2. September 2010
Gestern habe ich wieder ein Mail gekriegt, in der ich nicht nur herzlich gegrüsst wurde, sondern herzlichst – natürlich von einer Frau. So etwas nervt, nimmt aber in der Korrespondenz heute immer mehr zu, wie ich feststelle. Für jemanden, der oder die etwas auf sich hält (oder etwas zu erreichen versucht), ist es gar usus geworden. Mit der Inflation der Freundlichkeiten nimmt auch die Halbwertszeit von “herzlichst” ab. Demnächst muss ich wohl mit herzlichstmöglichen Grüssen rechnen. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.
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26. August 2010
Aufgrund meiner Analyse der Kommunikation der Reformierten Kirche wurde ich angefragt von der Zeitung “Reformiert” für ein Statement zu meinem Reformiertsein. Hier ist sie.
Umfrage/Was heisst Reformiertsein heute? „reformiert.“ will es wissen, diesmal von Philippe Welti, PR-Berater und Journalist in Zürich
„Wir lassen unseren Sohn taufen und stellen fest: Die meisten unserer Freunde sind längst aus der Kirche ausgetreten. Eigentlich müsste auch ich längst ausgetreten sein: Mode und Wissenschaft sprechen dafür; als Journalist ist man Fakten verpflichtet. Mein Glaube war zwar immer ein ‚ich glaube, obwohl‘ und ich könnte auch ohne leben. Bloss: Ich lasse mich gerne überraschen, dass es noch etwas Göttliches gibt, das in uns lebt. Am eigenen Leib habe ich zudem erlebt, dass mir die Kirche bei Schicksalsschlägen eine Form des Handelns bietet, die mir das Umgehen mit solchen Katastrophen ermöglicht hat. Als Mitglied der reformierten Kirche bin ich gerne Teil einer Gemeinschaft, die nicht nur Wegbereiter des Kapitalismus und damit des Wohlstandes der Schweiz war, sondern auch die Grundlage zum modernen Sozialstaat gelegt hat.“
Zum PDF des Artikels.
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16. August 2010
2015 soll der Papst in die Schweiz kommen. Grund: Die Abtei von Saint-Maurice im Wallis, das älteste Kloster des Abendlandes, feiert ihr 1500-jähriges Bestehen. Nur das Katharinenkloster auf dem Sinai ist noch älter. Dieses war allerdings – im Gegensatz zur Abtei von Saint-Maurice – nicht durchgehend von Mönchen bewohnt. Dem Kloster steht heute der 72-jährige Joseph Roduit vor. Er ist der 97. Abt in einer langen Reihe an Geistlichen, welche hier, an der engsten Stelle des Wallis, die christliche Tradition leben und hochhalten. Dass Joseph Roduit im Schoss der Kirche landete, ist aussergewöhnlich. Denn als junger Mann hatte er eine Freundin und ein Auto. Wie er mir persönlich sagte, habe er Papst Benedikt XVI. bereits persönlich auf den Geburtstag des Klosters angesprochen und zum Besuch eingeladen. Der 83-Jährige habe ihm erklärt, dass er noch nicht so weit in die Zukunft planen könne. Trotzdem ist Roduit zuversichtlich, dass der Papst in fünf Jahren ins Wallis kommt: “Das Kloster von Saint-Maurice bildet einen der Grundsteine der Geschichte der Christenheit in Europa. Es ist ein heiliger Ort, der nach ganz Europa ausstrahlt.”

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12. August 2010
Was ist guter Journmalismus? Wenn die Texte denjenigen verändern, der sie gelesen hat; oder, wenn sie zeitlos sind und Bestand haben. Die Cooltools-Webseite hat sich mit The Best Magazine Articles Ever
zur Aufgabe gemacht, die besten Texte zusammenzustellen, die in amerikanischen oder englischen Magazinen je erschienen sind. So findet man hier denn die Story “The Falling Man” aus “Esquire” über den Patissier im Restaurant Windows of the World, der sich nach dem Einschlag des ersten Flughzeuges in den World Trade Center in die Tiefe stürzt (siehe Bild unten) oder John Krakauers “Death of an Innocent – How Christopher McCandless lost his way in the wilds” (erschienen in “Outside”), die als “Into The Wild” verfilmt wurde. Auch sehr lesenswert die Story “Frank Sinatra Has a Cold”. Kurz: Die Zusammenstellung listet das Beste auf, was der angelsächsische Journalismus zu bieten hat. Und ich meine: Das einfache Erzählen einer Geschichte ist eine hohe Kunst, die unterschätzt wird. Solche Stories überleben alle Trends, denen deutschsprachige Magazine hinterherhecheln.

