Archiv für die Kategorie „Bücher“

Medien und PR: Verstehen, was ist.

8. November 2011

Buchbesprechung: Wie die Tiere ihre Farben bekamen

Es gab eine Zeit, da unterschieden sich die Tiere in Afrika nur durch ihre Gestalt. Das ist lange her und war irgendwie auch traurig, denn die Tiere trugen alle dieselbe Farbe: Grau. Klar, dass so keine Stimmung aufkommen konnte. Während die Blumen in der Steppe farbig wuchsen, gingen die Tiere umher wie eine Trauergesellschaft. Das sah dann so aus:

Eines Tages dann, lädt der Löwe, der König der Tiere, zur Feier der Geburt seines Sohnes alle Tiere zu einem grossen Fest ein. Bloss, wie sollen sich diese für den Anlass herausputzen? Die zündende Idee des Leopards beendet die verzweifelte Ratlosigkeit. Er schlägt vor, dass dich die Tiere  gegenseitig farbig anmalen sollen. Begeistert machen sie sich an die Arbeit. Ziemlich turbulent geht es dabei zu, und für manche Tiere kommt es ganz anders als geplant. Wir erfahren, wie der Pavian zu seinem roten Hinterteil kam und wieso der Esel seitdem bei den Menschen lebt. Eine traditionelle Geschichte aus Tansania, die in wunderbar farbigen Bildern lebendig wird. Herausgegeben wurde das Buch von Angelika Brockhaus in Zusammenarbeit mit der Tingatinga-Kooperative. Diese wurde, bevor sie in die , die bis 2006 von Helvetas unterstützt wurde, bevor sie 2006 in die Selbständigkeit entlassen wurde, von Helvetas unterstützt.

Wie die Tiere ihre Farben bekamen, Bilderbuch in drei Sprachen, Swahili, Englisch und Deutsch. 32 Seiten, CHF 24.80. Bestellung: www.tingatinga.ch

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7. November 2011

Buchbesprechung: Matildas Katzen


Mein Sohn, eine ausgewiesene Koryphäe, was Bilderbücher angeht, ist hell begeistert von diesem Buch. Er ist nicht alleine. Auch ich kann mich nicht satt daran sehen. Genial sind die wunderbaren Zeichnungen von Jan Lööf, der vor allem die Gesichtsausdrücke der beiden Grosskatzen einfach meisterhaft darstellt.
Matildas Katzen, die eine gestreift, die anderegelb, heissen Knut und Gustav und geben eine Menge Arbeit. Täglich muss Matilda 20 Liter Speckeintopf kochen, um ihre Miezen zu füttern. Während die Ich-Erzählerin direkt und arglos erzählt, zeigen die Bilder die wahren Tatsachen: Es sind keine Hauskatzen, sondern ein Tiger und ein Löwe. Abends dürfen beide noch ein bisschen fernsehen. Wenn sie dann endlich schlafen, schleicht sich Matilda in ihr Zimmer bis Gustav und Knut in der Tür stehen und kuscheln wollen Aber auch anstrengende Tage gehen mal zu Ende und am nächsten Morgen sieht alles wieder anders aus.
Matildas Katzen, von Jan Lööf, aus dem Schwedischen von Ole Könnecke, erschienen im Moritz-Verlag; 32 Seiten, auch erhältlich bei Amazon.

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26. Oktober 2011

Anton taucht ab – Jugendliteraturpreis 2011

Anton ist cool. In der Freizeit spielt er am Computer als Starflashman. Freundschaften hat er bisher nur in Chats gepflegt. Der Campingurlaub mit seinen Grosseltern stellt ihn vor seine grösste Herausforderung – kein Computer weit und breit, dafür einen „Ekel-See“ mit glitschigen Schlingpflanzen und vielen Kindern.Bald dämmert es Anton: Im richtigen Leben sehen die Dinge ganz anders aus.
Schon beim ersten Blick auf den Badesee schüttelt es Anton. Er behauptet, es sei nicht die Angst, die ihn davon abhalte, in den See zu springen, es sei nur Ekel. Anton zieht sich im Wohnwagen vor den Fernseher zurück. Seine Grosseltern lassen sich aber auf keine Diskussionen ein. Nach dem Morgenessen gehts zum See – keine Widerrede. Die erste Begegnung mit den Kindern vom Steg verläuft nicht gut.
Als sein Grossvater einen Fisch fängt, der viel zu klein ist, um als Abendessen in Frage zu kommen, freundet sich Anton mit dem Winzling an und tauft ihn Piranha. Er spielt den ganzen Nachmittag mit ihm, lässt ihn im Kübel eine Runde nach der anderen drehen und bewundert dessen Schwimmkünste. Als der Grossvater den Fisch als Köder für den nächsten Tag verwenden will, protestiert Anton lautstark. Schliesslich schliesst Anton über den Fisch nicht nur Freundschaft mit einem Mädchen, sondern verbringt seine Ferien am Ende stundenlang im, Wasser. Die Autorin Milena Baisch erzählt die hintersinnige Geschichte aus Antons Sicht und findet einen frechen Ton für ihre wunderbare Geschichte, die mit dem deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet wurde.
Anton taucht ab, Verlag Beltz & Gelberg, www.belz.de, ISBN: 978-3-407-79966-1, CHF Fr 14.90, 101 Seiten, ab 8 Jahren.

