Nach seiner unheimlichen Begegnung mit einem Affen im Dschungel Thailands weiss auch unser Sohn: Wenn es um wilde Tiere geht, gibt es bestimmte Dinge, die man einfach nicht tun sollte. Einen Tiger zu necken, ist zum Beispiel eine schlechte Idee; einen Affen anzulächeln ebenfalls. Sieht er unsere Zähne, könnte er sich bedroht fühlen. Aber wer weiss schon, dass auch das Schnabeltier gefährlich werden kann? Der Bildband von Steve Jenkins erklärt eindrücklich, wie sich Tiere wehren und was man, wenn man ihnen als kleiner Mann (oder Frau) begegnet, nicht tun sollte. Never Smile at a Monkey: And 17 Other Important Things to Remember by Steve Jenkins. 32 Seiten. Houghton Mifflin Books for Children.
Der kleine Nachtwächter besteigt das Tram. Es ist die Nummer 4 und meinem Sohn fällt gleich etwas auf. Genau, wir nehmen auch manchmal den 4er. Wenn wir das tun, gehen wir nach Hause. Der kleine Nachtwächter aber beginnt erst jetzt mit seiner Arbeit. Und gleich ist man mittten in dieser wunderbaren Gutenachtgeschichte aus dem Zürcher Bohem-Verlag. „Gute Nacht, Zürich“ besticht mit liebevollen Bildern und einem hohen Wiedererkennungswert – für Zürcher.
Der Nachtwächter fährt erst einmal zum Opernhaus, wo er nach der letzten Vorstellung die Türe schleisst, dann geht’s zum Kinderspital, wo er einem kleinen Mädchen eine Geschichte erzählt. Im Zoo sagt unser Held den Elefanten und Pinguinen gute Nacht und fährt dann mit dem Polybähnchen, auf welchem unzählighe Kinderkrippen sich die Zeit vertreiben, zur Sternwarte, zu den Tauben im Turm des Fraumünsters und schliesslich zu den Schwänen und Enten im See.
Gegen Ende der Nacht ist der Nachtwächter ebenso müde wie die Kinder, denen die Eltern dieses Buch vor dem Schlafengehen vorlesen. “Gute Nacht, Zürich” leistet auch der Integration der schnell anwachsenden deutschen Bevölkerung in der Stadt Zürich Vorschub: Die kurzen Texte neben den Bildern liegen auf Schweizerdeutsch und Deutsch vor.
Als Vater eines Kleinkindes gehe ich auf dem Trottoir und frage mich manchmal: Was passiert, wenn plötzlich ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und von der Strasse abkommt? Müsste man nicht alle Strassen in Tunnels führen? Sollten in der Stadt noch mehr Fussgängerzonen entstehen? Tatsache ist: Die Welt ist voller Gefahren. Kann ich mich noch vor die Türe wagen? Wofür bin ich selbst verantwortlich? Wo muss mich der Staat schützen?
