Archiv für die Kategorie „Kommunikation“

Medien und PR: Verstehen, was ist.

4. April 2012

SF: Qualität schlägt sich in Quoten nieder

Jean-Martin Büttner, eine der beiden Edelfedern beim “Tages-Anzeiger” (die andere ist Constantin Seibt) analysiert heute das Programm des Schweizer Staatsfernsehens und kommt zu einem niederschmetternden Fazit: Beim Schweizer Fernsehen dominieren Redundanz und Nullaussagen. Das ist nichts Neues. Über die Ursachen des Missstandes äussert sich Bütter nicht. Ich werde es für ihn tun.

Ursache der Probleme beim Schweizer Fernsehen sind einerseits die Führung unter Roger de Weck und die Qualität der Journalisten, die oft voreingenommen sind (eine Todsünde im Journalismus) und unfähig zu vertiefter Recherche, andererseits der Overkill im Ausbau des Unternehmens.

Zum ersten Punkt: Die Blocherfixiertheit, die Büttner anspricht, hat mit der Faulheit und der verbreiteten Mutlosigkeit der Journalisten zu tun – wer wagt es schon, ein neues Politthema zu setzen oder neue Gesichter zu zeigen, die etwas zu sagen haben? Man muss sich nicht wundern, wenn deshalb im „Club“ vier Medienvertreter in der Runde sitzen. Ich persönlich will Experten reden sehen, nicht Journalisten. Diese sind oft, wie man so schön sagt: Universal-Dilettanten.

Zum zweiten Punkt: Mit den technischen und programmatischen Möglichkeiten werden heute Grossereignisse bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet – siehe Busunfall im Wallis. In der Not, mangels Direktbetroffenen, die zur Verfügung stehen, Sendezeit abzufüllen, hängen sich Journalisten verzweifelt an die Retter von Feuerwehr und Sanität, deren persönliches Befinden (haben Sie post-traumatische Belastungsstörungen?), plötzlich zum Thema wird. Es  gibt zu viele Sendungen, die mit Inhalten gefüllt werden müssen und zu viele Journalisten, die sich dazu Informationen aus den Fingen saugen müssen.

Die Folge dieser Entwicklungen: SF ist ein seichtes Staats-TV, dass ich, der weder Quiz noch Skirennen etwas abgewinnen kann, einigermassen gebildet ist und nicht auf dem Land wohnt, wegschaut. Das Runterschrauben der anvisierten Quoten von SF ist eine Kapitulation vor der eigenen Strategie. Leutschenbach, aufwachen!

  • Share/Bookmark

3. April 2012

Fussballer-Tattoo als Warnung


Daniele de Rossi fiel nicht immer durch sportliches Benehmen auf dem Fussballplatz auf. Hat er Besserung gelobt? Richtet sich die Aussage seines Wadentattoos deshalb an ihn selbst? Eher nicht, muss er sich doch ziemlich verdrehen, um das Bild überhaupt zu erkennen. Ich vermute deshalb, es ist eine Warnung an seine Gegenspieler. Auch eine Möglichkeit, sich Respekt zu verschaffen unter lauter Wölfen.

  • Share/Bookmark

2. April 2012

Gardinenpredigt für die Reformierten

“Der Bund”, 31. März 2012, Markus Dütschler

Gardinenpredigt eines PR-Mannes

Reformierte. Die Kirchen tun viel Gutes. Sie sollten das in der Öffentlichkeit besser kommunizieren, sonst merkt es keiner.

Der Abend könnte interessant werden. «Die Kirche lebt, nur weiss es niemand», so der Titel eines Referats, das an der reformierten Bezirkssynode in Kehrsatz gehalten wird. Ein PR-Mann der nicht unbekannten Zürcher Agentur Stöhlker kommt am Donnerstagabend eigens ins Ökumenische Zentrum. Philippe Welti, Fachmann für öffentliche Kommunikation und Journalist, ist kein echter Zürcher, sondern in Spiegel bei Bern aufgewachsen.

Er ist, wie er bekennt, «reformiert &endash und das ist gut so». Die Formel tönt nicht zufällig gleich wie das Outing des Berliner Bürgermeisters in einem völlig anderen Lebenszusammenhang: Bekannte sich «Wowi» zum Schwulsein, outet sich Welti als Kirchenmitglied, das es wichtig fand, sich mit seiner Gattin kirchlich trauen und das Kind taufen zu lassen. Im Juste Milieu seines Freundeskreises habe man zuerst leer geschluckt, aber nicht viel gesagt, «weil man ja so tolerant ist».

Welti schwärmt nicht von einem Bekehrungserlebnis, ja, er ist nicht einmal sicher, ob Gott existiert. Aber, so legt er den Bezirkssynodalen in Kehrsatz dar, er habe sich «geweigert, die Option Gott auszuschliessen». Welti estimiert die 2000-jährige Erfahrung der Institution Kirche mit allen Lebenslagen, die Rituale, der Schatz an Lebenshilfe, die Feiern für Kinder, Altersnachmittage, das soziale Engagement, Eheberatungsstellen &endash und vieles mehr. «Wissen die Leute, die austreten, was die Kirche alles tut?», fragt er rhetorisch. Die Vorstellung, dass der Staat sämtliche Aufgaben übernehmen könnte, hält er für illusorisch &endash und für sehr teuer, denn in der Kirche werde viel Freiwilligenarbeit geleistet. «Diese Steuern sind gut investiertes Geld», so sein Fazit.

