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23. Juli 2012

Beschneidung – To Be or not to Be

Das Kinderspital Zürich nimmt ab sofort keine Beschneidungen mehr vor. Weitere Spitäler in der Schweiz überlegen sich diese Massnahme ebenfalls. Gilt deutsches Recht plötzlich auch für die Schweiz? Und wäre jemand im Kinderspital Zürich ohne das Urteil des Kölner Gerichtes auf die Idee gekommen, sich gegen Beschneidungen zu richten? Ich behaupte: Nein. Der Entscheid des Zürcher Kinderspitals ist ein Zeichen von vorauseilender Political Correctness. Man hat Angst, angegriffen zu werden, weil man keine Argumente zu haben glaubt.
Als Begründung für das Beschneidungsmoratorium in Zürich wird die Entscheidungsfreiheit des Kindes ins Feld geführt. Aha. Suchen sich etwa die Kinder, die zu Welt kommen ihre Eltern aus? Gewisse Esoteriker werden dem zustimmen. Aber zu Ende gedacht fängt das eigentliche Problem hier an. Verhandeln Beschneidungsgegner mit ihren Kleinkindern auch, wann diese ins Bett müssen, welches T-Shirt sie anziehen wollen, ob sie geimpft werden oder ob man ihnen die Mandeln entfernt? Erziehung impliziert ja gerade, dass die Eltern zum Wohl des Kindes gewisse Entscheidungen treffen, die es selber nicht fällen kann.Nach dem Schächtverbot in der Verfassung und dem Verbot von Halal-Fleisch trifft ein Beschneidungsverbot jüdisches und muslimisches Leben im Mark. Es ist ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit.
Die Beschneidung von Buben an und für sich ein harmloser kleiner Eingriff, der keine Beeinträchtigung irgendeiner Körperfunktion nach sich zieht. Sie ist nicht zu vergleichen mit der Beschneidung von Mädchen, welche das Leben dieser einschneidend verändert und das Lustempfinden verunmöglicht. Zudem empfiehlt die UNO die Beschneidung als Massnahme gegen die Verbeitung von AIDS und erkranken Partnerinnen von beschnittenen Männern weniger oft an Gebärmuitterhalskrebs als andere Frauen.Den Anti-Beschneidungs-Shitstorm aktiviert haben Gutmenschen, die besser glauben zu wissen, was für jüdische und muslimische Kinder gut ist als deren Eltern. Sie wissen auch besser, wie die Muslime leben sollen und dass jüdische Buben mit der iranischen Atombombe viel besser leben können als ohne. Unbeschnittene entscheiden hier über das Wohl von Beschnittenen. Das kommt selten gut. Tatsache ist: Die jüdischen und muslimischen Buben werden bei einem Verbot auch weiterhin beschnitten werden – einfach in der Illegalität. Auch deshalb ist das Beschneidungsverbot Unsinn.

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8 Kommentare zu „Beschneidung – To Be or not to Be“

  1. Greg am 23. Juli, 2012 um 08:59 Uhr #

    Da bin ich gar nicht mit die einverstanden, Philippe. An Geschlechtsteilen herumzuschnipseln ist pervers, egal ob bei Männern oder Frauen, Buben oder Mädchen. Und das AIDS-Argument der UNO ist, quatsch, das ist bewiesen. Warum auf einmal diese Angst vor Verboten?

  2. Philippe Welti am 23. Juli, 2012 um 11:37 Uhr #

    Lieber Greg, religiöses Empfinden lässt sich nicht immer leicht erklären. Aber dass die Beschneidung etwas mit dem Bund der Juden mit Gott zu tun hat schon. Und dass es eine Tradition im Islam ist auch. Das Beschneidungsverbot ist Ausdruck der zunehmenden Intoleranz Gläubigen gegenüber in einer säkularen Welt. Die Beschneidung von Buben bereitet etwa so grosse Schmerzen wie eine Impfung und ist nicht zu vergleichen mit der Klitoris-Entferung bei Mädchen. Das AIDS-Argument ist genauso erwiesen wie die HPV-Gebärmutterhalskrebstatsache. Und: Wo waren eigentlich alle diese lautstarken Beschneidungsgegner in den letzten Jahren? ich vermute: Es war ihnen egal.

