13. Januar 2012
Seelentröster im Winter
Wenn der Wolkendeckel seit Tagen über einem hängt, tut ein Blick über die Grenze nach Süden gut. Im April sind wir wieder dort.
13. Januar 2012
Wenn der Wolkendeckel seit Tagen über einem hängt, tut ein Blick über die Grenze nach Süden gut. Im April sind wir wieder dort.
6. Januar 2012
Hier fahre ich jeden Tag mit dem Tram durch. Statt Rebbergen stehen hier Häuser, die den Blick auf die Limmat, die, wie man sieht, 1894 beim Höngger Wehr noch nicht gestaut war, verwehren. Mein Urgrossvater Albert Welti, der Maler des obigen Pastells, lebte damals in der Villa Tobelegg aus dem Jahr 1684, die noch heute bei der talseits der Tramstation “Schwert” steht.
2. Januar 2012
Ein Blick ins Jahr 2001 und auf www.welti.ch. Das Webarchiv – the wayback machine – machts möglich.
Ich arbeitete als Geograph, Werbetexter, Sakristan, Hotelmanager und Gerüstmonteur. Vor zehn Jahren landete ich schliesslich im Journalismus.
Mein Leben hätte aber auch ganz anders verlaufen können. Zum Beispiel so:
Philippe Welti erblickte 1959 als erstes Kind einer mausarmen Bauernfamilie in Utrecht das Licht der Welt. In den ersten fünf Lebensjahren erlernte er unter anderem das Fußballspiel. 1965 wanderte er mit den Eltern in die Schweiz aus. Als ihn 1973 ein Talentspäher des FC Barcelona bei den Inter-B-Junioren des FC Köniz entdeckte, ermöglichten Mutter und Vater Welti ihrem Sprössling die Entwicklung zum Weltstar.
Heute trainiert Philippe Welti die AC Milan. Seine Liebe zum Grasshopper-Club Zürich, in dessen Leibchen er als Schüler in Bern manche Gemeinheit über sich ergehen lassen musste, ist nicht gerostet. Er schliesst nicht aus, auf seine alten Tage einmal seinen Lieblingsverein zu trainieren und zu internationalen Ehren zu führen. Welti am vergangenen Samstag zur Gazetta dello Sport: “GC hat das Potenzial zum Gewinn der Champions-League. Ich werde den Klub dorthin führen, wo er hingehört.”
Wie eingangs erwähnt: Es kam alles anders.
Und wie hätte dein Leben aussehen können?
30. Dezember 2011
Gastronomisch wurde ich als Kind in den Niederlanden mit Hagelslag, Dropies und Pindakaas sozialisiert. Noch heute zieht es mich einige Male im Jahr magisch ins Bärenland, wo ich mich mit dem Stoff eindecke. Schaden habe ich dabei nicht genommen. Jetzt wurde ich den holländischen Spezialitäten untreu. Es zeigt sich, dass die Gene stärker sind als die Gewohnheit. Ausgerechnet einem niederländischen Fussballverein habe ich es zu verdanken, dass ich vor einer Woche mit dem Blauen Schweden Bekanntschaft machte. Als väterlicherseits genetischer Wikinger konnte ich ihm nicht widerstehen. Jetzt aber der Reihe nach.
Adrian Krebs, seines Zeichens NZZ-Journalist aus dem tiefen Emmental, führt mit viel Liebe seinen wirklich lesenswerten Agro-Blog, den ich immer wieder gerne besuche und nur empfehlen kann. In seinem Advents-Quiz stellte Adrian die Frage nach einem niederländischen Fussballklub, der den Übernahmen, die Superbauern (De Superboeren) trägt. Nichts leichter als das für einen Utrechter mit einem Faible für Totaal Voetbal. Mit der richtigen Lösung VBV De Graafschap Doetinchem gewann ich zwei Kilogramm Erdäpfel. Nicht irgendwelche, sondern eben: Blauer Schwede. Adrian Krebs hat mich persönlich damit angefixt und mit die Erdäpfel überreicht.
