Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

Medien und PR: Verstehen, was ist.

2. September 2010

Fausts Feder und die Frage der Ehre

FaustNach dem Studium der Jurisprudenz entschied sich Gregor Faust (38) für das Abenteuer, verdingte sich als Texter in der Werbe- und PR-Branche und arbeitet heute als Kommunikator. Der Mann ist ein Geniesser mit einem  Faible für Lebensstil und die damit verbundenen Themen, was auch die Frage beinhaltet, wie Outlaws durchs Leben gehen. Gregor Faust lebt und arbeitet in Zürich. Hier sein Gastbeitrag für Weltis Welt.

Eine Frage der Ehre

Gregor Faust

Herr Lardelli, gibt es so etwas wie Lebensstil im Gefängnis, und wenn ja wie sieht er aus? Einer, der es wissen muss, ist Alfredo Lardelli, alias Alfredo Borgatte dos Santos wie er heute offiziell heisst, der 14 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbrachte.

„Ab sieben Jahren sind sie gebrochen“, hatte mir ein befreundeter Staatsanwalt erzählt. Wer sieben Jahre oder mehr, so die Regel, hinter Gittern verbringt, ist danach als Mensch kaputt; kann und will nie mehr arbeiten. Nicht so Alfredo Lardelli, der wegen der Tötung von drei Menschen 1989 zu 20 Jahren verurteilt wurde. Er wirkt nicht gebrochen, höchstens etwas abgespannt. 14 Jahre musste er absitzen, dann kam er frei. Er erzählte mir, dass man es selber in der Hand hat, wie man die Zeit in Gefangenschaft nutzt und ob man daran zerbreche oder nicht. Noch nie habe er so viele „Opfer“ getroffen, wie im Gefängnis, die sich selber bemitleiden. Während seiner Zeit im Gefängnis lernte er Bäcker und Konditor. Seit er in Freiheit ist, hatte er mehrere Jobs, meist parallel: Immobilienhändler, selbsternannter Rechtsberater und Milieuconsultant sowie Bäcker und Konditor. Arrangiert hat er sich mit dem Leben im Gefängnis vor allem, indem er sich an die Regeln hinter Gittern gehalten hat. Als ihm ein Richter Hafturlaub gewährte, um über Weihnachten seine Familie besuchen zu können, war es für ihn eine Frage der Ehre, dass er aus dem Urlaub zurückkehren und den Rest seiner Strafe absitzen würde. Sowas gibt Imagepunkte. Das „Paradebeispiel der erfolgreichen Resozialisierung“, wie ihn die Weltwoche einmal genannt hat, ist mit sich, seiner Vergangenheit und der Welt versöhnt.

Herr Lardelli, Sie haben 14 Jahre Ihres Lebens im Gefängnis verbracht, gibt es so etwas wie Lebensstil hinter Gittern?

Die Kunst besteht darin, aus der Zeit hinter Gittern das Optimum heraus zu holen. Ich tat das, indem ich eine Lehre als Bäcker und Konditor absolvierte. Eine Möglichkeit, die der Strafvollzug so heute nicht mehr kennt. Stellen Sie sich vor, ich durfte das extern, zusammen mit ganz normalen Lehrlingen machen. Da hatte ich Glück. Aber auch in weniger interessanten Momenten der Gefangenschaft darf man sich nicht gehen lassen. Man hat es selber in der Hand, ob einem die Gefangenschaft kaputt macht oder nicht. Viele verfallen im Gefängnis in Selbstmitleid. Sie glauben nicht, wie viele „Opfer“ von „Justizirrtümern“ ich in meinen 14 Jahren Zuchthaus getroffen habe. Die Gefängnisse sind voll mit „Unschuldigen“.

Klingt nach mentaler Stärke. Die hat vermutlich nicht jeder.

Justiz ist eine emotionale Sache und die Leute gehen unterschiedlich damit um. Aber man kann auch daran arbeiten. Man hat im Gefängnis alle Zeit der Welt. Nochmal: man hat es weitgehend selbst in der Hand.

Wurden Sie ungerecht behandelt?

Ja. Ich würde heute nicht mehr zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, denn ich kenne die Tricks und Kniffs der Justiz und ihrer Verfahren heute besser. Meine Verteidigung hätte besser sein können und heute wäre sie es allein schon aus meinem Wissen und meiner Erfahrung heraus auch. Deshalb arbeite ich heute unter anderem auch als Rechtsberater.

In dem Lied Sympathy for the Devil von den Rolling Stones singt Mick Jagger: „I shoutet out who killed the Kennedys when after all it was you and me“. Sind wir alle potentielle Verbrecher?