  3. Greg am 25. Juli, 2012 um 08:44 Uhr #

    Religion, die gefährlichste aller Drogen…

  4. Annemarie Schwab am 25. Juli, 2012 um 09:16 Uhr #

    Erziehung ist keine Diskussionsrunde, das ist klar. Es ist jedoch ein riesen Unterschied, ob ich für mein Kind entscheide, wann es zu Bett zu gehen hat und welches T-Shirt heute passt, oder ob ich eigenmächtig an seinen Geschlechtsteilen rumschnibblen lasse wie an einem Bonsai. Meine Schwägerin hat dies bei meinem Neffen machen lassen, aus “hygienischen” nicht religiösen Gründen. Der Junge hatte nichts dazu zu sagen, was mit SEINEM Körper gemacht wurde. Das machte mich traurig und wütend zugleich. Diverse Kommentatoren in verschiedenen online-Zeitungen haben als Betroffene geschildert, dass sie tatsächlich Mühe haben, und zwar nicht aus psychischen sondern rein praktischen Gründen. Ich finde Deinen Artikel nicht sehr reflektiert.

  5. Philippe Welti am 25. Juli, 2012 um 09:45 Uhr #

    @ Annemarie Dass das Beschnittensein aus rein “praktischen Grunden” mühsam sei, ist mir neu. Ich habe damit kein Problem. Wäre die Beschneidung ein Nachteil, dann hätte das Drittel der Weltbevölkerung, das damit offenbar ganz gut lebt, schon längst aufbegehrt.

  6. Philippe Welti am 25. Juli, 2012 um 09:46 Uhr #

    @ Greg. Das Volk will das Opium, das übrigens weniger gesundheitsschädlich ist als Tabak oder Alkohol…

  7. Annemarie Schwab am 25. Juli, 2012 um 22:57 Uhr #

    Lieber Philippe, wenn ich es recht verstehe, hast Du selber Dich beschneiden lassen. So wie ich Dich einschätze, hast Du möglicherweise diesen Entscheid ganz bewusst und selbständig getroffen. Das ist Deine Sache und geht niemanden was an. Anders ist es, wenn Eltern so einen Schritt für ihre Kinder entscheiden, vor allem aus “hygienischen” Erwägungen heraus. Das finde ich nicht in Ordnung.
    Unsere Kinder sind nicht unser Eigentum; das vergessen wir manchmal. Sie gehören sich selber. Wir unterstützen sie einfach, solange sie nicht selbständig leben können. Wir sollten dabei jedoch unsere Grenzen erkennen und respektieren! Meine Meinung – braucht keiner hier zu teilen!

  8. L. Neubert am 27. September, 2012 um 17:05 Uhr #

    Lieber Philippe,
    Falls es dir entgangen ist, bei der Beschneidung von Mädchen/ jungen Frauen wird oftmals nicht nur die Klitoris entfernt, sondern auch die innerern Schamlippen. Auch können die äusseren Schamlippen stark beschädigt werden oder sogar ‘geschält’. Anschliessend wird alles zusammengenäht bis auf ein kleines Löchlein.

    Aber im Allgemeinen finde ich aber Beschneidungen bei Kindern (Auch wenn es der Glaube ist!) barbarisch und grundlegend falsch. Es sind Kinder, aber dennoch sollte man nicht an den Gentitalien von jemanden rumschnippeln, ausser er will es ausdrücklich so.
    Der Vorgang ist nicht zu Vergleichen mit z.B: der christlichen Taufe. Hat man ein gewisses Alter erreicht und man kann sich selbst seine Meinung über Gott und die Welt bilden, und will vielleicht zu einer anderen Religion konvertieren, soll man das doch machen. Die Taufe, wird nicht weiter ein Thema sein.
    Aber bei einer Beschneidung, hat man einen einschneidenden Eingriff in sein zukünftiges Leben bekommen. Es ist nicht mehr rückgängig zu machen.

    Ich teile übringends Annemarie Schwabs Meinung absolut!

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