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4. August 2010
Mal schauen, wie es sich auf der Strasse lebt? In Utrecht kann man jetzt als Tourist auf Sightseeing-Tour Armut besichtigen gehen. Das Konzept nennt sich Poorism und wird in Utrecht städtisch gefördert.
Dort heisst das Projekt, in den Obdachlose und Drogensüchtige zu Fremdenführeren ausgebildet werden, Utrechtunderground. Ziel ist es, den Touristen das Leben auf der Schattenseite der Domstadt zeigen.
Die Frage ist, ob dieser Tourismus wirklich dem Image der Stadt förderlich ist, was ich zu bezweifeln wage. Wer sich mit Poorism brandet, muss sich nicht wundern, wenn eher junge und wenig kaufkräftige Touristen in die Stadt kommen. Aber vielleicht ist Untrechtunderground ja auch eher als Integrationsprojekt zu verstehen. Als Stadtführer richten die Männer und Frauen möglicherweise weniger Schaden an als wenn sie anderswie tätig wären. Immerhin erhalten sie als Experten für Obdachlosigkeit auch noch 7€ in der Stunde.
Wäre er nicht Fussballspieler geworden würde vielleicht auch Wesley Sneijder, der im Utrechter Stadtteil Ondiep aufgewachsen ist, solche Führungen anbieten. Im Arbeiterviertel, in dem Arbeitslosigkeit und Dorgenkonsum hoch sind, kommt es immer wieder zu Zusammenstössen mit der Polizei.
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3. August 2010
Mit seinem schlacksigen Gang, seinem treuherzigen Blick, dem bübisch-frechen Schmunzeln ist er bei seinen Auftritten der etwas unbeholfene Junge von Nebenan geblieben, der manchmal etwas ungepflegt daher kam, einer, der Beschützerinstinke weckt und dem manch’ eine Frau sagen möchte: Bind’ deine Krawatte richtig, zieh dich richtig an. Ist alles nur ein Spiel um die Gunst der Frauen? Der Mann weiss, wie man verführt – nicht nur Wanderer, die wissen möchten, obs morgen Katzen regnet oder Blumenkohlwolken am Himmel hat.
Seit er aus der U-Haft entlassen worden ist, gibt der Wettermann erste Interviews und ist schon wieder der alte: “Ich? Ich mag zwar moralische Fehelr begangen haben, juristisch gesehen bin ich aber zu 100 Prozent unschuldig.” Kachelmann hätte auch auf ein “Missverständnis” plädieren und sich so für moralisches Fehlverhalten entschuldigen können. Er tut es nicht. Der Spieler Kachelmann setzt alles auf eine Karte. Zwar hat die Stimmung in den Medien gedreht: plötzlich ist das angebliche Opfer unglaubwürdig. Bei einem Umsatz von über 13 Millionen Euro und einem Gewinn von über 4 Millionen Euro kann sich der erfolgreiche Unternehmer die besten Anwälte leisten. Bis jetzt scheint das Spiel aufzugehen. Doch Kachelmanns Strategie bleibt riskant: Denn entscheidend sind nicht die Sympathiepunkte in der Öffentlichkeit, von denen sich die Richter nicht beeinflussen lassen werden, sondern alleine das Urteil. Wird der Wetterfrosch verurteilt, helfen ihm auch die besten Juristen nicht mehr weiter.
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3. August 2010
Reduce to the max, kommt mir da in den Sinn. Der Leumund zeigt die Evolution der Iphone-Elektronik auf. Ich stelle fest: Das Innenleben meines Iphones verhält sich zum Iphone 4 fast wie das Natel C zu meinem jetzigen Gerät.
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28. Juli 2010
Wikileaks – die Antwort auf den Embedded Journalism. Letzterer hat als Konzept versagt. Kriegsführende Parteien müssen sich noch genauer überlegen, wie sie ihre Aktionen in der Öffentlichkeit “verkaufen” wollen. Die Lösung des Problems kann meiner Meinung nach nur in der Auswahl der Truppe und der Mittel, die eine kriegsführende Partei ergreift, liegen.
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