Medien und PR: Verstehen, was ist.

28. August 2009

Regierungsrätin Egger lebt im Ancien Régime

In Bern sollen die Medien gefälligst die Pläne der Regierung unterstützen. Der Berner “Bund” hat dies nicht getan und es gewagt, den Milliardenteuren Ausbau des Bahnhofs Bern zu kritisieren. Muss sich die kantonale Baudirektorin Barbara Egger gefallen lassen? Ich meine: Ja, denn wir leben nicht in Nordkorea und halten die Meinungsfreiheit hoch. Die SP-Magistratin meint: Nein, denn im Bernbiet kritisiert man die hohen Damen und Herren nicht ungestraft. Deshalb hat sie jetzt gegen den “Bund” beim Presserat Beschwerde eingereicht. Einen grössern Fehler kann sie kaum machen. Die logische Reaktion des Mediums: Chefredaktor Artur K. Vogel veröffentlicht einen Kommentar und weicht kein Yota von der publizsitischen Linie seines Blattes ab. Fortsetzung folgt.
Die Berner Regierung, allen voran Barbara Egger, so könnte man meinen, lebt immer noch im Ancien Régime. Die Frage sei erlaubt: Hat die Regierungsrätin eigenmächtig gehandelt? Falls nein: Wer hat sie beraten?

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8 Kommentare zu „Regierungsrätin Egger lebt im Ancien Régime“

  1. Sigi Korte am 28. August, 2009 um 16:38 Uhr #

    Lieber Philippe,
    Deutschland steht vor der Wahl. Wie sich Politkverdrossenheit inzwischen äussert, zeigt ein ganz aktuelles Buch, das gerade erschienen ist.
    Ich glaube soviele Unterschiede zwischen den beiden Ländern gibt es nicht. Absolut lesenswert, geschrieben von einem Mann, der jahrelang als Stadtdirektor hinter die Kulissen geschaut hat und jetzt seinem Frust so richtig Luft macht….
    Gehen Sie noch wählen?

    „Wer an den Dingen des Staates keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger”. Diese Weisheit des griechischen Philosophen Perikles, der er sich stets verpflichtet fühlte, hat das Leben von Manfred Lipphardt in weiten Teilen bestimmt. Bereits mit 20 Jahren trat er der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und engagierte sich in verschiedenen Funktionen für seine Partei in außergewöhnlicher Form. Aber auch beruflich wurde er nahezu täglich mit der Politik konfrontiert. Zunächst als junger Stadtinspektor bei der Stadtverwaltung Wolfsburg (Niedersachsen), später bei anderen Stadtverwaltungen in NRW und schließlich als Rathauschef in Kierspe und Werl.

    Manfred Lipphardt ist ein Mensch, der in politischen und beruflichen Fragen gern Klartext redet. Was er für verbesserungswürdig hält, schildert er nicht in langen diplomatischen Ausschweifungen, sondern bringt es auf den berühmten Punkt. Bereits nach wenigen Jahren stellte er fest, dass er als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst eigentlich nicht richtig aufgehoben sei. Aber nach sechsjähriger Aus- und Weiterbildung sowie dem erfolgreichen Abschluss eines nebenberuflichen Studiums an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Braunschweig entschloss er sich schließlich, aus der eigentlich für ihn unbefriedigenden Situation doch noch das Beste zu machen. Und das ist ihm auch gelungen. Bereits mit 29 Jahren wurde ihm die erste Führungsfunktion übertragen. Später leitete er zwölf Jahre lang mit beachtlichen Erfolgen als Stadtdirektor zwei Stadtverwaltungen.
    Auch hierbei ärgerte er sich häufig über die meistens ineffizienten und leistungsfeindlichen Strukturen der öffentlichen Verwaltung, was letztendlich zu seinem ersten Engagement als Buchautor führte. Mit seinem Buch „Chaos im öffentlichen Dienst? Verschwendung, Schlendrian, Leistungsfeindlichkeit. Ein Reformvorschlag.”, das 1994 erschien, rechnet er das erste mal mit dem Versagen der Politik in diesem für unser Land so wichtigen Aufgabenbereich ab. Dieses Buch erzielte besonders in der „Fachwelt” ein bemerkenswertes Echo.