Ja. Was die Menschen unterscheidet, ist die Höhe ihrer Hemmschwelle.

Lardo

Wen würden Sie nicht vor dem Ertrinken retten?

Vermutlich viele, denn ich bin kein guter Schwimmer.

Was bedeutet Ehre für Sie?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In meiner Zeit im Gefängnis habe ich einen Antrag auf Hafturlaub gestellt, um an Weihnachten meine Familie besuchen zu können. Der Richter hat den Antrag bewilligt und mich in einem persönlichen Brief ausdrücklich gebeten, ihn nicht zu enttäuschen. Es war für mich eine Frage der Ehre, dass ich auf die Minute pünktlich von meinen Ferien zurück kam. Korrektes Verhalten zahlt sich aus. Und das wiederum steigert die Lebensqualität. So viel zum Thema Lebensart im Gefängnis.

Hat jeder einen fairen Prozess verdient?

Ja. Und eine gerechte Strafe.

Haben Sie einen Traum, etwas, was Sie in diesem Leben unbedingt noch tun möchten?

Es ist kein Traum sondern ein konkreter Plan: ich möchte ein Café mit Konditorei eröffnen. Und mit den Köstlichkeiten des Hauses meinen Gästen eine Freude machen.

Was soll einmal auf Ihrem Grabstein stehen?

(Überlegt). Hier ruht Alfredo Borgatte dos Santos – er war vieles.

Hintergrund: I shot the sheriff

Alfredo Lardelli wurde 1989 zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, wegen Mordes am Ehemann seiner damaligen Geliebten und an zwei Prostituierten. Nach einem ersten Geständnis widerrief er drei Tage später seine Aussage. Er habe zwar den Ehemann seiner Freundin erschossen, nicht aber die beiden Prostituierten, so Lardelli. Für deren Tod sei seine Geliebte verantwortlich. Das Gericht glaubte ihm nicht. Im Gefängnis ehelichte Alfredo Lardelli eine Brasilianerin. Seither heisst er offiziell Alfredo Borgatte dos Santos.

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2. September 2010

Kinderkrippe in Zürich-West vor Schliessung

Chindsgi

Heute im “Tages-Anzeiger” (print und online). Der Klein-Kindergarten Hardturm sucht Säuglinge und kleine Kinder zur Betreuung. Doch die Krippenleiterin hat keine Ausbildung, kein qualifiziertes Personal und auch keine Bewilligung. Mehr…

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1. September 2010

Zürich, die arrogante Hauptstadt

Hauptstadt

Erfreulich ist, dass Zürich ab 1. Oktober ein neues Printprodukt erhält. Das Satiremagazin “Hauptstadt” will “sehr, sehr böse sein”. Eine Prophezeiung, die es einzulösen gilt. Offen bleibt, ob das Magazin seine Leser finen wird. Man darf gespannt sein.

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31. August 2010

Kurze Krippenkarriere – UPDATE

Mir dämmert, weshalb wir im Frühling sofort einen Platz in der Kinderkrippe Hardturm angeboten gekriegt haben (siehe auch hier). Ein kurzer Anruf bei der Krippenaufsicht der Stadt Zürich bringt folgendes an den Tag:

  • Die Kinderkrippe „Kindergarten Hardturm“ hat keine Bewilligung der Zürcher Bildungsdirektion.
  • Die Richtlinien über die Bewilligung von Kinderkrippen („Krippenrichtlinien“) der Bildungsdirektion schreibt unter Punkt 2.5. vor: In der Kindergruppe ist jederzeit eine ausgebildete Betreuungsperson anwesend. Dies war beide Male, in denen wir unseren Sohn in die Obhut der Kinderkrippe “Kindergarten Hardturm” gaben, nicht der Fall.
  • Wie mir Peter Walter von der Krippenaufsicht mitteilte, steht der Kindergarten Hardturm unter besonderer Beobachtung der Aufsichtsbehörde. Gemäss Krippenaufsicht ist die Betreuung dort “unprofessionell”. Mitarbeiterinnen der Kinderkrippe sollen sich bereits wegen Lohnzahlungen an die Krippenaufsicht gewandt haben, was auch die hohe Fluktuation der Mitarbeiterinnen erklärt.
  • Peter Walter am Telefon: „Sie haben das richtige getan: Kind aus der Krippe nehmen und den Vertrag mit der Krippenleitung kündigen.
  • Auf der Webseite heisst es: ES HAT NOCH FREIE PLAETZE. WIR FREUEN UNS AUF IHREN ANRUF! Die Krippe ist weder über Handy noch übers Festnetz zu erreichen.
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31. August 2010

Was ist dran am “jüdischen Gen”?

