Jahrelang verbreiteten die Medien Angst und Schrecken, indem sie suggerierten, die Benutzung eines Handys könne Krebs auslösen. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sie über die Resultate der bislang grössten Kontrollstudie zur Handystrahlung enttäuscht sein müssen, was sich auch in obiger Titelgebung im “Walliser Bote” niederschlägt. “Die Ergebnisse lassen erlauben wirklich nicht den Schluss, dass von der Handy-Nutzung ein Risiko ausgeht”, sagt Christopher Wild, Direktor des Internationalen Behörde für Krebsforschung. Zur Studie…
Nachdem die Berner Young Boys im letzten Moment den Meistertitel verspielt haben, stellt sich die Frage: Fehlt den Berner am Ende doch das Sieger-Gen? Die Ursachen liegen tiefer. Es lohnt sich, einen Blick auf die Psyche der Berner zu werfen.
31 Runden lang haben sie die Schweizer Fussballmeisterschaft dominiert, im entscheidenden Moment sind sie eingebrochen. Nach dem ersten Treffer der Basler in der Finalissima gegen die Young Boys war die Luft bei den Bernern draussen. Es war kein Sich-gegen-die-Niederlage-Stemmen ersichtlich. Die Spieler haben sich aufgegeben. Dabei war der Titel zum Greifen nah. Einmal mehr hat man einen Wettbewerb verloren im Bernbiet. Und doch trägt man sein Schicksal mit Gelassenheit. Conrad Ferdinand Meyer, ein Zürcher, brachte die Berner Eigenart auf den Punkt, als er den Begriff vom „unbestürzbaren Bernergesicht“ prägte.
Nach dem Lehrer Martin Andermatt setzten die Young Boys auf den Sozialarbeiter Vladimir Petkovic. Er sollte die Spieler auf Erfolg trimmen. Vergeblich. Die Anhänger der Young Boys haben resigniert und kokettieren heute mit ihrer Leidensfähigkeit – seit 24 Jahren träumen sie vom Meistertitel.
Weshalb können die Berner im Fussball nicht gewinnen? Die Aussage von Gonzague de Reynold in seinem Essay „Vom Geist und Wesen Berns“ hat in 80 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüsst: „Man muss seine Art beibehalten, selbst wenn die Welt anders handelt, anders denkt. Von der weiten Welt da draussen will man nichts wissen, auch nichts lernen, oder nur das Allernötigste. So liegt die Gefahr nahe, dass man sich in einen Provinzialismus hineinrennt, bei dem das Kleben am Herkömmlichen in Schlendrian ausartet.“
So wie die Young Boys von ihrer grossen Mannschaft in den 50er Jahren schwelgen, sonnt man sich im Kanton Bern bis in höchste Ämter in der eigenen Geschichte und schwelgt in Traditionen. Dazu passt die Aussage eines hohen Beamten aus der Berner Volkswirtschaftsdirektion: „Wir wollen nicht Wachstum um jeden Preis. Zuerst sollten wir das Erreichte konsolidieren“, sagte er mir kürzlich und verwies kurze Zeit später auf seinen Stammbaum, der bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.
In Bern ticken die Menschen anders. Leistung ist im Bernbiet verpönt, Wettbewerb tönt nach Stress – und findet im Sport fast nur noch auf den Eishockey-Rinks statt. Man hat sich damit abgefunden, fussballerisch, wirtschaftlich und politisch in der Schweiz nur noch eine Randerscheinung zu sein. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, als ich als Berner Wirtschaftsflüchtling nach Zürich auswanderte. Argwöhnisch wurde mein Abgang zu den „Lautsprechern“ und „Besserwissern“ aus Zürich beobachtet. Als Verräter an der bernischen Sache wurde ich hinter vorgehaltener Hand bezeichnet.
Seit letzten Sonntag blutet die arg gebeutelte Berner Sportlerseele. An die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften ist man sich bereits gewohnt. Der Kanton verlor im letzten halben Jahr über 1200 Stellen. Für den Leiter des bernischen Wirtschaftsamtes, Adrian Studer, ist das „keine Katastrophe“. Auch hier zeigt sich: Es ist kein Widerstand gegen diese Entwicklung spürbar. Die Schicksalsergebenheit ist Gift für die Volksseele und färbt nicht nur auf das kickende Personal der Young Boys, sondern auf alle Menschen im Kanton ab. So begnügt man sich mit dem zweiten Platz und streicht hervor, dass dies auch ein gutes Resultat sei.
