15. Juni 2010
Grosses Mittelalter-Kino
Jacobus Isoldi war verzweifelt. Seine Mutter war, wie er berichtet “durch einige ihrer Feinde fälschlich und ungerecht der Häresie beschuldigt und – nicht durch Rechtsverständige, sondern oder Theologen, sondern: – durch sie, die Laien selbst, die der Frau auch keinen Verteidiger zugestehen wollten, verbrannt” worden. Jetzt fürchtete der Geistliche aus der Diözese Sion, dass der Vorfall auskommen und er seine Pfründe verlieren könnte. Also richtete er einen Gnadenapell an die Sacra Poenitentiaria Apostolica, das oberste Buss- und Gnadenamt, das für die Absolution in solchen Fällen zuständig war. Wir wissen nicht, ob er Erfolg hatte. Weshalb man heute von dem Anliegen weiss? Die Pönitentiarie warf nichts weg. Doch ihr Archiv blieb, dem Beichtgeheimnis zuliebe, all die Jahrhunderte lang verschlossen. Erst seit 1983 ist es der Forschung zugänglich. Nun wählte der deutsche Mädievalist Arnold Esch Geschichten für ein Buch aus, das unterhaltsam und oft drastisch vom Alltag und den Nöten der Menschen im Mittelalter erzählt.