Die Sarrazin-Debatte wühlt Deutschland auf. Weshalb sind die Juden so stolz auf ihr “jüdisches Gen”? Weil es die Israel gefährdede These von Shlomo Sand, Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv, widerlegt. Dieser behauptet, die Bibel habe den Mythos des jüdischen Volk erfunden. Der Exodus der Juden aus Palästina habe gar nie stattgefunden. Die Palästinenser seien als konvertierte Juden die Ureinwohner des Landes, das sich Israel nenne. Was gegen Sand sprechen könnte, ist das DNA-Profil “Cohen Modal-Haplotyp”, das häufig bei Juden vorkommt. Gut möglich, dass sich dieses Profil aber erst in der Diaspora als “jüdisches Gen” manifestiert hat. Interessant im Zusammenhang mit der Cause Sarrazin ist auch dieser Artikel auf Polskaweb.

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31. August 2010

Kurze Krippenkarriere

Kindergarten1Damit Eltern ihre Kinder beruhigt und guten Gewissens in die Obhut fremder Personen geben, braucht es Vertrauen. Dieses ist das Kapital jeder Kinderkrippe. Verlässlichkeit und Transparenz in der Kommunikation sind Voraussetzungen  dazu, dass das System Krippe für alle Beteiligten funktioniert. Sind die Grundvoraussetzungen nicht gegeben, nützt auch die farbigste Webseite nichts. Richtig problematisch wird es aber, wenn die Krippenleitung bei Fragen von Eltern in Deckung geht. Solches Verhalten macht Eltern misstrauisch – auch uns.

Ein erstes mal stutzig machte uns, dass die Krippenleiterin meinte, unser achtmonatiger Sohn brauche nur drei Tage Angewöhnungszeit – gerade einmal zwei Tage wurden dem Kleinen zugestanden, der dritte Angewöhnungstag wurde am Vortag von der Krippenleiterin gestrichen. Gut, liebevolle Super-Nannys schaffen das vielleicht trotzdem, dachten wir Laien. Da wir froh sein mussten, überhaupt einen Krippenplatz für unseren Sohn zu haben, gingen wir das Experiment ein. Dass wir den angekündigten Brief mit Informationen zur Angewöhnungszeit nie erhielten, beunruhigte uns weniger. Man kann ja reden miteinander – dachten wir.
Letzte Woche wurde es ernst. Es sollte der Anfang des Endes der kurzen Krippenkarriere unseres Sohnes sein. Beide Male, als wir unseren Sohn morgens in die Krippe brachten, war die Krippenleiterin abwesend. Auf unser Nachfragen, wich die Praktikantin, die eigentlich eine Hauswirtschaftspraktikerin ist, aus. Eigentlich gingen wir davon aus, dass sich ausgebildete Fachperson in der Krippe um die Kleinen kümmern. Fehlanzeige. Als wir dazu sowie zur Eingewöhnungszeit unseres Sohnes haben, ist die Krippenleiterin, eine Tanz- und Bewegungspädagogin, einfach nicht zu erreichen. Später am Telefon, konfrontiert mit Fragen bezüglich der Organisation der Krippe, macht die Frau einen überforderten Eindruck, weicht aus und sagt, sie rufe später zurück, was sie dann aber nicht tut.
Dafür ruft sie an beiden Tagen, an denen wir ihrer Krippe unseren Sohn anvertraut haben, an mit der ultimativen Aufforderung, den Kleinen abzuholen, da er zu viel schreie und sich nur beruhige, wenn man ihn herumtrage. Aha. Bloss: Bezahlen wir nicht gerade dafür die Kinderkrippe? Beide Male müssen einer von uns Eltern abrupt und unvorhergesehen die Arbeit verlassen. Ende der Woche steht für uns fest: Wir haben das Vertrauen in die Krippe verloren und haben glücklicherweise bereits vorübergehend eine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden. Der Kündigungsbrief an die Kinderkrippe Hardturm ist unterwegs – eingeschrieben, damit die Krippenleiterin nicht sagen kann, sie hätte ihn nie erhalten. Sicher ist sicher.
Kinder sind Individuen. Und unser Sohn ist anhänglich, wie es seinem Alter entspricht. Sind wir übervorsichtige Eltern, besonders empfindlich oder haben wir uns alles nur eingebildet? Ein Nachfragen bei der Stadt Zürich bringt an den Tag: Aufgrund von Klagen anderer Eltern wird die Kinderkrippe Hardturm von der Krippenaufsicht beobachtet. Die Tage der Krippe mit ihrer heutigen Organisationsform sind gezählt. Im Nachhinein fragen wir uns: War es deshalb so einfach, in dieser Krippe einen Betreuungsplatz zu ergattern? Trotz unserer schlechten Erfahrungen wissen wir, dass in den meisten Tagesstätten seriös geführt sind und die Betreuuerinnen Grossartiges mit und für die ihnen anvertrauten Kinder leisten. Deshalb suchen wir jetzt einen Platz in einer anderen Kindertagesstätte. Am liebsten in Zürich Höngg oder im Kreis 5. Falls Sie etwas wissen: Für einen Tipp unter info[at]welti.ch sind wir dankbar.
Kindergarten2