An Weihnachten haben wir uns die Knollen zu Gemüte geführt – und sind begeistert. Ich bin geheilt von den Lakrizbonbons und süchtig nach dem Blauen Schweden. Nicht nur geschmacklich ist er eine Offenbarung, sondern auch optisch.
Oder haben Sie je einmal ein Raclette gegessen, das besser ausgesehen hat?
23. Dezember 2011
Als wir ihr unseren Sohn in Obhut gaben, ahnten wir weder von ihren Vorstrafen noch, dass Suel F. gar keine Bewilligung zur Führung einer Kinderkrippe hatte. Heute erschien nun ein Bericht über die Dancing-Queen Suel F. aus Z im “Blick”. Hier gehts zum ganzen Artikel.
7. Dezember 2011
In unserer Familie sieht man sich vor. Das funktionierte nicht immer, dazu aber später. Und manchmal ergeben sich vom Heute Verbindungen zu Ereignissen, die bereits Jahrzehnte zurückliegen.
Mein Urgossvater Albert Welti wäre eigentlich dazu prädestiniert gewesen, das erfolgreiche Transportunternehmen seines Vaters, Welti-Furrer, weiterzuführen, doch er entschied sich für die Malerei. An der Akademie der Künste in München liess er sich zum Maler ausbilden. Dort erhielt er auch den ersten Malunterricht beim bekannten Pastellmaler Ludwig von Löfftz, bei dem auch Karl Stauffer-Bern studierte, und wurde später Schüler Arnold Böcklins. Wäre er statt nach München nach Paris gezogen, würde man ihn vielleicht heute als Impressionisten im Stile Claude Monets kennen. Es kam anders: Albert Weltis Werke handeln oft von schwerer, griechischer Mythologie und nicht von französischer Leichtigkeit.
Nach seinem Tod landeten viele Bilder Albert Weltis bei meinem Grossvater Albert Jakob in Genf und alle Pastellzeichnungen bei dessen Bruder Ruedi in Amriswil, meinem Grossonkel, an den ich mich gut erinnere. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Mein Grossvater, ein überzeugter geistiger Landesverteidiger, der damals in Genf lebte und selber auch Maler war, wollte das künstlerische Erbe der Familie in Sicherheit wissen. Der Schrank in der Arztpraxis meines Grossonkels, in dem die Pastellbilder aufbewahrt waren, schien ihm dazu wenig geeignet, sollte die Schweiz in erbitterten Schlachten mit der einfallenden Wehrmacht zerstört und gebrandschatzt werden. Eine sichere Alternative musste her. Die beiden Brüder Albert Jakob und Ruedi kamen schliesslich auf das Museum im ehemaligen Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, das ihnen als sicherer Aufbewahrungsort gerade gut genug schien.
Das war er auch – bis zum 1. April 1944. Und jetzt kommt ein Freund und ehemaliger Arbeitskollege von mir ins Spiel. Rolf Schoch, heute ein erfolgreicher Architekt, lebte damals in Schaffhausen. Wie viele andere wurde auch er damals schon mit drei Jahren in den Kindergarten geschickt. Als man gegen Mittag am Himmel ein Brummen hörte, stürmten die Kinder auf den Pausenplatz und hielten neugierig Ausschau nach den Donnervögeln – als ein Dutzend amerikanischer Liberator-Bomber die Stadt überfliegt. Die Kindergärtnerin, Schwester Lea, eine Nonne, schickte die Kinder gleich nach Hause. Nur wenige Minuten später lädt eine zweite Liberator-Staffel ihre tödliche Last über der Stadt ab – fünfhundert Brand- und Sprengbomben.
Der Kindergarten von klein Rolf wird in Schutt und Asche gelegt. Das Museum zu Allerheiligen wird ebenfalls getroffen. Die Stadt ist in einem Schockzustand. Die Besatzung der Flieger hatte die Orientierung verloren und glaubte, die Stadt Ludwigsburg zu bombardieren. Nie zuvor gab es einen grösseren Bombenangriff auf eine Schweizer Stadt. 50 Menschen werden getötet und über 200 verletzt.
