2. September 2009
Archiv für die Kategorie „Gelesen“
Medien und PR: Verstehen, was ist.
26. Januar 2009
Ringiers Akt der Verzweiflung
Der Werbespot für den “Sonntagsblick” geht unter die Haut und ist gut gemacht. Bloss: Wird der Leser nun wirklich öfter zum “SoBli” greifen? Eher nicht. Der Kampf um den Leser entscheidet sich im Blatt, nicht auf der Mattscheibe. Mit keinem Werbeaufwand der Welt kann man ein schwaches Produkt verkaufen. Der aufwändig und teuer realisierte Werbespot ist Ausdruck der Verzweiflung des Ringier-Verlages, Leser zurückzugewinnen.
Der Leserschwund der Ringier-Blätter ist dramatisch: Heute schafft es der “Blick”, das ehemalige Boulevard-Leitblatt, gerade noch auf 672′000 Leser. Branchenprimus ist mit 1′244′000 Lesern “20 Minuten”. Der “Sonntagsblick” verlor 2008 gegenüber dem Vorjahr sogar fünf Prozent seiner Leser, die “Schweizer Illustrierte” “nur” drei Prozent. Wir warten gespannt auf die neuen Leserzahlen der Schweizer Presse, am 24. März ist es so weit.
17. Dezember 2008
Hürden für Filmjournalisten
Die Akkreditierungsgebühr beträgt CHF 40.–.
Wir freuen uns, Sie an den Solothurner Filmtagen begrüssen zu dürfen!
Egal wie wieviele Filme besucht werden: Journalisten werden zur Kasse gebeten. Sind die Solothurner Filmtage so klamm, oder erschliesst man sich angesichts der Krise neue Einnahmequellen?
27. Juli 2008
Schweizer Medien entdecken Lohas
Umweltthemen mehrheitsfähig und familienfreundlich behandeln, so, dass sich weder Wirschaft noch Leser vor den Kopf gestossen fühlen? Ringier und Axel Springer überliessen jahrelang das Thema Umwelt kleineren Verlagen oder behandelten dei Themen etwas stiefmütterlich in ihren eigenen Publikationen. Jetzt werfen beide Verlage grüne Magazine auf den Markt. Im Fokus hat man dabei die Lohas, für die es in Deutschland bereits eine ganze Reihe von Publikationen gibt. Ringier aber hat erst soeben den “gegenwärtigen Megatrend des grünen Lebensstils” entdeckt. “SI Grün” soll ein Lifestyle-Magazin sein und im Oktober erstmals der “Schweizer Illustrierten” beigelegt werden. “Lustvoll und glaubwürdig” will man über grüne Anliegen berichten. Ich bin gespannt, wie wir jetzt plötzlich Melanie Winiger den Küchenabfall auf den Kompost tragen sehen werden.
Das Verlagshaus Axel Springer Schweiz plant ebenfalls die Herausgabe einer neuen Monatszeitschrift zum Thema Natur und Umwelt. Die Publikation soll dabei als Line Extension der Marke “Beobachter” lanciert werden. Bereits Ende August geht mit “ecoLife” das Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil vom Verlag Profile Publishing an den Start.
Tatsache ist: Es wird eng auf dem Markt der Umwelt-Publikationen wie zum Beispiel “Natürlich”, die heute bereits in Konkurrenz zu den auflagestarken Publikationen von Greenpeace und WWF stehen.
25. Juli 2008
Homo migrans in Europa
Wir sind alle irgend einmal eingewandert. Moderne Genanalysen, wie auf diesem Blog bereits besprochen, belegen es: Der Homo migrans hat sich über die Welt ausgebreitet. Die Enzyklopädie der Migration in Europa seit dem 17. Jahrhundert gibt einen hervorragenden Überblick über die Völkerwanderungen. Das über 1000-seitige Werk erzählt Geschichten über ganz unterschiedliche Migrantengruppen: Zum Beispiel über die bosnischen Bärenführer, die im 19. Jahrhundert mit dressierten Tanzbären in West- und Mitteleuropa ihren Lebensunterhalt verdienten, aber auch über die ägyptischen „Sans Papiers” in Paris seit 1980, die Zyprioten in Grossbritannien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und die chinesischen Zuwanderer, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der italienischen Modeindustrie anheuerten. Auch der Schweiz ist ein Kapitel gewidmet. Die Enzyklopädie der Migration in zeigt auf, dass auch die Schweiz ein ein Einwanderungsland ist – und zwar nicht erst, seit die sogenannten Gastarbeiter ins Land kamen (Bild: Abstimmungspostkarte der Gegner der Überfremdungsinitiative, 1974). Auch wenn sich gewissen Parteien in der Schweiz mit dieser Erkenntnis weiterhin schwertun.