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26. August 2011

Mein Sohn wird mal Bauarbeiter

Jetzt bin ich mir sicher. Richtig gute Kinderbücher kaufen wir immer wieder bei www.chroniclekids.com.

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7. August 2011

Kinderbuch: Die Gutenacht-Tour des Gorillas


Wenn ich meinen Kindern eine Gutenachtgeschichte erzähle, dann sieht mein Plan idealerweise vor, dass schon bald irgendwann Ruhe einkehrt. Nicht nur ich denke so. Die meisten Gutenachtgeschichten sind zielstrebig aufgebaut. In den Kinderbüchern gehen die Protagonisten ebenfalls irgendwann ins Bett und die kleinen Zuhörer wissen, dass jetzt das Licht aus geht und geschlafen wird. Die Vorleser werden nach einem langen Tag in den Abend entlassen, so sie, was mir auch manchmal passiert, beim Geschichtenerzählen nicht mit den Kindern einschlafen. Das Buch „Gute Nacht, Gorilla“ funktioniert anders. Zur Freude der Kinder, verzögert sich das unausweichliche Ende.
Schon das Titelbild deutet an, dass hier einer etwas im Schild führt. Der Gorilla hat dem Wärter die Schlüssel zu den Zookäfigen entwendet und zeigt diesen triumphierend. Dabei legt er die Finger auf die Lippen und macht uns alle zu Mitwissern. Nachdem der Wärter den Tieren eine gute Nacht gewünscht hat, ist die Geschichte nicht zu Ende. Der Gorilla öffnet er hinter des Wärters Rücken die Käfige und führt die Tiere in Haus des Wärters, wo sie sich in dessen Schlafzimmer niederlassen. Erst die Frau des Wärters entdeckt mitten in der Nacht die Tiere und bringt sie zurück in den Zoo – vermeintlich. Doch auch hier schlägt der Gorilla der gradlinigen Geschichte ein Schnippchen. Bevor sich die Wärterfrau zurück ins Bett legt, sind der Gorilla und seine Freundin, die Maus, schon vor ihr dort wieder angekommen.
Eine wunderbare und in den schönsten Farben bebilderte Geschichte von Peggy Rathmann für kleine Kinder. Dabei entdecken diese immer wiederkehrende Figuren und unterhalten sich auf köstliche Weise. „Gute Nacht, Gorilla“ ist das momentane Lieblingsbuch meines Sohnes. Die Frage ist nur: Für wie lange?
„Gute Nacht, Gorilla“ von Peggy Rathmann gibts beim Moritz Verlag, Frankfurt am Main oder bei Amazon, 32 Seiten, € 9.95.

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20. Juli 2011

Mitleid mit der kranken Ameise

Unser Sohn mag Bagger und Autos – und die kranke Ameise, deren Schicksal ihm nahe geht. Diese hat sich bem Transport eines Riesenbündels von Fichtennadeln am Rücken verletzt. Schon bald wird sie vom Arzt, der mit der Schneckenamblanz herandüst, verarztet. Eine wunderbare Geschichte erzählt von Zdenek Miler, erhältlich beim Leipziger Kinderbuchverlag oder bei Amazon.

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10. Juli 2011

Journalisten: Lernen von Kinderbuchautoren

Im Journalismus ist es wie in der Literatur oder im Film: Die grosse Kunst besteht darin, eine Geschichte zu erzählen. Nirgendwo ist dies offensichtlicher als bei Kinderbüchern. Die Kleinen sind unerbittlich in ihrem Urteil – auch mein Sohn. Was nicht gefällt, wird weggeschmissen. Die Studie von Kinderbüchern gehört deshalb meiner Meinung nach zu jeder Journalistenausbildung. Mein aktuelles Lieblingskinderbuch ist Humphrey, The Lost Whale. Es handelt vom Buckelwal “Humphrey”, der sich 1985 in der Bay von San Francisco ins Süsswasser verirrte und in einer dramatischen Rettungsaktion mit aufgenommen Lauten von Killerwalen vertrieben und von auf Schallplatten aufgenommenen Gesänge seiner Artgenossen angelockt ins Freie fand. Die Geschickte enthält kein Wort zu viel, verliert sich nicht in Details und ist doch informativ. Ein Genuss für mich und meinen Sohn.

