25. Juni 2011

Ein französisch-schweizerisches Forscherteam bestätigt, was Mütter und Väter längst vermutet haben: Schaukelt man sie, schlafen Babys tiefer. Offenbar unterstützen sanfte Schwingbewegungen das Gehirn beim Übergang vom Wach- in den Schlafzustand. Und jetzt dämmert mir, weshalb ich auf Zugs- und Autofahrten so leicht einnicke. Durch die rhythmischen Bewegungen weden, so das Forscherteam, die Neuronen im Thalamus und im Cortex synchronisiert – eine wichtige Voraussetzung für tiefen Schlaf.
Hier gehts zum Artikel im Fachmagazin Current Biology.
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23. Juni 2011

Es sind nicht Atomkraftwerke, die für Defekte in unseren Erbanlagen verantwortlich sind, sondern die Männer, die solche bauen. Treiber der Evolution sind die Väter. Denn Männer produzieren Spermien bis an ihr Lebensende, die Eizellen der Frauen entstehen vor der Geburt und teilen sich nicht mehr. Je öfter sich eine Zelle teilt, desto mehr „Kopierfehler“ in den Erbanlagen. Im Ei einer Zwanzigjährigen finden sich bloss 20 Mutationen, in einer männlichen Spermie sind es zu diesem Zeitpunkt schon 300. Das steigert sich auf 2000 Mutationen im Spermienerbgut eines 65-Jährigen. Also: Alte Väter braucht das Land. Mehr…
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21. Juni 2011
Nicht in jeder Krippe sind die Kinder gut betreut. Wir können ein Liedchen singen. Jetzt hat auch der “Tages-Anzeiger” erkannt, dass die Stadtzürcher Krippenaufsicht überfordert ist und ihrem Namen nicht wirklich gerecht wird. Nun plant der Verband ein Gütesiegel.
Das Vorgehen ist immer dasselbe: Ein Mangel wird erkannt, ein Label lanciert. Diesmal ist es der Verband der Kindertagesstätten der Schweiz (Kitas), der dies tut. Das Gütesiegel solle aufzeigen, welche Qualität ein Betrieb über die Grundstrukturen hinaus anbiete, so die Geschäftsführerin des Verbandes. Die strukturellen Probleme werden mit dem Label nicht behoben. Vielmehr führt das neue Label, das bis 2014 realisiert werden soll, für die Krippen zu noch mehr Aufwand im überreglementierten Krippenwesen. Beurteilungen durch Fachorganisationen sind gute und recht. Was aber vor allem zählt, sind die Eindrücke und der Eltern, die ihre Kindern der Krippe anvertrauen. Sie sind viel näher an der Krippe als externe Fachpersonen, sie streng nach Katalog die Erfüllung von Kriterien abhaken. Ich bleibe dabei: Nur ein moderiertes Online-Rating, in welchem sich Direktbetroffene zu einzelnen Krippen äussern können, ist relevant und glaubwürdig. Es ist an der Zeit, dass sich die Stadt oder der Kanton dessen annimmt.
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20. Juni 2011

Nicht schlecht, wenn man von zu Hause in der Stadt Zürich mit dem ÖV das nächstgelegene Schwingfest innerhalb von weniger als 20 Minuten erreicht. Klar wird mir jetzt, weshalb der Schwingsport seit ein paar Jahren an Popularität gewonnen hat. Für mich als Schwing-Laie interessant, dass am Rebblütenfest-Schwinget in Weiningen Dreikäsehoche chancenlos gegen physisch weitaus stärkere Gegner kämpfen mussten. Gibt es keine Gewichtsklassen beim Schwingen? Ein Blick auf das technische Reglement schafft Klarheit. Der Jungschwinger, den ich dazu befragen wollte, hob nur die Schultern. Und wie man den “Inneren Brienzer”, den einzigen Griff, den ich wenigstens dem Namen nach kenne, ansetzt, konnte er mir auch nicht zeigen. Schade.
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19. Juni 2011