23. Juli 2008
Sie büsste für ihre Emanzipation
Reichste Frau der Schweiz heiratet Bundesratssohn, brennt dann mit Künstler durch und wird psychiatrisiert. Ihr Gelieber, der Berner Maler Karl Stauffer, wird aufgrund falscher Beschuldigungen ihres Ehemannes und dessen Vaters, Bundesrat Emil Welti, in Italien eingekerkert. Nach der Scheidung vermacht Lydia Welti-Escher ihrem Mann umgerechnet 18 Millionen Franken und zieht sich zurück. Von ihrem Geliebten hatte sie sich bereits vorher zurückgezogen. Dank neuen Fakten in der Biographie der emanzipierten Tochter der einflussreichsten Politikers und Unternehmens des 19. Jahrhunderts, muss das Bild Lydia Welti-Eschers revidiert werden. Mehr…
7. Mai 2008
Am Schluss noch den Endfinish
3. März 2008
“Hören Sie nie auf Paartherapeuten!”
Die schönsten Frauen der Welt liegen ihm zu Füssen, doch Roger Federer hat nur Augen für seine Miroslava. Seine Liebe zur ihr ist so beständig wie sein Tennisspiel. Es muss Liebe sein, orakelt deshalb die Zeitung “Sonntag”, in der Paartherapeut Klaus Herr den beiden den Tipp gibt: “Sie müssen aufpassen, dass sie niemals auf den Rat eines Paartherapeuten hören! Sondern immer gemeinsam herausfinden und ausdiskutieren, was ihnen wichtig ist.”
18. Februar 2008
Klima: Alles schon dagewesen
Wer die Änderungen in der Natur bewerten will, muss sich an Zeitskalen orientieren, die für die Abläufe in der Natur entscheidend sind. Was wir heute klimatisch erleben, ist nichts Neues. Unsere Temperaturen sind auf dem Niveau der mittelalterlichen Warmzeit. Ist das so schlimm? Nein, denn ein Blick zurück zeigt, dass klimatische Warmphasen immer Zeiten waren, in denen es der Natur und damit auch dem Menschen besser ging als in den Kaltphasen. Diese Aspekte des Zusammenlebens geraten vor den medialen Warnungen vor dem Zusammenbruch des Systems Erde in den Hintergrund. Immer mehr Menschen fragen sich, ob uns die Natur für unser frevelhaftes Tun bestrafen wird und wenden sich dem Irrationalen zu – mit Folgen für die geistige Beweglichkeit. Wer wagt es denn heute noch als Abweichler den Klima-Gau überhaupt in Frage zu stellen? Stattdessen feiert der Ablasshandel mit Klimazertifikaten Urständ. Um die Welt zu verstehen, muss man sie als dynamisches System begreifen, das in stetem Wandel ist. Josef Reichholf führt uns in seinem Buch “Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends” in überzeugend unaufgeregter Weise vor Augen, dass man die Welt nur verstehen kann, wenn man sie als ein System begreift, das in stetem Wandel ist. mehr…
29. Dezember 2007
Wie ich mitrede, ohne gelesen zu haben
Jedes Milieu hat eine Liste von Büchern, die man gelesen haben muss, will man sich nicht blamieren. Für den Zürcher Banker sind es zum Beispiel die Bücher des Bankenprofessors Beat Bernet, für Studenten der Geschichte immer noch das “Kommunistische Manifest”. Nicht jeder, der ein Buch gelesen haben will, hat dies auch getan. Aber das ist eine andere Geschichte. Was tut man in Gesprächssituationen, in denen es um Bücher geht, von denen man keine Ahnung hat? Nur nicht vor Scham im Boden versinken. Der französische Literaturprofessor und Psychoanalytiker Pierre Bayard räumt radikal auf mit dem Zwang des Gelesen-haben-Müssens und erweist der Nichtleserschaft einen grossen Dienst, indem er postuliert: Ein Buch muss man nicht von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen haben, um sich darüber unterhalten zu können. Vielen von uns fehlt dazu schlichtweg die Zeit. Darauf baut zum Beispiel erfolgreich das Business-Modell von Get Abstract auf.
In seinem Buch “Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat” unterscheidet Bayard die folgenden Typen von nichtgelesenen Büchern – über alle kann man sich austauschen:
- Einem völlig unbekannte Bücher
- Quergelesene Bücher
- Bücher, die man vom Hörensagen kennt
- Bücher, die man einmal gelesen, aber vollständig vergessen hat
Bayard entlastet in seinem vergnüglich zu lesenden Buch unser Gewissen und gibt dazu auch noch nützliche Ratschläge, wie man sich in angeblich belesener Gesellschaft nicht blamiert.
- Leben Sie Ihre Komplexe bezüglich kultureller Sozialkompetenz ab und nehmen Sie nicht für bare Münze, wie viele Bücher ihre Gesprächspartner gelesen haben.
- Betrachten Sie das Reden über Bücher in erster Line nicht als sozialen, sondern kreativen Prozess.
- Vertreten Sie Ihre Ansichten über ein Buch oder eine Geschichte mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Falls Sie seltsame Interpretationen von sich geben, werden dann entweder als Zeichen eines originellen Geistes oder als Humor interpretiert.
- Nötigenfalls erfinden Sie ein Buch, lassen Ihrer Phantasie freien Lauf und lenken das Gespräch auf ein anderes Thema. Und vergessen Sie nicht: Andere schummeln auch, wenn es um die Anzahl gelesener Bücher geht.
“Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat”, Pierre Bayard, Kunstmann Verlag.