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3. Juli 2011

Das Abenteur des neugierigen Tintenfischs

Octopus Soup ist ein Bilderbuch für Kinder, das ganz ohne Worte auskommt. Die braucht es auch nicht, denn die gewaltige Bildsprache Mercer Meyers mit ihren leuchtenden Farben wird universell verstanden. Die Bilder erzählen die Geschichte eines neugierigen Tintenfischs, der sich an der Ankerkette eines Fischerbootes auf den Weg nach oben macht. Einmal an Land, beginnt das Abenteuer erst. Ein Walross-Küchenchef hat es auf den leckeren Tintenfisch abgesehen – und zwar mit ihm als Zutat für seine leckere Tintenfisch-Suppe. Doch mit viel Glück entkommt der kleine Held aus dem Suppentopf und findet zurück in die zahlreichen Arme seiner Familienabgehörigen. Mit seiner rasanten Bildsprache zieht einer der bekanntesten Kinderbuch-Illustratoren auch unseren Sohn in seinen Bann.
Octopus Soup, Verlag Marshall Cavendish Corp, 26 Seiten, € 12,99.

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9. Juni 2011

Der Affe Alois

Der Affe Alois sitzt auf der Insel und hat Hunger. Doch an die Bananen auf der Nachbarsinsel kommt er nicht ran. Was tun? Er bittet anderen Tiere ihm zu helfen. Doch der Rüssel des Elephanten ist zu kurz, und die Flügel des Papageis sind zu schwach. Hilfe kommt schliesslich von einem anderen Tier und dessen Familie, mit der Alois die Bananen teilt. Eine wunderbar illustriertes Kinderbuch für die ganz Kleinen, in dem es um Hilfsbereitschaft und Vertrauen geht. Mein Sohn liebt es. Graphisch umgesetzt von Alfred Könner, dem Herausgeber und Autor vieler Kinderbücher, und herausgegeben vom Leipziger Kinderbuchverlag.

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7. Juni 2011

Wie ich lernte, den FC Bayern zu mögen

Eines vorweg: Wenn ich einen Fussballverein nicht mag, dann ist es der FC Bayern. Mit grossem Glück gewannen sie dreimal in Folge den Europacup der Landesmeister in den 70er Jahren. Und das nach Jahren des Totaal Voetbal, wie er von Ajay Amsterdam praktiziert wurde. So etwas vergisst man nicht. Und doch habe ich nun, neugierig geworden durch den Titel “Der FC Bayern und seine Juden”, die Geschichte des FC Bayern gelesen. Fast wäre mir der Verein sympathisch geworden. Oder ist er es schon?

Was Dietrich Schulze-Marmeling präsentiert lässt aufhorchen. Mindestens zwei Gründungs-Mitglieder des Klubs waren Juden, Joseph Pollack und Benno Elkan. Der Autor stellt zudem fest, dass der Klub zwischen 1900 und 1933 ein weltoffener und liberaler Klub gewesen sei, in dem Juden wie selbstverständlich eine Heimat fanden. Insgesamt dreimal stand dem FC Bayern mit dem charismatischen Bayer Kurt Landauer ein jüdischer Präsident vor.

Während des Nazi-Regimes floh er in die Schweiz. Als der FC Bayern 1943, damals mit einem Nazi als Präsidenten, in einem Freundschaftsspiel im Hardturm gegen die Schweizer Nationalmannschaft antritt, ist Landauer im Publikum. Sein Versuch, mit seinem Mannschaft in Kontakt zu treten, wird von offizieller Stelle unterbunden. Eine andere Sympathiekundgebung konnte die Gestapo allerdings nicht verhindern: Nach Spielschluss lief die Mannschaft in Richtung Tribüne und winkte ihrem ehemaligen Präsidenten zu.

Auf 250 gibt es viele traurige und ein paar schöne Geschichten. Das Buch handelt aber nicht nur vom FC Bayern und seinen Juden, sondern auch von Spielern, die keine Juden waren, aber trotzdem Probleme mit den Nazis hatten. So wie Sigmund Haringer.

Im 21. Jahrhundert wird der Druck gross, sich der jüdischen Vergangenheit zu stellen. Der Impuls dazu kommt ausgerechnet von der geschichtsbewussten Ultra-Gruppierung “Schickeria”. 2009 zum 110. Bayern-Geburtstag veröffentlicht diese eine eigene Chronik, die sich ausführlich den Jahren 1933 bis 1945 widmet. Alljährlich trägt die “Schickeria” ein antirassistisches Turnier um den Kurt-Landauer-Pokal aus.

Kurz: Ein absolut lesenswertes Buch, gespickt mit Hintergrundinformationen über den deutschen Rekordmeister, das ich jedem Fussballinteressierten zur Lektüre empfehlen kann. Er oder sie muss dabei ja nicht unbedingt zum Bayern-Fan werden, aber auszuschliessen ist es nicht.

Der FC Bayern und seine Juden – Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fussballkultur. 272 Seiten, Verlag Die Werkstatt,  € 14.90.

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