Letzten Dienstag mit Bergführer Hermann Volken. Mehr zum Gletscher hier.
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10. Juni 2011
Der Dunning-Kruger-Effekt, ein schöner Name für ein weitverbreitetes Syndrom, von dem man denken könnte, es trete vor allem bei Kiffern und Koksern auf, das mir aber vor allem und immer wieder im mittleren und höheren Management bei Schweizer Firmen begegnet. Damit wird eine Wahrnehmungsstörung beschrieben, deren vorrangiges Merkmal die Tendenz inkompetenter Menschen ist, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen. Mit anderen Worten: Je weniger man weiss, für desto schlauer hält man sich. In diesem Zusammenhang wird deutlich, wie klug Platon gewesen sein muss als er sagte: „Ich weiss, dass ich nichts weiss.“
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10. Juni 2011
SP-Regierungsrätin Regine Aeppli will keine Ghetto-Schulen mit überdurchschnittlich hohen Anteilen an fremdsprachigen Kindern. Finde ich gut. Anfangen sollte man im Schulkreis Limmattal. Ich weiss von einer Schulklasse im Schulhaus Hardau: 20 Schüler – 20 Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Die Lehrer in diesem Schulkreis schicken ihre Kinder längst in Privatschulen. Irgendwas läuft da falsch, wenn selbst die Lehrer nicht mehr an die Volksschule glauben.
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9. Juni 2011
Sie gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten einer jeden Schweiz-Reise – die “Bergtour” im Glacier-Express zwischen Zermatt und St. Moritz, den beiden Ikonen des Schweizer Fremdenverkehrs. In den Panoramawagen ist nicht nur der Ausblick auf das Panorama der Hochalpenm einzigartig, mir wird das Essen komfortabel am Sitzplatz serviert.
Nach dem Start in Zermatt, am Fuss des Matterhorns und umgeben von 38 weiteren Viertausendern, geht es in gemächlichem Tempo auf die 300 Kilometer lange Strecke, auf welcher der Zug 291 Brücken, 91 Tunnels und den 2033 Meter hohen Oberalppass passiert. Der langsamste Schnellzug der Welt legt auf der Strecke, die er in siebeneinhalb Stunden hinter sich bringt, rund 5000 Höhenmeter zurück.
Ein guter Walliser Pinot Noir macht diese Berg-und-Tal-Fahrt noch berauschender – bald fühle ich mich wie auf Wolken, während die Landschaft – immer wieder unterbrochen von Tunnels – an mir vorbeizieht. Damit aber auch in Extremlagen der Wein im Glas (und das Glas auf dem Tisch) bleibt, haben die innovativen Bergler das Schrägglas erfunden. Selbst bei extremen Steigungen von sieben Prozent steht es felsenfest auf dem Tisch – die Fahrgäste müssen das Glas beim Auf und Ab nur noch im richtigen Moment drehen. Früher gehörte das Schrägglas zum Standard-Gedeck im Speisewagen des Glacier-Expresses. Das Glas erfreute sich aber einer so grossen Beliebtheit, dass es viele Passagiere gleich mit nach Hause nahmen. Heute muss man es deshalb im Speisewagen (oder im Internet und an den Bahnhöfen) als Souvenir kaufen.
Berauscht von der Fahrt steige ich in St. Moritz aus. Wenn ich nicht schon vorher ein Eisenbahnromantiker gewesen wäre: Spätestes jetzt wäre ich es.
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9. Juni 2011
Der Affe Alois sitzt auf der Insel und hat Hunger. Doch an die Bananen auf der Nachbarsinsel kommt er nicht ran. Was tun? Er bittet anderen Tiere ihm zu helfen. Doch der Rüssel des Elephanten ist zu kurz, und die Flügel des Papageis sind zu schwach. Hilfe kommt schliesslich von einem anderen Tier und dessen Familie, mit der Alois die Bananen teilt. Eine wunderbar illustriertes Kinderbuch für die ganz Kleinen, in dem es um Hilfsbereitschaft und Vertrauen geht. Mein Sohn liebt es. Graphisch umgesetzt von Alfred Könner, dem Herausgeber und Autor vieler Kinderbücher, und herausgegeben vom Leipziger Kinderbuchverlag.
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7. Juni 2011
Eines vorweg: Wenn ich einen Fussballverein nicht mag, dann ist es der FC Bayern. Mit grossem Glück gewannen sie dreimal in Folge den Europacup der Landesmeister in den 70er Jahren. Und das nach Jahren des Totaal Voetbal, wie er von Ajay Amsterdam praktiziert wurde. So etwas vergisst man nicht. Und doch habe ich nun, neugierig geworden durch den Titel “Der FC Bayern und seine Juden”, die Geschichte des FC Bayern gelesen. Fast wäre mir der Verein sympathisch geworden. Oder ist er es schon?
Was Dietrich Schulze-Marmeling präsentiert lässt aufhorchen. Mindestens zwei Gründungs-Mitglieder des Klubs waren Juden, Joseph Pollack und Benno Elkan. Der Autor stellt zudem fest, dass der Klub zwischen 1900 und 1933 ein weltoffener und liberaler Klub gewesen sei, in dem Juden wie selbstverständlich eine Heimat fanden. Insgesamt dreimal stand dem FC Bayern mit dem charismatischen Bayer Kurt Landauer ein jüdischer Präsident vor.
Während des Nazi-Regimes floh er in die Schweiz. Als der FC Bayern 1943, damals mit einem Nazi als Präsidenten, in einem Freundschaftsspiel im Hardturm gegen die Schweizer Nationalmannschaft antritt, ist Landauer im Publikum. Sein Versuch, mit seinem Mannschaft in Kontakt zu treten, wird von offizieller Stelle unterbunden. Eine andere Sympathiekundgebung konnte die Gestapo allerdings nicht verhindern: Nach Spielschluss lief die Mannschaft in Richtung Tribüne und winkte ihrem ehemaligen Präsidenten zu.
Auf 250 gibt es viele traurige und ein paar schöne Geschichten. Das Buch handelt aber nicht nur vom FC Bayern und seinen Juden, sondern auch von Spielern, die keine Juden waren, aber trotzdem Probleme mit den Nazis hatten. So wie Sigmund Haringer.
Im 21. Jahrhundert wird der Druck gross, sich der jüdischen Vergangenheit zu stellen. Der Impuls dazu kommt ausgerechnet von der geschichtsbewussten Ultra-Gruppierung “Schickeria”. 2009 zum 110. Bayern-Geburtstag veröffentlicht diese eine eigene Chronik, die sich ausführlich den Jahren 1933 bis 1945 widmet. Alljährlich trägt die “Schickeria” ein antirassistisches Turnier um den Kurt-Landauer-Pokal aus.
Kurz: Ein absolut lesenswertes Buch, gespickt mit Hintergrundinformationen über den deutschen Rekordmeister, das ich jedem Fussballinteressierten zur Lektüre empfehlen kann. Er oder sie muss dabei ja nicht unbedingt zum Bayern-Fan werden, aber auszuschliessen ist es nicht.
Der FC Bayern und seine Juden – Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fussballkultur. 272 Seiten, Verlag Die Werkstatt, € 14.90.
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