Nicht alles an der Kirche gefällt Welti. Er ist irritiert, wenn er in einem reformierten Gottesdienst von einer Schamanin überrascht wird. Geschichten will er hören, gute Predigten, nicht hochgestochen, aber engagiert, klar und deutlich. Er wünscht sich eine selbstbewusste Kirche, die zu ihrem reformatorischen Erbe steht, anstatt mit Tiersegnungsgottesdiensten dem Zeitgeist hinterherzuhecheln. Noch etwas fordert der PR-Fachmann: «Die Kommunikationskanäle müssen verbessert und nach aussen aktiviert werden.» Sonst erfahre die Öffentlichkeit nie, was die Kirche tue. Berichte in Kirchenblättern &endash «zu oft über Brunnengrabungen in Togo» &endash richteten sich an Insider, so Welti. Ein Beitrag in einer Zeitung wie dem «Bund» bewirke mehr. Das wird man dann noch sehen.

Zum Artikel als PDF.

  • Share/Bookmark

29. März 2012

Sunrise ist Sundown

Von einem Telekommunikationsunternehmen erwartet man anderes. Für Sunrise bin ich jetzt Herr Koch, dem man folgend den aktuellen Status seiner Bestellung mitteilt. Dann heisst es noch: Die Aufschaltung von Sunrise flex M wurde erfolgreich ausgeführt wurde. Dabei habe ich doch gar nichts bestellt. Auf Nachfrage heisst es bei der Kundenhotline Sunrise: “Das können wir uns auch nicht erklären. Löschen Sie das Mail einfach.”

  • Share/Bookmark

3. November 2011

Sind wir Bischof genug?

Jedes Kind kennt Papst Benedikt XVI. Den Reformierten fehlt eine integrative Persönlichkeit, die sie verehren oder an der sie sich reiben können. Was setzen die Reformierten dem Papst entgegen? Meinen Kommentar dazu im “Kirchenboten” finden Sie hier.

  • Share/Bookmark

7. Oktober 2011

Steve Jobs, Philosopher


Eine Rede des iCEO, die in Erinnerung bleib. Ein Adopivkind erobert die Welt – auch ohne Uni-Abschluss. Im Hare Krishna-Tempel  durchgefüttert, nachdem er sein Studium hinschmiss, macht er später seinen Weg und schreckt auch vor dem Tod nicht zurück. Unbedingt reinhören.

  • Share/Bookmark

18. August 2011

Bayern – FCZ: Seltsam selbstzufriedene Zürcher

Der FC Zürich hatte gestern nicht den Hauch einer Chance gegen die Bayern. Offenbar hat niemand an eine Sensation geglaubt. Man schickt sich beim FC Zürich in die Mittelmässigkeit. Die folgenden Aussagen von FCZ-Spielern müssten der Vereinsführung zu denken geben:

  • “Es war eines der Highlights der Vereinsgeschichte.” (Trainer Urs Fischer)
  • “Wir müssen mit dem 0:2 sehr zufrieden sein” (nochmals Trainer Urs Fischer)
  • “Wir wollten uns so gut wie möglich wehren, das ist uns mehr oder weniger geglückt.” (Kapitän Silvan Aegerter)
  • “Wir müssen uns dort noch einmal teuer verkaufen und versuchen, den Fans etwas zu bieten.” (nochmals Kapitän Silvan Aegerter)

  • Share/Bookmark

15. Juli 2011

The Power Of Words. Oder: Richtige Kommunikation ist alles.

  • Share/Bookmark

10. Juli 2011

Journalisten: Lernen von Kinderbuchautoren

Im Journalismus ist es wie in der Literatur oder im Film: Die grosse Kunst besteht darin, eine Geschichte zu erzählen. Nirgendwo ist dies offensichtlicher als bei Kinderbüchern. Die Kleinen sind unerbittlich in ihrem Urteil – auch mein Sohn. Was nicht gefällt, wird weggeschmissen. Die Studie von Kinderbüchern gehört deshalb meiner Meinung nach zu jeder Journalistenausbildung. Mein aktuelles Lieblingskinderbuch ist Humphrey, The Lost Whale. Es handelt vom Buckelwal “Humphrey”, der sich 1985 in der Bay von San Francisco ins Süsswasser verirrte und in einer dramatischen Rettungsaktion mit aufgenommen Lauten von Killerwalen vertrieben und von auf Schallplatten aufgenommenen Gesänge seiner Artgenossen angelockt ins Freie fand. Die Geschickte enthält kein Wort zu viel, verliert sich nicht in Details und ist doch informativ. Ein Genuss für mich und meinen Sohn.

  • Share/Bookmark

6. Juni 2011

Hoch zum Grand Cru auf Granit

Einen Medienpreis muss man sich verdienen. Oliver D. Fischer, Gewinner des 3. Internationalen Walliser Medienpreises, hat dies in zweifacher Hinsicht getan. Auch für seine Reportage Grand Cru auf Granit, die im Merian-Heft über das Wallis erschienen ist, musste er einige Hindernisse überwinen.

Man an muss sich den Ort verdienen, hatte Marion Granges am Telefon gesagt, und wie sich jetzt zeigt, war das als Drohung gemeint: eine 200 Meter hohe Felswand, irgendwo da oben das Weingut der Granges, hier unten die Talstation ihrer Privatseilbahn. Kein Mensch zu sehen, das immerhin war angekündigt.
Eine Kabine aus altem Holz, die Tür rastet so leise ein, dass man nicht weiß, ob sie wirklich zu ist. Ein Anruf bei Frau Granges, wie besprochen, dann ein Ruck, die Kabine schwebt überraschend lautlos hinauf, auf die Felsen zu, über denen der Schatten eines Adlers kreist.
Mehr…

  • Share/Bookmark