Weblog-Archiv für den 28.September 2009

Medien und PR: Verstehen, was ist.

28. September 2009

Die Höngger Klassengesellschaft

Oben am Hönggerberg stehen die alten, gut gepflegten Bauernhäuser unweit der grossflächigen Villen. Unten im Dorf und an der Limmat wohnt das gemeine Höngger Volk, auf das die Mehrbesseren runterschauen, wenn nicht gerade ein Nebelmeer die Sicht verdeckt. Daran sich an dieser Situation nichts ändern wird, scheint sich in den Köpfen der Höngger festgesetzt zu haben, wie ich kürzlich am eigenen Leib erfahren musste.

Wir haben uns in eine Wohnung an der Limmat verliebt. Weshalb: Der Blick auf den vorbeiziehende Fluss hat etwas Meditatives. Dafür würden wir sogar unsere Aussicht von der Rebbergstrasse auf die Stadt aufgeben. Weshalb wir denn von oben ans Wasser umziehen möchten, wollten die Hausbesitzer wissen: „Am Hönggerberg ist es doch viel schöner. Die von ‚oben‘ kommen nicht einfach so runter vom Berg.“ Aha. Unsere Erklärungen fruchteten nicht bei den Hausbesitzern. Wir haben uns verdächtig gemacht und stiessen auf eine Wand des Misstrauens. Kurz: Man glaubt uns nicht. Hätten wir ihnen nicht nur den Auszug aus dem Betreibungsgreister, sondern auch einen aus dem Strafenregister vorlegen sollen? Wir wissen es nicht. Die Wohnung haben wir natürlich nicht erhalten, wurden aber kürzlich doch noch fündig – nicht im Ghetto unten am Wasser, wo man gerne unter sich bleibt, sondern im Zentrum, wo man sich nicht verdächtig macht, wenn man von oben kommt. Liegts am öffentlichen Verkehr, dass man dort weltoffener ist?

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28. September 2009

Polanski: Lage falsch eingeschätzt

Die Verhaftung von Roman Polanski wirft Fragen auf. Hat er sich zu sicher gefühlt? Oder hat er einfach schlechte oder gar keine Berater, die ihn auf die Gefahr einer Verhaftung hingewiesen haben?

Offenbar hat man in seiner Entourage und am Zürich Film Festival die Lage falsch eingeschätzt und ging davon aus, dass das schwere Schicksal des Filmemachers vor Verfolgung schützt. Ich meine: Nein. Auch ein Überlebender des Holocaust, dessen Frau später bestialisch ermordet wurde, darf sich keine Vergewaltigung einer Minderjährigen leisten. Offenbar messen einige Kulturschaffenden mit unterschiedlichen Ellen – die meisten davon dürfen bei Entstehung seiner Filme gar noch nicht auf der Welt gewesen sein.

Während es der Polizei in der Schweiz immer weniger gelingt, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat sie nach dem Fall Hannibal Ghaddafi erneut gezeigt, dass ein grosser Name nicht automatischen Schutz garantiert. Dem kleinen Mann auf der Strasse wird dies gefallen. Auch, dass die kleine Schweiz wieder einmal der ganzen Welt beweisen konnte, ein unerschrockener Rechtsstaat zu sein. Als grosse Siegerin präsentiert sich deshalb Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Ob sie sich und der Eidgenossenschaft damit einen Dienst getan hat, wird sich allerdings noch zeigen.

Schon heute steht fest: Für das Zürich Filmfestival ist die Verhaftung Polanskis ein gewaltiger Imageschaden. Ihre Auszeichnung “Golden Eye” wurde für die Beteiligten zum “Blauen Auge”.

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