Über 150 Pastellbilder Albert Weltis und Rolf Schoch kriegen wie durch ein Wunder keinen Kratzer ab. Sein Leben hat gerettet, dass er frühzeitig auf den Heimweg geschickt worden war. Das Ereignis hat Rolf Schoch auch als Architekt nachhaltig geprägt: „Abbrüche von Häusern waren für mich nie ein Tabu. Das geht ganz bestimmt auf das Kindheitserlebnis zurück“, ist er überzeugt.
Die Pastellzeichnungen Albert Weltis sind noch heute im Museum zu Allerheiligen – wenn sie nicht gerade ausgeliehen werden. Vom 16. Dezember bis zum 12. März 2012 sind sie anlässlich der Ausstellung Albert Welti – Landschaft in Pastell, zum 150. Geburtstag des Künstlers, im Zürcher Kunsthaus zu sehen.
5. Dezember 2011
Die Kinder vom Napf fahren mit der Seilbahn zur Schule – zu abgelegen sind ihre Höfe im Entlebuch um Romoos. Dabei kann passieren, was jeder Stadtmutter die Haare zu Berge stehen lässt: Eines der Kinder erzählt, wie einmal der Herger Pauli zu früh aus dem Gondeli stieg und in einer Baumkrone landete. Es ist eine von vielen Anekdoten und Lebensweisheiten, die die Kinder vom Napf der Filmerin Alice Schmid berichten.
Die Kinder wissen noch viel mehr: Wie man sich vor dem Blitz schützt, wie die Seelen böser Landvögte den Donner entstehen lassen oder wie der Wolf statt sich an einem Schaf satt zu fressen immer gleich mehrere anknabbert. Ein Jahr lang beobachtete Alice Schmid mit ihrer Kamera die Kinder vom Napf auf ihren Schulwegen, im Unterricht und zuhause auf den isoliert gelegenen Bauernhöfen. Der Film kommt ohne eine einzigen Kommentar aus dem Off aus und zieht sich als Augenweide ruhig dahin. Besser kann man für die Region nicht werben. Alice Schmid hat ein Idyll gefunden – und ich habe mich köstlich dabei unterhalten. Der Film läuft im Moment im Kino Riffraff in Zürich.
1. Dezember 2011

Die Migros verkauft Wegwerf-LED-Taschenlampen (siehe oben). Ich muss davon ausgehen. Auch drei technisch ebenfalls versierten Männern in unserem Bekanntenkreis ist es nicht gelungen, die Batterien herauszunehmen und zu ersetzen. Falls das Einweg-Prinzip vielleicht doch nicht gann dem Konzept der Migros entspricht: Weshalb gibt es keine vernünftige Gebrauchsanleitung, welche das Wechseln der Batterien erklärt?
Migros-Sprecher Urs-Peter Naef hat mich galant an den Kundendienst verwiesen. Dort wurde es kompliziert. Wir kaufen jetzt eine Taschenlampe bei Coop. Sicher ist sicher.
30. November 2011

Meeresarm bei Santa Luzia, Algarve, mit Sicht auf die Ilha de Tavira. Quintamar ist ganz in der Nähe.
25. November 2011
Zuerst waren die Schuldwandbilder, dann das Eidophor, der Beamer und irgendwann kam noch Powerpoint. Den nachhaltigsten Eindruck aber hinterliessen bei mir die Schulwandbilder, die wir in der dritten Klasse im Spiegel bei Bern beschreiben mussten. Wer erinnert sich auch noch an diese Meisterwerke? Eines der Bild, das eine dramatische Strassenverkehrszene in der Nacht zeigte, sehe ich noch heute vor mir. Kürzlich bin ich nun in einem Antiquariat in Zürich wieder auf diese Kunstwerke, welche u.a. von Viktor Subreck, Alois Criget und Hans Erni geschaffen wurden, gestossen und war sofort wieder begeistert ob deren detailgetreuen Nachzeichnungen des Lebens. Heute werden die Schulwandbilder übrigens zu Preisen bis zu 400 Franken verkauft. Das Schulmuseum in Köniz zeigt eine Auswahl an Schulwandbildern.