Hat sich die neue Miss Schweiz mit falschen akademischen Federn geschmückt? Ist die Oxford Open University eine Art Migros Klubschule? Die Diskussionen zielen in die falsche Richtung. Kerstin Cook argumentiert so, wie es heute Mainstream ist und dem schweizerischen Bildungssystem entspricht. Heute “studiert”, wer etwas auf sich hält. Jeder darf das. Während in der Schweiz eine Nivellierung der Bildung gegen unten im Gang ist (die Matura kann vielleicht schon bald mit den Schwerpunktfächern Zeichnen, Gesang und Ausdruckstanz erreicht werden), werden andere Berufe künstlich akademisiert. Als Folge davon wird der Begriff “studieren” abgewertet zu “sich mit etwas befassen”. Das Resultat ist die grosse Bildungsverwirrung. Deshalb rate ich: Glaube keinem, der sagt, dass er studiert.
Süd-Korea gewann die zwar die U-17-WM der Frauen, Gespräch des Turniers aber war die 16-jährige Japanerin Kumi Yokohama, die ihre Frauschaft mit einem wunderbaren Solo, das sie gegen Nord-Korea mit einem Tor abschloss, in den Final brachte. Hat jemand gesagt, Frauenfussball sei nicht attraktiv?
Deutschland begleicht immer noch Reparationsschulden aus dem Ersten Weltkrieg. 96 Jahre nach dem Beginn endet nun am kommenden Sonntag, 3. Oktober 2010, für Deutschland der 1. Weltkrieg. 125 Millionen Euro für Zinsen auf Staatsanliehen sollten gemä$ss dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 erst dann gezahlt werden, wenn Deutschland wiedervereinigt sei. Das ist seit beinahe 20 Jahren der Fall. Seit 1996 stotterte Deutschland diese Summe in Raten ab. Jetzt ist die letzte Zahlung fällig. Mehr dazu hier.
Fast jede zweite Mahlzeit wird alleine eingenommen. Schlimm? Die Frage ist, ob gewollt oder ungewollt. Trotzdem: Die Gastronomie könnet sich was einfallen lassen: Eat-Ins, zum Beispiel. Der neue urbane Mega-Trend?
Inler ist ausser Form und Dzemaili in Parma nur Ersatz. Vero Salatic spielt seit zwei Jahren im GC in bestechender Form und könnte die Lösung für Probleme der Nationalmannschaft sein. Trotzdem wurde er, der alle U-X-Mannschaften durchlief, noch nie für ein A-Länderspiel aufgeboten. Kein Wunder, würde der 24-jährige Routinier jetzt bei einer Anfrage Serbiens zusagen. Die Frage ist bloss: Kommt sie auch? Denn: Davon träumt er schon länger.
Was mcht eigentlich Saeed al-Uwairan? Wenn man von arabischen Fussball spricht, fällt irgendwann sein Name. Dank ihm nahm die Welt wahr, dass auch die Wüstensöhne kicken können. Er schoss 1994 gegen Belgien ein Tor für die Geschichtsbücher. Im eigenen Strafraum gestartet, dribbelte er sich über 80 Meter durch die gesamte belgische Mannschaft und überlistet auch noch Torhüter Michel Preud’homme zum 1:0-Sieg der Saudis, die sich damit für die Achtelfinals qualifizierten.
Dieses Tor wurde anlässlich einer Abstimmung im Internet bei der Wahl des WM-Tores des Jahrhunderts von der FIFA auf den sechsten Platz gewählt. Der Höhenflug der Saudis in den 90er Jahren war umso erstaunlicher, als dass bis heute saudische Fussballspieler nicht im Ausland spielen dürfen und die heimische Liga nach Expertenmeinung etwa das Niveau der Super League hat.
Die WM in den USA änderte das Leben von Uwairan auf einen Schlag. Die arabische Welt lag ihm zu Füssen. Von König Fahd gabs ein Luxus-Auto und ein Haus. Doch bald wurde der Heldenstatus für den Spieler zum Problem. ”Das Tor gegen Belgien war ein zweischneidiges Schwert für mich”, sagte Saeed al-Uwairan später. Der Spieler und seine Schritte und Aussagen wurden im Königreich genau beobachtet. Zum Verhängnis wurden dem Lebemann seine Verstösse gegen das islamische Recht und seine Vorliebe für das Nachtleben und bewusstseinserwiternde Getränke, was ihm eine Sperre einbrachte. So weit die Fakten.
Uwairan und die saudischen Beamten sind noch heute zurückhaltend mit der Kommentierung der Ereignisse, die zu seiner Suspendierung und seiner Gefängnisstrafe geführt haben. ”Jeder in Saudi-Arabien muss sich an die Gesetze der Regierung und die Religion halten. Uwairan hat sich nicht als Vorbild hervorgetan“’ sagte sein ehemaliger Nationaltrainer. Berichten zufolge beendeten zwei Vorfälle seine Karriere. Der erste war, als er seinen saudischen Club Al Shabab ohne Erlaubnis verliess, um sich in Casablanca, im liberalen Marokko, für zwei Wochen zu erholen. Das trug ihm eine Geldstrafe und eine Verwarnung ein. Die zweite, schwerere Übertretung, leistete er sich während des Ramadans Anfang 1996, als er mit einer Gruppe von Bekannten, darunter auch einige nicht-saudische Frauen, feierte und Alkohol konsumierte – eine unverzeihliche Tat im Wahabiten-Reich der Saudis. Diesmal wurde er gesperrt. Und, je nachdem welcher Version man glauben schenkt, verbrachte er zwischen einem Monat und einem Jahr als Gefangener. Später sagte Owairan, es sei eine Besserungsanstalt gewesen und auf keinen Fall ein Gefängnis im saudischen Stil. Andere Quellen reden von Hausarrest.
Tatsache ist: Uwairan kehrte rehabilitiert zurück und spielte unter Trainer Carlos Alberto Parreira in Frankreich die WM 1998, wo diesmal die Saudis nach drei Spielen heimreisen mussten. Was er jetzt tut, ist unbekannt.
Auch das noch: Jetzt kommt der Film über Tom Kummer. Muss das auch noch sein? Wie der Titel schon sagt: Der Autor der Geschichten, auf die sich die Medien hechelnd stürzten, ist der Kummer-Bub. Dabei hat er sich doch am Strand von L.A. doch nur eine Existenz als Künstler aufgebaut, der ehemalige Berner AJZ-Aktivist. Wo hört Journalismus auf und wo fängt Kunst an? Beim Lesen des “Magazins” erhalte ich keine Antwort.