Weblog-Archiv für Juni 2009

Medien und PR: Verstehen, was ist.

24. Juni 2009

Gefährlich ist das Landleben

In der heutigen “Schweizer Illustrieten” beklagt die Mutter den Tod ihrer, die von einem Raser getötet wurde. Ich bin der Meinung, dass das Leben auf dem Land gefährlicher ist als in der Stadt. Was tun junge Männer, wenn sie sich aufgrund des mangelnden Freizeitangebotes langweilen? Sie beginnen, an ihren Autos rumzubasteln: Chassis werden tiefergelegt, Heckspoiler montiert und ein Rennlenkrad vermittelt das Gefühl, ein kleiner Schumi zu sein. Im Gegensatz zu den überbauten Städten gibt es auf dem Land noch Strecken, die dazu verleiten, richtig Gas zu geben. Mit Folgen: Die gravierendsten Raserunfälle ereignen sich meist auf Überlandstrecken. Aber auch auf der Autobahn finden Rennen statt. Allein im letzten Jahr wurde ich zweimal nachts zwischen Zürich und Bern von getunten Subarus und Hondas rechts überholt. Das Auto als Statussymbol des testosterongeschwängerten Landprekariats hat offenbar noch lange nicht ausgedient. Eigentlich geht mich die Sache ja nichts an, schliesslich habe ich die Konsequenzen längst gezogen und bleibe in der Stadt wohnen.

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24. Juni 2009

Pfarrer befiehlt: Bauen Sie ein Hotel!

An Anfang des Hotels Bella Tola in St. Luc im Val d’Anniviers stand ein müder Geistlicher. Im vorletzten Jahrhundert war es übrlich, dass die Fremden im Dorf beim Dorfpfarrer übernachteten und verköstigt wurden. Der einsetzende Tourismus setzte dem Dorfpfarrer, der grössten Autorität im Dorf, immer mehr zu, denn der Mann war alt und gebrechlich. Also hiess er den Bergführer Pierre Pont im Jahr 1859, ein Gästehaus bereitzustellen. Im Ponts Elternhaus war dafür genug Platz. Es sollt der Beginn der Hotellerie in St. Luc sein. 24 Jahre später wurde dann der heutige Bau als “Grand Hotel Bella Tola” errichtet. Am Eingang des Dorfes begrüsste der langgestreckte Bau die englischen Reisenden und Adligen, die das Walliser Seitental erkundeten. Gut, wenn ein Haus, eine Geschichte zu erzählen hat. Heute gehört das Haus zur Gruppe der Historischen Hotels der Schweiz. Diesen Sommer lädt das Hotel Bella Tola ein Haus ein zu “150 ans d’hospitalité alpestre”.

Das Hotel ist heute offenbar bei Briten gehobenen Alters noch immer hoch im Kurs, was mir bei meinem Besuch am letzten Donnerstag auffiel. In der Höhenluft auf etwas über 1600 Meter über Meer habe ich herrlich geschlafen. Und als Stadtzürcher habe ich mich wieder einmal ob der Stille in den Bergen gefragt: ich bin nicht etwa schon tot, oder? Ein Detail, das mir ganz besonders gefiel, war Hector, der Hisch, der über dem Schwimmbad im Wellness-Bereich thront.

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23. Juni 2009

Was ist PR?

Wenn ein junger Mann eine Frau kennenlernt und ihr erzählt, was für ein grossartiger Kerl er ist, so ist dies Reklame. Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung. Wenn sie sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört habe, er sei ein feiner Kerl, so sind das Public Relations. Alles klar?

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22. Juni 2009

71 Punkte, 1 Winzer und 1 Portemonnaie

Am Freitag um 10 Uhr startete ich im Weinberg von Diego Mathier, Winzer des Jahres 2007, in Salgesch mit der Degustation eines Melrots. Danach gings mit Degustationen im Viertelstundenrhythmus weiter. Bald nahm ich das Rauschen der Raspille, des Bachs, der Ober- von Unterwallis trennt und zugleich Sprachgrenze ist, nur noch durch einen Filter wahr.

Dafür umso mehr Diego Mathier, der als begnadeter Verkäufer nie um eine Geschichte über seiner Weine verlegen ist. Am Nachmittag lud der Gastgeber zur Tafelrunde im Carnotzet seiner Kellerei „Nouveau Salquenen“ ein. Die Hochdekorierte Küchenmannschaft vereinigte ganze 71 Gault-Millau-Punkte auf sich: Markus Neff, „Koch des Jahres 2007“ und Küchenchef im Hotel „Fletschhorn“ in Saas-Fee (18 Punkte), Alain Kuster, Küchenchef im Hotel „Mirabeau“ in Zermatt (15 Punkte), Franz Schwery, Inhaber des Restaurants „Findlerhof“ in Zermatt (13 Punkte), Jörg Walter, Küchenchef im Hotel „Ferienart“ in Saas-Fee (13 Punkte), Urs Biner, Inhaber des Restaurants „Chez Heini“ in Zermatt (12 Punkte) und Heinz Rufibach, Küchenchef im „Alpenhof“ Hotel in Zermatt. Zu jedem der sechs Gänge kredenzte Gastgeber Diego Mathier, dessen fünf kleine Töchter sich nun auch  zeigten, den passenden Wein. Ziel des Anlasses für Medienvertreter aus der ganzen Schweiz, der in Zusammenarbeit mit Wallis Tourismus durchgeführt wurde: Die Positionierung des Alpensüdkantons als Genussland. Fazit: Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen und getrunken. Der Wein-Cocktail hat keine Spuren gelassen. Ausser vielleicht, dass ich mein Portemonnaie auf der Rückreise mit dem Zug irgendwo liegengelassen haben muss.


