Medien und PR: Verstehen, was ist.

12. April 2012

Weltis Recycling

Ein Kommentar aus dem Jahr 1997 – und immer noch aktuell.


Oft gehört, gern geglaubt


Die Redaktorin war emotional engagiert und hatte es bloss gut gemeint: Die Welt könne gerettet werden, indem man sich auf die Natur zurückbesinne, schrieb sie. Die Frau rief deshalb zum Verzicht auf Autofahren, Fast-Food und Wirtschaftswachstum auf.

Sollten wir aber den Tipps nicht folgen, erwarte uns schon bald ein düsteres Szenario: Erdrutsche, Überschwemmungen, Lawinen – alles ausgelöst durch die stetige Erwärmung der Atmosphäre und den daraus resultierenden Klimawandel.

Sollten die Leser der kleinen Zeitung ihren gutgemeinten Rat in den Wind schlagen, stellte die Autorin in ihrem Kommentar unmissverständlich in Aussicht, dass bald nicht mehr nur ferne Länder von Katastrophen heimgesucht werden. Nein, als nächstes komme die Schweiz dran, und mit ihr das schöne Berner Oberland.

“Noch ist nicht bewiesen, dass sich die Erde immer mehr erwärmt”, sagte ich, der Geograph, vorsichtig an der Redaktionssitzung.

Mit dem ihnen eigenen Charme machten mir die Berner Oberländer Zeitungsmacher allerdings sofort klar, dass ich mit meinen ketzerischen Ansichten völlig daneben sei.  Eine anschliessende Diskussion war leider unmöglich, man ging zum nächsten Traktandum über.

Das Abstempeln von Abweichlern als Aussenseiter hatte ich nicht zum ersten Mal beobachtet. Statt sich gründlich mit einer Sache auseinanderzusetzen verbreitet man lieber, was man schon hundertmal gehört hat. Ganz nach dem Motto: Was so viele sagen, kann ja wohl nicht falsch sein, oder?

Der Mensch vergisst schnell. Nur so kann ich mir erkären, dass nur wenigen aufgefallen ist, dass die brisanten Voraussagen, welche die Medien dankbar und fast einstimmig verbreiten, oft etwa dieselbe Eintreffwahrscheinlichkeit war das nur schon mit dem Waldsterben, als dessen Folge die ganze Schweiz versteppen werde? Und Aids? Sind etwa heute irgendwo etwa ganze Landstriche entvölkert?wie Uriellas Prophezeiungen aufweisen.

Selbst Verhaltensnormen, welche uns antrainiert wurden und unser tägliches Leben beeinflussen, sind in den letzten Jahren fast unbemerkt verschwunden.

Denken wir nur an den Recycling-Wahn. Wer legt heute noch den Aludeckel des Joghuts in die Alusammlung? Das Ritual, das manch’ einen in seiner moralischen Überlegenheit gegenüber dem Fast-Food-Fresser bestärkte, ist gar nicht mehr vollziehbar. Denn wo bitte befindet sich denn in der Stadt Bern heute noch eine Alusammelstelle?

Was einmal selbstverständlich war, ist heute unerwünscht. Anscheinend ist das Alurecycling doch nicht so ökologisch, wie man es uns in den 80er Jahren weismachte. Seine Nützlichkeit war ein populärer Irrtum, der als unwiderlegbare Tatsache von der Umwelt-Lobby und den Medien transportiert wurde. Schade, dass dies den ZeitungsleserInnen nie deutlich gesagt wurde.

Unterbrechen könnten den Kreislauf der Falschinformation die Wissenschaftler selber. Doch diese haben anscheinend einfach keine Lust, dem Quatsch zu widersprechen. Eigentlich schade, wie ich meine.

Wer sich von ökologischen Vorurteilen, Halbwahrheiten und ideologischen Blockaden verabschieden will, dem empfehle ich die Bücher “Lexikon der Öko-Irrtümer” und “Lexikon der populären Irrtümer” aus dem Eichborn-Verlag.

Philippe Welti

  • Share/Bookmark

Diesen Artikel kommentieren






Kommentare können 30 Minuten nach Absenden noch bearbeitet werden.