Die “Weltwoche” widmet sich heute ausführlich dem Fall “Swissfrist”. Roger Köppel fordert darin die Jury des Zürcher Journalistenpreises auf, den Preisträgern die Auszeichnung zu aberkennen. Schwach ist deshalb die Begründung der Jury, dies nicht zu tun. Journalisten tun sich schwer, auf einen Entscheid zurückzukommen. Gedruckt ist eben gedruckt. Ist es das?
Zwei Dinge werden klar: Fussball bedeutete einst Knechtschaft. Sonst wäre Köbi Kuhn heute eine Ikone des Grasshoppe-Clubs. Und: Beim Schweizer Fernsehen verstand man schon in den 70er Jahren wenig von Fussball.
Eine Führungspersönlichkeit ist eben eine Führerungspersönlichkeit: Ohne Silvio Berlusconis Fürsorge wäre Russlands Präsident Dimitri Medwedew am G-8-Gipfel vom Weg abgekommen. Und: Wollte Medwedew nicht den Alkoholismus in Russland eindämmen?
Obwohl Monsieur Calvin nichts vom Rummel um seinen Geburtstag hielt, nahm er die Einladung der Zürcher trotzdem an, aber nur, weil es gerade ein sehr runder war. Vielleicht auch, weil er wusste, dass an Zwinglis Händen mehr Blut klebte als an den seinen – was in Zürich immer noch geflissentlich verschwiegen wird. Wie Zürich Jean Calvin feiert hier.
Kleinreport: In einem sogenannten “Kreativpapier” war von teilweise abstrusen Ideen die Rede, beispielsweise der Vorschlag “1-mal wöchentlich wird ein Deutscher fertiggemacht”, oder es soll mehr «High-Risk-Journalismus» betrieben werden.
Welchen Stellenwert hat dieses Papier? Res Strehle: Das sind insgesamt etwa 50 Vorschläge, die im Sinne eines Brainstormings ungefiltert in der Redaktion gesammelt wurden. Die Ideen muss man ansehen, und selbstverständlich werden nicht alle realisiert.
Gut zu wissen für potentielle Käufer: Der Torjäger aus Togo ist geimpft – eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Fussballspieler seine Renditeversprechen erfüllen kann, mit denen er sich auf den Markt wirft. Mit Hochglanzbroschüren bietet man sich in der Premier League möglichen Interessenten an. Nach Michael Owen beschreitet jetzt auch Emanuel Adebayor diesen Weg.
Most professional athletes have limited appeal. Emanuel Adebayor scores in a wide range of categories and offers huge commercial benefits to whoever he plays for.
Adebayor ist es egal, wo er spielt. Die Identifizierung mit dem Arbeitgeber war gestern. Die Fans goutieren das trotzdem nicht. Und die Kinder lernen bereits früh, dass das Geld die Welt regiert.
Die Unvertilgbarkeit der protestantischen Ketzerei entsprach der Unbesiegbarkeit des aufkommenden Bürgertums; als dies Bürgertum hinreichend erstarkt war, begann sein bisher vorwiegend lokaler Kampf mit dem Feudaladel nationale Dimensionen anzunehmen. Die erste große Aktion fand in Deutschland statt – die sogenannte Reformation. Das Bürgertum war weder stark noch entwickelt genug, um die übrigen rebellischen Stände – die Plebejer der Städte, den niederen Adel und die Bauern auf dem Lande – unter seiner Fahne vereinigen zu können. Der Adel wurde zuerst geschlagen; die Bauern erhoben sich zu einem Aufstand, der den Gipfelpunkt dieser ganzen revolutionären Bewegung bildet; die Städte ließen sie im Stich, und so erlag die Revolution den Heeren der Landesfürsten, die den ganzen Gewinn einstrichen. Von da an verschwindet Deutschland auf drei Jahrhunderte aus der Reihe der selbständig in die Geschichte eingreifenden Länder. Aber neben dem Deutschen Luther hatte der Franzose Calvin gestanden; mit echt französischer Schärfe stellte er den bürgerlichen Charakter der Reformation in den Vordergrund, republikanisierte und demokratisierte die Kirche. Während die lutherische Reformation in Deutschland versumpfte und Deutschland zugrunde richtete, diente die calvinische den Republikanern in Genf, in Holland, in Schottland als Fahne, machte Holland von Spanien und vom Deutschen Reiche frei und lieferte das ideologische Kostüm zum zweiten Akt der bürgerlichen Revolution, der in England vor sich ging. Hier bewährte sich der Calvinismus als die echte religiöse Verkleidung der Interessen des damaligen Bürgertums und kam deshalb auch nicht zu voller Anerkennung, als die Revolution 1689 durch einen Kompromiß eines Teils des Adels mit den Bürgern vollendet wurde. Die englische Staatskirche wurde wiederhergestellt, aber nicht in ihrer frühem Gestalt, als Katholizismus mit dem König zum Papst, sondern stark calvinisiert. Die alte Staatskirche hatte den lustigen katholischen Sonntag gefeiert und den langweiligen calvinistischen bekämpft, die neue verbürgerte führte diesen ein, und er verschönert England noch jetzt.
Erfahrung ja, aber erfolgreich im Umgang mit den Medien war Monika Stocker nicht wirklich. Zu hoffen für ihre Kunden ist, dass sie die Lehren aus ihrem Debakel gezogen hat.
Im Mittelalter erlebte das Pilgerwesen in Europa seinen Höhepunkt. Das grosse Pilgerziel, neben Santiago de Compostela und Rom, war damals Jerusalem. Das Problem: Mit der Blockierung des Balkans durch die Osmanen war auch für die Pilger der Weg ins Heilige Land mühsam und gefährlich geworden. Die Vergebung ihrer Sünden durch eine Pilgerfahrt rückte für die meisten Menschen in weite Ferne. Dies brachte den Mailänder Franziskanermönch Bernardo Caini auf die Idee, eine Pilgerstätte zu erbauen, die ohne Gefahr für Leib und Leben erreichbar ist. Im Jahr 1491 begann Bernardo Caini das Werk auf dem Sacro Monte über Varallo im Piemont, das an die Höhepunkte des irdischen Lebens Jesu erinnern sollte. Entstanden ist ein Monumentalkomplex mit 43 Kapellen, in denen das Leben und Sterben Christi mit über 600 lebensgrossen Statuen – ein Reality-TV des Mittelalters, dessen Besuch in Zeiten, in denen man kaum mal das eigene Dorf verliess, ein einmaliges Ereignis im Leben war (Bild oben: Tötung der Kinder). Praktischerweise noch verbunden mit dem Ablass. Als im Jahr 1578 der Mailänder Erzbischof Karl Borromäus den Sacro Monte besuchte, war er so begeistert, dass er den Ort “Nova Jerusalem” taufte. Der neue Pilgerort, der 2003 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde, war geboren.
Während Jahrhunderten fanden zur Feier von Maria Himmelfahrt Pilgerfahrten zum Sacro Monte di Varallo statt. Die letzte historisch belegte Wallfahrt unternahmen vier Walliser aus Ayer im Val d’Anniviers im Jahr 1963. Jetzt belebte der Walliser Wanderführer Peter Salzmann den historischen Pilgerweg. Vom 5. bis zum 15 August leitet er eine Pilgerreise von Spiez über den Rawilpass ins Wallis und von dort über den Moro-Pass ins Piemont nach Varallo. Ich selber werde als Protestant mitgehen. Wer weiss, vielleicht erhalte ich dabei während des meditativen Wanderns einen neuen Blick auf die Welt und kehre als alpiner Buddhist zuirück. Mehr dazu später auf dieser Plattform.