(v. l. n. r. Heinz Rufibach, Alain Kuster, Markus Neff, Franz Schwery, Jörg Walter)

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20. Juni 2009

Flüchtlingstag: Dumme Werbung ist Eigentor


Wenn Amtsstellen und Hilfswerke kommunizieren, kommt meist wenig Gutes zustande. Die Plakatkampagne zum heutigen Flüchtlingstag beispielsweise. Sie mag zwar in Medien- und Werberkreisen provozieren, aber ihre Zielgruppen erreicht sie nicht. Diese werden die Frage “Alles Lügner?” bloss bestätigen.

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20. Juni 2009

Papst-Gardist wird Hells Angel

Einst beschützte er als Schweizer Gardist Papst Johannes Paul II in Rom, heute ist er Präsident der Hells Angels in Zürich. Dabei ist er ein Mensch wie du und ich. Und er vertritt Werte, die ihm viele nicht zutrauen würden. Ein Tag im Leben von Patrik Hemenschwyler, genannt “Hemi”. Zum Artikel im heutigen “Magazin”.

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18. Juni 2009

Wo ich täglich meine Leben riskiere

Welcher erwachsene Bub träumt nicht von einer Fahrt im Führerstand einer Lokomotvie durch den Gotthard zu fahren? SBB und RhB machen sich diese Sehnsucht zu Nutzen und bieten ihren Fans Fahrten im Füherstand an. Jetzt ist im Internet ein Video aufgetaucht, das im Führerstand der Tramlinie 13 in Zürich gedreht wurde und sich wachsender Beliebtheit erfreut. Ich fahre fast täglich auf dieser Linie und freute mich über das Video und dass ich mal in bei etwas höherem Tempo nach Hause fahren konnte (Haltestelle Eschergutweg). Doch die Zürcher Verkehrsbetriebe, die sonst sehr professionell kommunizieren, verstehen keinen Spass. Sie argumentieren mit der Betriebssicherheit und wollen nun den Filmer ausfindig machen und disziplinieren. Gut, ein Tram ist keine Lok, aber weshalb drehen die VBZ nicht selber Tramfahrten ab und stellen sie ins Internet. Einfach, um der Community der Tram-Fans eine Freude zu bereiten.

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18. Juni 2009

Die Zukunft der „NZZ“ hat 16 Seiten

News sind schon heute gratis. Wer wird also dafür in Zukunft noch bezahlen wollen? Die Tageszeitungen tun gut daran, diesen Markt den Gratisblättern zu überlassen. Stattdessen sollten sie sich als Hintergrundzeitungen positionieren. Die News einordnen und gewichten, sich auf das journalistische Kerngeschäft konzentrieren. Die Elite in der Schweiz ist auch in Zukunft bereit, dafür am Kiosk Geld locker zu machen. Albert P. Stähelis Geschäftsmodell zielt in die richtige Richtung, für Kommentare und Einschätzungen der “NZZ” im Internet Geld zu verlangen, geht aber noch zu wenig weit. Das Blatt hat eine Zukunft als 16-seitiges Hintergrund-Blatt. Weshalb bin ich seit Jahren NZZ-Abonnent? Weil ich dort, neben Politik, auch über arabische Musik informiert werden. Darin unterscheidet sich die “NZZ” von den anderen Schweizer Zeitungen, und dafür bin ich bereit etwas zu bezahlen.

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17. Juni 2009

Minergie – or not to be

Wohnungsvermieter (Minergiehaus, Sozialarbeiter, “es ist uns wichtig, dass unsere Mieter in unser Haus passen”):

“Haben Sie ein Auto?”

“Nein.”

“Super!”

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17. Juni 2009

FDP verheizt Kandidat auf Youtube

Wie man sich nicht präsentieren sollte, zeigt Marco Fischer, der für die FDP der Stadt Luzern fürs Stadtparlament kandidierte. Der 39-Jährige versucht, seriös und glaubwürdig herüberzukommen, was ihm nicht gelingt. Warum? Er verstellt sich, er ist nicht sich selbst. Mit einem Auftrittstrainig hätte er seine Wirkung  verbessern können. Ich bin überzeugt: Im wahren Leben ist er nicht so gehemmt, wie er sich auf Youtube darstellt. Hätte er sich doch im T-Shirt und in vertrauter Umgebung präsentiert. Weshalb hat ihm das niemand gesagt? Eigentlich wäre da ja auch die Aufgabe der Partei. Aber eben, das Video ist auch ein Spiegelbild des Zustandes der FDP.

Dem Mann empfehle ich, nach vorgängigem Medientaining ein neues Video zu drehen. Darin könnte er zeigen, dass er etwas gelernt hat.

Via.

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