Das Lauterbrunnental ist bekannt als Steuerhölle im Hochsteuerkanton Bern und als Heimat der Basejumper, die sich todesmutig über die Felswände Werfen und nicht selten ungebremst im Tal unten aufschlagen – zum Ärger der lokalen Bauern. Doch die Gemeinde verdient am Risikosport, dem in den letzten zehn Jahren 40 Menschen zum Opfer fielen, mit. So gibt es in der Gemeinde Tages- und Saisonkarten für Basejumper und Drachenflieger, die als Organspender die Kassen füllen könnten. Dank den Eintrittskarten in die Todeszone werden auch die inzwischen abgestumpften Lauterbrunner entschädigt, falls solch ein Extremsportler auf ihrem Acker oder Hause zu Tode kommt. Die Lage in diesem verwunschenen Tal ist als “Lauterbrunnen-Syndrom” bekannt, aber ähnliche Entwicklungen gibt es überall, wo Menschen auf Seilrutschen, sogenannten Via Ferrata, Sommerrodelbahnen, Wasserrutschen und anderen Horrorvorrichtungen ihr Leben auf Spiel setzen. Leider zahlen die Versicherungen für solche mutwillig verursachten Unfälle. Doch sie könnten diesem Wahnsinn einen Riegel vorschieben, was zu Beitragssenkungen für vernünftige, vorsichtige Menschen führen müsste. In seinem Buch “Das Schicksal vorhersehen” schreibt der Genfer Autor Harry R. Wilkens darüber, wie der Staat die Risiken, denen wir ausgesetzt sind, leicht vermeiden könnte. Ein interessanter Ansatz, im Spannungfeld zwischen Eigenverantwortung und Freiheit. Ein lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Es gab eine Zeit, da unterschieden sich die Tiere in Afrika nur durch ihre Gestalt. Das ist lange her und war irgendwie auch traurig, denn die Tiere trugen alle dieselbe Farbe: Grau. Klar, dass so keine Stimmung aufkommen konnte. Während die Blumen in der Steppe farbig wuchsen, gingen die Tiere umher wie eine Trauergesellschaft. Das sah dann so aus:
Eines Tages dann, lädt der Löwe, der König der Tiere, zur Feier der Geburt seines Sohnes alle Tiere zu einem grossen Fest ein. Bloss, wie sollen sich diese für den Anlass herausputzen? Die zündende Idee des Leopards beendet die verzweifelte Ratlosigkeit. Er schlägt vor, dass dich die Tiere gegenseitig farbig anmalen sollen. Begeistert machen sie sich an die Arbeit. Ziemlich turbulent geht es dabei zu, und für manche Tiere kommt es ganz anders als geplant. Wir erfahren, wie der Pavian zu seinem roten Hinterteil kam und wieso der Esel seitdem bei den Menschen lebt. Eine traditionelle Geschichte aus Tansania, die in wunderbar farbigen Bildern lebendig wird. Herausgegeben wurde das Buch von Angelika Brockhaus in Zusammenarbeit mit der Tingatinga-Kooperative. Diese wurde, bevor sie in die , die bis 2006 von Helvetas unterstützt wurde, bevor sie 2006 in die Selbständigkeit entlassen wurde, von Helvetas unterstützt.
Mein Sohn, eine ausgewiesene Koryphäe, was Bilderbücher angeht, ist hell begeistert von diesem Buch. Er ist nicht alleine. Auch ich kann mich nicht satt daran sehen. Genial sind die wunderbaren Zeichnungen von Jan Lööf, der vor allem die Gesichtsausdrücke der beiden Grosskatzen einfach meisterhaft darstellt.
Matildas Katzen, die eine gestreift, die anderegelb, heissen Knut und Gustav und geben eine Menge Arbeit. Täglich muss Matilda 20 Liter Speckeintopf kochen, um ihre Miezen zu füttern. Während die Ich-Erzählerin direkt und arglos erzählt, zeigen die Bilder die wahren Tatsachen: Es sind keine Hauskatzen, sondern ein Tiger und ein Löwe. Abends dürfen beide noch ein bisschen fernsehen. Wenn sie dann endlich schlafen, schleicht sich Matilda in ihr Zimmer bis Gustav und Knut in der Tür stehen und kuscheln wollen Aber auch anstrengende Tage gehen mal zu Ende und am nächsten Morgen sieht alles wieder anders aus. Matildas Katzen, von Jan Lööf, aus dem Schwedischen von Ole Könnecke, erschienen im Moritz-Verlag; 32 Seiten, auch erhältlich bei Amazon.
Anton ist cool. In der Freizeit spielt er am Computer als Starflashman. Freundschaften hat er bisher nur in Chats gepflegt. Der Campingurlaub mit seinen Grosseltern stellt ihn vor seine grösste Herausforderung – kein Computer weit und breit, dafür einen „Ekel-See“ mit glitschigen Schlingpflanzen und vielen Kindern.Bald dämmert es Anton: Im richtigen Leben sehen die Dinge ganz anders aus.