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27. August 2010

Medienwandel und Rückzugsgefechte

Studenten des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Uni Zürich haben aus Zahlenbergen zum Medienwandel diesen Videoclip produziert. Fazit: Die Welt ist in Bewegung – und sie dreht sich immer schneller. Die Marktanteile der gedruckten Zeitungen und Magazine schwinden. Man kann es drehen wie man will: Die Online-Medien wachsen weiter – auch an Bedeutung. Und die Printmedien finden immer wieder auch Inhalte in Blogs, die sie im Print verwenden. Statt Hand in Hand miteinander den Leser zu informieren, bekämpft man sich. An vorderster Front: “Randfiguren der holzverarbeitenden Industrie” (Willy Brandt), die ihre Domäne immer noch mit grosser Vehemenz verteidigen. Rückzugsgefechte sind das.

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26. August 2010

Reformiertsein heute

PippoRef2Aufgrund meiner Analyse der Kommunikation der Reformierten Kirche wurde ich angefragt von der Zeitung “Reformiert” für ein Statement zu meinem Reformiertsein. Hier ist sie.



Umfrage/Was heisst Reformiertsein heute? „reformiert.“ will es wissen, diesmal von Philippe Welti, PR-Berater und Journalist in Zürich
„Wir lassen unseren Sohn taufen und stellen fest: Die meisten unserer Freunde sind längst aus der Kirche ausgetreten. Eigentlich müsste auch ich längst ausgetreten sein:  Mode und Wissenschaft sprechen dafür; als Journalist ist man Fakten verpflichtet. Mein Glaube war zwar immer ein ‚ich glaube, obwohl‘ und ich könnte auch ohne leben. Bloss: Ich lasse mich gerne überraschen, dass es noch etwas Göttliches gibt, das in uns lebt. Am eigenen Leib habe ich zudem erlebt, dass mir die Kirche bei Schicksalsschlägen eine Form des Handelns bietet, die mir das Umgehen mit solchen Katastrophen ermöglicht hat. Als Mitglied der reformierten Kirche bin ich gerne Teil einer Gemeinschaft, die nicht nur Wegbereiter des Kapitalismus und damit des Wohlstandes der Schweiz war, sondern auch die Grundlage zum modernen Sozialstaat gelegt hat.“

Zum PDF des Artikels.

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25. August 2010

Dem Weltuntergang ein Schnippchen schlagen

Beat Der Mann hat Mut. Mit Irokesenfrisur und in rotem Frack eröffnete Hotelier Beat Anthamatten am letzten Samstag in seinem Hotel Ferienart Saas-Fee das Festival “Saas-Freak”. Die Idee dahinter: Sich von geistreichen Rednern inspirieren lassen. Das Motto unter dem Anlass, der in Zusammenarbeit mit der Stöhlker AG erstmals durchgeführt wurde: Wie erkenne ich den Weltuntergang und wie entkomme ich ihm? Unter den 80 Besuchern meine Familie und ich. Um die Härte der Diskussionen zu versinnbildlichen, stellte das Hotel einen Boxring in die Eventhall, wo der Anlass stattfand. Die Referenten, die weder immer von jedermann verstanden noch goutiert wurden und dementsprechend auf Widerstand stiessen, aber mit ihren Thesen auch zu Begeisterungsstürmen Anlass gaben, führten zu angeregten Diskussionen. Hier und dort wurden aber auch verbale Kinnhaken verteilt. Wie im richtigen Leben. Hier, die Hauptbotschaften der Teilnehmer:

Oskar Freysinger, Politiker und Schriftsteller: “Die Welt hat Fieber und ist erkältet. Führen Sie kein Scheinleben, denn diese führt dazu, dass Sie sich in falscher Sicherheit wiegen.”

E. Y. Meyer, Schriftsteller und bald Heimatlos: “Der Traum einer besseren Welt wird weitergeträumt, auch wenn sich unsere Umwelt laufend verschlechtert.”

