sagen Ohrwürmer, zum Schulstoff. Mehr zu Andrew Bond gibts hier.
Die “Berliner Morgenpost” veröffentlicht heute einen Artikel zu einer schweizerischen Tradition. Dabei fällt auf: Im Ausland steht man dem Schweizer Bevölkerungssschutz weniger kritisch gegenüber als im eigenen Land. Ja, es gibt sogar richtige Fans des Zivilschutzraumes. Einer von ihnen ist Alexander Schratt, der die Webseite mein-schutzraum.de unterhält.
Im Journalismus ist es wie in der Literatur oder im Film: Die grosse Kunst besteht darin, eine Geschichte zu erzählen. Nirgendwo ist dies offensichtlicher als bei Kinderbüchern. Die Kleinen sind unerbittlich in ihrem Urteil – auch mein Sohn. Was nicht gefällt, wird weggeschmissen. Die Studie von Kinderbüchern gehört deshalb meiner Meinung nach zu jeder Journalistenausbildung. Mein aktuelles Lieblingskinderbuch ist Humphrey, The Lost Whale. Es handelt vom Buckelwal “Humphrey”, der sich 1985 in der Bay von San Francisco ins Süsswasser verirrte und in einer dramatischen Rettungsaktion mit aufgenommen Lauten von Killerwalen vertrieben und von auf Schallplatten aufgenommenen Gesänge seiner Artgenossen angelockt ins Freie fand. Die Geschickte enthält kein Wort zu viel, verliert sich nicht in Details und ist doch informativ. Ein Genuss für mich und meinen Sohn.
Vor zwanzig Jahren begann der Bürgerkrieg in Jugoslawien. Was bliebt vom alten Staat übrig? Wie denken die Menschen heute über das Vergangene, das Heute und die Zukunft? Antworten gibt die Spurensuche des Schweizer Photographen Fabian Biasio, der mit Ehefrau und dem 15 Monate Sohn im vergangen Jahr im Wohnmobil 12’000 Kilometer durch alle Länder des ehemaligen Jugoslawiens zurücklegte. Das Resultat ist ein interaktiver Roadmovie auf der Webseite www.zwanzigjahre.ch, in denen der Autor den Spuren des Krieges nachgeht.