Schon beim ersten Blick auf den Badesee schüttelt es Anton. Er behauptet, es sei nicht die Angst, die ihn davon abhalte, in den See zu springen, es sei nur Ekel. Anton zieht sich im Wohnwagen vor den Fernseher zurück. Seine Grosseltern lassen sich aber auf keine Diskussionen ein. Nach dem Morgenessen gehts zum See – keine Widerrede. Die erste Begegnung mit den Kindern vom Steg verläuft nicht gut.
Als sein Grossvater einen Fisch fängt, der viel zu klein ist, um als Abendessen in Frage zu kommen, freundet sich Anton mit dem Winzling an und tauft ihn Piranha. Er spielt den ganzen Nachmittag mit ihm, lässt ihn im Kübel eine Runde nach der anderen drehen und bewundert dessen Schwimmkünste. Als der Grossvater den Fisch als Köder für den nächsten Tag verwenden will, protestiert Anton lautstark. Schliesslich schliesst Anton über den Fisch nicht nur Freundschaft mit einem Mädchen, sondern verbringt seine Ferien am Ende stundenlang im, Wasser. Die Autorin Milena Baisch erzählt die hintersinnige Geschichte aus Antons Sicht und findet einen frechen Ton für ihre wunderbare Geschichte, die mit dem deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet wurde.
Anton taucht ab, Verlag Beltz & Gelberg, www.belz.de, ISBN: 978-3-407-79966-1, CHF Fr 14.90, 101 Seiten, ab 8 Jahren.
Wenn ich meinen Kindern eine Gutenachtgeschichte erzähle, dann sieht mein Plan idealerweise vor, dass schon bald irgendwann Ruhe einkehrt. Nicht nur ich denke so. Die meisten Gutenachtgeschichten sind zielstrebig aufgebaut. In den Kinderbüchern gehen die Protagonisten ebenfalls irgendwann ins Bett und die kleinen Zuhörer wissen, dass jetzt das Licht aus geht und geschlafen wird. Die Vorleser werden nach einem langen Tag in den Abend entlassen, so sie, was mir auch manchmal passiert, beim Geschichtenerzählen nicht mit den Kindern einschlafen. Das Buch „Gute Nacht, Gorilla“ funktioniert anders. Zur Freude der Kinder, verzögert sich das unausweichliche Ende.
Schon das Titelbild deutet an, dass hier einer etwas im Schild führt. Der Gorilla hat dem Wärter die Schlüssel zu den Zookäfigen entwendet und zeigt diesen triumphierend. Dabei legt er die Finger auf die Lippen und macht uns alle zu Mitwissern. Nachdem der Wärter den Tieren eine gute Nacht gewünscht hat, ist die Geschichte nicht zu Ende. Der Gorilla öffnet er hinter des Wärters Rücken die Käfige und führt die Tiere in Haus des Wärters, wo sie sich in dessen Schlafzimmer niederlassen. Erst die Frau des Wärters entdeckt mitten in der Nacht die Tiere und bringt sie zurück in den Zoo – vermeintlich. Doch auch hier schlägt der Gorilla der gradlinigen Geschichte ein Schnippchen. Bevor sich die Wärterfrau zurück ins Bett legt, sind der Gorilla und seine Freundin, die Maus, schon vor ihr dort wieder angekommen.
Eine wunderbare und in den schönsten Farben bebilderte Geschichte von Peggy Rathmann für kleine Kinder. Dabei entdecken diese immer wiederkehrende Figuren und unterhalten sich auf köstliche Weise. „Gute Nacht, Gorilla“ ist das momentane Lieblingsbuch meines Sohnes. Die Frage ist nur: Für wie lange?
„Gute Nacht, Gorilla“ von Peggy Rathmann gibts beim Moritz Verlag, Frankfurt am Main oder bei Amazon, 32 Seiten, € 9.95.
Unser Sohn mag Bagger und Autos – und die kranke Ameise, deren Schicksal ihm nahe geht. Diese hat sich bem Transport eines Riesenbündels von Fichtennadeln am Rücken verletzt. Schon bald wird sie vom Arzt, der mit der Schneckenamblanz herandüst, verarztet. Eine wunderbare Geschichte erzählt von Zdenek Miler, erhältlich beim Leipziger Kinderbuchverlag oder bei Amazon.