Dirk Schröder, Privatgelehrter und Kabbalist: “Essen Sie überlegter, denken Sie präziser und besiegen Sie den Krebs mit gesunder Ernährung.”

Daniele Ganser, Historiker: “Peak-Oil kommtz. Die Verteilkämpfe um die fossilen Energieträger werden zunehmen.”

Harry R. Wilkens, Philosoph, Dichter und Journalist: “Verlassen Sie Ihre Häuser nur noch, wenn dies unbedingt notwendig ist. Die Welt ist zu gefährlich geworden, um sich ihr leichtfertig auszusetzen.”

Fazit der Veranstaltung: Auf kleinstem Raum eine Menge Querdenker – alle intelligent und vor Phantasie sprühend. Wäre mein kleiner Sohn nicht krank geworden, hätte ich noch mehr geistige Inputs erhalten. 2011 werde ich wieder teilnehmen.

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24. August 2010

100′000 Franken mit Leben bezahlt

GEOVor 100 Jahren wurden die Alpen erstmals von einem Flugzeug überquert. Vom 23. bis 26. September feiert das Wallis mit einer Flugschau das Ereignis. Wie es zum waghalsigen Unternehmen kam, bei dem der Held einen tragischen Tod erlitt:
Die Organisatoren der Mailänder Flugwoche kamen im Herbst 1910 auf die Idee, ihr internationales Flugmeeting mit einem Wettfliegen für „Aeroplaner“ mit Start in Brig und Ankunft in Mailand einzuleiten. Den Mutigen des „Aeroplan-Rennens“ winkte eine für damalige Verhältnisse enorme Preissumme von 100‘000 Franken. Ausgeschrieben wurde der erstmalige Alpenflug mit „Grand Premio della Traversata delle Alpi“. Zwischenlandungen für Reparaturen und Auftanken waren erlaubt. Das kühne Vorhaben – ein Rekordflug auf dem Gebiet der Luftschifffahrt – stiess international auf grosses Besucher- und Medieninteresse. Über 2000 neugierige Zeitzeuen reisten zu diesem Ereignis ins Oberwallis an. Verständlich, denn noch nie hatte ein Flugzeug die Alpen überquert.

Flugverbot am Bettag
Neun Bewerber waren willens das Wagnis einer Erstüberfliegung der Alpen einzugehen. Aus Sicherheitsgründen wurden allerdings nur fünf Flieger zugelassen. Diese liessen ihre Eigenkonstruktionen flugtechnisch und höhentauglich aufrüsten. Pikant: Die Walliser Regierung verbot dem Organisationskomitee unmissveständlich den Flugbetrieb am 18. September 1910, dem Eidgenössischen Buss- und Bettag,  vor 12.00 Uhr aufzunehmen. Bei den Italienern in Mailand war dies kein Thema. Einen Tag später, am 19. September 1910, hätte Geo Chavez bei einem Erkundungsflug den Simplonpass auf 2000 m ü. M. fast geschafft, wenn er nicht in eine gefährliche Windkreuzung hineingeflogen wäre. Der talentierte und mutige Jungflieger brach das Vorhaben ab und kehrte auf den Startplatz zurück. Sein erster Kommentar zu den Reportern aus aller Welt: „Ma pau vaut plus que 70‘000 francs“ (Preissumme für den Sieger). Die wechselhaften meteorologischen Bedingungen führten immer wieder zu Verschiebungen, so dass die geplante Alpenüberquerung zu platzen drohte.

Bruchlandung kurz vor dem Ziel
Am zweitletzten Tag der Flugwoche, am 23. September 1910, versuchte Chavez sein Glück nochmals und reüssierte. In einer Höhe von knapp 100 m über der Passlandschaft überquerte er den Simplon. Wegen der aufkommenden Turbulenzen flog er unfreiwillig eine neue Route. Dann geschah das Unfassbare: Das Ziel vor Augen, das Landekreuz in Domodossola bereits in Sicht, klappte ein Flügel seines Eindeckers zusammen. Chavez stürzte ab und zog sich schwere Knochenbrüche zu. Der verletzte Pilot konnte aus den Trümmern geborgen und musste hospitalisiert werden. Nach vier Tagen erlag er – von den Anstrengungen des Fluges physisch und psychisch geschwächt – seinen Verletzungen. So berichtete eine peruanische Zeitung über den Tod des Aviatik-Helden. Ob Chavez – oder seiner Familie – die Geldsumme posthum ausbezahlt wurde, ist mir nicht bekannt.

Mehr zum Jubiläum hier: www.geochavez2010.ch

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