Bloss: Die besten Spieler verlassen den BSC YB Ende dieser Saison – so wie es die klügsten Köpfe der Wirtschaft bereits getan haben. In Bern bleiben zweitklassige Kicker und afrikanisches Personal, das YB als Zwischenstation für eine höhere Liga betrachtet. Auf wirtschaftlicher Ebene bleiben in Bern die Abgänger der Uni und der Fachhochschulen, die sich in der Bundes- und Kantonsverwaltung einrichten.
Der Kanton Bern, der einst mächtigste Kanton der Eidgenossenschaft, hat heute bescheidene Ziele. Minimalismus macht sich bereit. Man vertraut auf die Hilfe von aussen und richtet sich auf ein Leben als Subventionsempfänger ein. Der fremdfinanzierte Kanton braucht eine geistige Erneuerung von innen. Diese müsste von oben kommen- also auch aus Regierung, Verwaltung und Parteien. Nur so kann das Absacken in die Bedeutungslosigkeit verhindert werden und ein Klima entstehen, das Spitzenleistungen auch im Sport möglich macht.
Vladimir Petkovic, Trainer von YB, und Ancillo Canepa, Präsident des FC, geben heute in den Schweizer Medien Interviews. Nach dem sportlichen versagen die beiden Chefs auch auf kommunikativer Ebene.
Einmal mehr hat man einen Wettbewerb verloren im Bernbiet. 31 Runden lang haben die Young Boys die Schweizer Fussballmeisterschaft dominiert, im entscheidenden Moment sind sie eingebrochen. Die 13 Punkte Vorsprung, die man auf Basel hatte, wurden vespielt. Am Schluss lag der FCB vorne. Und doch trägt man sein Schicksal mit Gelassenheit. Bei Vladimir Petkovic herrscht, nach zwei verlorenen Cupfinals und zwei verpassten Meistertiteln, sogar Zufriedenheit. Es scheint, dass der gebürtige Kroate die Schweizer Selbstzufriedenheit verinnerlicht hat, wie die folgende Aussage zeigt (ganzes Interview in der “Berner Zeitung” nicht online): Frage: Was werfen Sie sich vor? Petkovic: Nicht viel. Es war lange Zeit eine perfekte Saison, dann kamen die erwähnten Probleme hinzu, aber wir blieben bis am Schluss dran, einzig die Krönung blieb uns versagt. Ich habe ein reines Gewissen, wir haben unseren Fans meistens viel Freude bereitet. Und jetzt ist der Ansporn umso grösser, es nächstes Jahr besser zu machen. Fazit: Petkovic weist als Fatalist die Schuld von sich. Er hofft auf eine neue Chance, es allen zu zeigen, dass er ein Meistertrainer ist. Bei seinen Aussagen in der “Berner Zeitung” erhält man das Gefühl, es genüge in Bern, gewissenschaft zu arbeiten, um die Fans, die seit 24 Jahren auf einen Meistertitel warten, zu befriedigen. Die Haltung Petkovics widerspiegelte sich auch in der Finalissima vom Sonntag. Nach dem ersten Treffer der Basler war die Luft bei den Bernern draussen. Es war kein Sich-gegen-die-Niederlage-Stemmen ersichtlich. Die Spieler haben sich aufgegeben. Petkovic mag ein guter Sozialarbeiter sein, ein guter Trainer, der den bedinungslosen Erfolg sucht, ist er nicht.
Ancillo Canepa begeht heute im Interview im “Tages-Anzeiger” eine kommunikative Todsünde: Er nimmt die berechtigterweise hart nachfragenden Journalisten nicht Ernst und wirkt wenig souverän. Fazit: Der hemdsärmlige Hobby-Präsident, der sich gerne volksnah gibt, mag ein netter Mensch sein, wenn er nicht gerade mit unangenehmen Fragen konfrontiert wird, eine Führungsperönlichkeit, wie ihn der schlingernde FCZ dringend benötigen würde, ist er nicht. Seine Personalentscheidungen – Ernennung von Trainer Urs Fischer und der Umgang mit Almen Abdi – zeugen von wenig Weitsicht. Canepa wäre gut beraten, seinen Umgang mit den Medien zu überdenken.