13. November 2009
Welti redet bald wie ein Züricher
Nein, ich bin weder Luzerner noch Aargauer noch Berner. Mein Heimatort ist die Stadt Zürich. Das Problem: Mein Dialekt ist nicht eindeutig zuzuordnen – und ich damit auch nicht. Als Schweizer sind wir ja in erster Linie Zürcher, Berner, Appenzeller oder Bündner, erst dann sind wir auch noch Schweizer. Der Dialekt verrät unsere Herkunft. Ich rede zwar Schweizerdeutsch, aber ein völliges Durcheinander – sagen die anderen. Das hat Gründe: Mein Vater war Genfer, der aber mit uns Schweizerdeutsch sprach, meine Mutter kommt aus dem Zürcher Unterland, redet aber, da sie seit 40 Jahren in Bern wohnt, auch schon beinahe Berndeutsch. Die ersten sechs Jahre meines Lebens habe ich in Holland verbracht. Mit meinen Freunden sprach in Niederländisch, zu Hause Zürcher Dialekt. Dann kam der Umzug nach Bern, wo ich innert Stunden realisierte: Mit deinem Gemisch aus holländischen und Zürcher Ausdrücken bist du hier nicht sonderlich populär. Also begann ich Berndeutsch zu reden. Heute wohne ich in Zürich und assimiliere mich sprachlich hier. Ich liebe es, wenn meine Tochter sagt: „Foif Soili under foif Boim.“ Ich gebs zu, dass ich einer der Wenigen bin, die den Zürcher Dialekt mögen – und zwar nicht nur, wenn er von Frauen gesprochen wird. Bloss: Wie sollte ich richtig Zürichdeutsch lernen? Mit dem Zürichdeutschen Wörterbuch. Darin stöbere ich ab und zu und schlage Wörter nach, die ich von meinem Vater oder meinem Grossvater gehört habe: Chrottepösche zum Beispiel oder Stämpeneien mache. Ich bin dran. Reden Sie mal mit mir in einem Jahr. Sie werden sagen: Er ist ein Zürcher!





