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27. Februar 2012

Neu im Kino: Balkan Melodie

Ich erinnere mich an die vielen Konzertplakate von Gheorge Zamfir in den 80er Jahren in Bern. Er schien ein Star zu sein – aber nicht für mich.Seit gestern weiss ich, wer hinter der penetranten Werbung für den rumänischen Flötisten steckt. Es ist Marcel Cellier, der mit seiner Frau Catherine als einer der ersten in den Osten Europas ging, um dort neue musikalische Perlen zu entdecken und diese nach Westeuropa zu importieren. Heute ist er 86-jährig und erzählt aus seinem Leben. Seine Faszination für die Musik vom Balkan ist ungebrochen, auch wenn die Freundschaft mit Zamfir wegen finanzieller Streitereien zerbrochen ist. Der Panflöten-Virtuose kommt dabei nicht gerade als grosse Sympathieträger rüber, sondern eher wie eine Diva, die Cellier, den Schöpfer des “Stars”, ausnützt. Aber es gibt ja noch den Frauenchor des bulgarischen Staatsfernsehens, besser bekannt unter dem Namen Le Mystère des voix bulgares.

Der Kommunismus war die grosse Zeit der Folkloremusik, die von der Partei ausgeschlachtet wurde. Hochzeiten und Taufen wurden damals zu öffentlichen Anlässen umfunktioniert, zu denen der Staat die musikalische Begleitung lieferte. Interviews mit Musikern zeigen, dass der subversive Untergrund lebte und das Misstrauen gegenüber dieser staatlich verordneten Unterhaltung wach blieb. Das verdeutlichen auch die Interviews mit den bulgarischen Staatssängerinnen. Der Dokumentarfilm des Baselbieters Stefan Schwietert (Accordion Tribe) gibt einen Überblick über das Musikschaffen in der Balkanregion, von den Fünfzigerjahren bis heute. Dazwischen schwenkt die Kamera immer wieder an den Genfersee zu Marcel Cellier und dessen Frau, die ihr abenteurliches Leben Revue passieren lassen. Der Film kommt demnächst in die Kinos (in Zürich im Kino Riffraff). Zu Empfehlen ist er allen Freunden der Balkan-Musik und geschichtlich und ethnologisch Interessierten.

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