    Nunmehr gibt es seit wenigen Wochen ein zweites Taschenbuch von ihm. Der äußerst provokante Titel „Elite oder Lumpen?” lässt bereits erahnen, dass hier jemand sein ganzen Frust über das Verhalten von Politikern niedergeschrieben hat. Auch wenn er sich schwerpunktmäßig mit dem seit 2003 einsetzenden Abstieg seiner Partei, der deutschen SPD, beschäftigt, schildert er anhand vieler Beispiele eindrucksvoll, warum die Politiker-Verdrossenheit in unserem Land permanent zunimmt. Von rund 70 Briefen, die er in den letzten sechs Jahren an Mandatsträger richtete, wurden 60 Prozent überhaupt nicht beantwortet. Besonders verwerflich findet er, dass sich Politiker immer dann sehr schnell einig sind, wenn es um die Vervollkommnung ihrer ohnehin überzogenen Privilegien geht.
    Manfred Lipphardt kommt zu dem Ergebnis, dass die Verlogenheit und moralische Verkommenheit von Politikern seit Jahren zugenommen hat. Besonders schlecht kommt dabei die SPD weg. „Für diese Partei werde ich keinen Finger mehr rühren. Mindest vorübergehend wechsele ich zur „Nicht-Wähler-Partei” Ich bin es einfach satt, mich weiterhin von Politkern belügen und betrügen zu lassen”, ist sein klares Fazit.
    Wer dieses Buch, das im Projekte-Verlag, Halle (Saale) erschien, gelesen hat, wird Verständnis dafür zeigen, warum Manfred Lipphardt seine „abenteuerlichen Erlebnisse” mit der Politik in dieser Form verfasst hat.
    Sigi Korte

  2. Otto Hostettler am 28. August, 2009 um 21:08 Uhr #

    Die Zeit bleibt eben manchmal stehen. Warum wundert mich das alles nicht so recht?
    Siehe auch hier:
    http://ottohostettler.wordpress.com/2009/06/03/der-%C2%ABgnadige-herren%C2%BB-journalistenpreis/

  3. Philippe am 29. August, 2009 um 08:20 Uhr #

    @ Lieber Otto, in bezug auf Medien-Knowhow ist die Berner Regierung wirklich eine Wüste. Das Einsmaleins der Kommunikation scheint in Bern wirklich nicht nicht angekommen zu sein.

  4. Joseph A. am 31. August, 2009 um 11:47 Uhr #

    Eine Katastrophe ist das, eine solche Regierung. Als Bundleser weiss ich die Haltung des Blattes zu schätzen

  5. Andreas Züllig am 31. August, 2009 um 15:31 Uhr #

    Die gändigen Herren von Bern habens eben nicht gerne, wenn man ihnen auf die Finger schaut. Aus dem Skandal von 1986 hat die Regierung nichts gelernt. Es ist Zeit für einen Wechsel.

  6. Mr X am 2. September, 2009 um 10:53 Uhr #

    Das Beispiel zeigt: Nur noch Loser gehen heute in die Politik. Denn nur noch da werden für sie anständige Löhne bezahlt. Frau Egger passt genau in dieses Schema.

  7. Weltis Welt » Schlecht beratene Berner Regierung am 24. Februar, 2010 um 13:15 Uhr #

    [...] Berner Regierungsrätin Barbara Egger kann nicht mit Kritik umgehen. Nur so ist es zu erklären, dass sie beim Presserat Beschwerde gegen die Berichterstattung des [...]

  8. Klaus J. Stöhlker AG » Blog Archive » Schlecht beratene Berner Regierung am 24. Februar, 2010 um 14:05 Uhr #

    [...] Berner Regierungsrätin Barbara Egger kann nicht mit Kritik umgehen. Nur so ist es zu erklären, dass sie beim Presserat Beschwerde gegen die Berichterstattung des [...]

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