Das Schild will uns zwei Dinge sagen: Das Leben ist gefährlich, und versichern kann man sich nicht gegen alles. Spiegelglatt wars heute Morgen auf dem Trottoir vor meinem Haus. Übrigens: Es gibt kein Obligatorium für Winterreifen in der Schweiz. Die Versicherungen zahlten nichts, wenn ein Unfall auf den fahrlässigen Gebrauch von Sommerpneus zurückzuführen ist. Wies bei Unfällem auf Trottoirs beim fahrlässigen Gebrauch von Sommerschuhen aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Übrigens: ich trage heute zum Anzug gelbe Boots. Sicher ist sicher.
Delfine sind Sympathie-Träger. Frauen lassen sich Delfine auf die Schulter tätowieren. Man muss die Tiere einfach gern haben. Der Grund: Sie scheinen zu lachen. In Tat und Wahrheit sind Delfine Räuber des Meeres, die relativ unzimperlich mit ihrer Beute umgehen. Klar, dass sich damit bei der Leserschaft nicht punkten lässt. Stattdessen bedient man lieber Clichés. Jetzt das:
“Drei Viertel der Delfine sind schwul. Wissen, was wichtig ist.
Ist diese Tatsache wirklich “wichtig”? Ist die Welt in Gefahr? Das ganzseitige Inserat erschien heute in der “HandelsZeitung”, die wie der “Beobachter” zum Axel-Springer Verlag gehört. Die Medien sollten Ereignisse einordnen und gewichten. Das tut auch der “Beobachter”, wenn auch auf seine ganz eigene Art und Weise. Ich bin mir nicht sicher, ob er damit neue Leser gewinnen wird. Die Gilde der Delphin-Experten ist gross. Graziella C. Blatter-Bianca wird das Magazin bestimmt kaufen.
Sie ist 69 und den Medien fiel im Vorfeld fast nur ein Wort ein, um die ältere Dame bewundernd zu beschreiben: Sexy. Ich persönlich finde Tina Turner nicht sehr sexy. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass mir die Altersdifferenz einfach zu gross ist. Und: Muss man mit 69 wirklich noch “sexy” aussehen – was, falls nicht? Gehört man dann wirklich zum alten Eisen?
Mit den Leuten, mit denen man eigentlich sprechen will, kann man in 80 Prozent der Fälle gar nicht sprechen.
Es wäre die Aufgabe Kommunikationsfachleute, die Kontakte zu Spezialisten herzustellen und diese entsprechend zu briefen. Offenbar sind viele Kommunikationsverhinderer ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Die “NZZ” berichtet heute über das Verhältnis der Bundeshaus-Journalisten zur Verwaltung.
Neulich im Internet. Spätabends lädt er mich auf Facebook ein, sein Freund zu werden. Da ich ihn von den Medien kenne und er zudem ein reizender Mensch ist, sage ich nicht nein, Schliesslich stehen wir ja schon seit Monaten in regelmässigem Mail-Kontakt miteinander. Wir sehen uns auch immer wieder auf der Strasse. Und zwar im Umkreis um die Pasticceria meines Vertrauens im Zürcher Kreis 5. Er muss, wie ich, eine Vorliebe für italienischen Kaffee haben. Ich kenne ihn – dachte ich. Jetzt erfahre ich auf Facebook, dass der Mann, der in leitender Funktion einer Ringier-Gratiszeitung vorsteht, moslemisch-schiitischen Glaubens ist.
Das kann nicht sein, oder doch? Tatsache ist: Der Mann mit der Sittenstrenge eines Ayatollah Khomeini weicht im Umgang mit PR-Beratern keinen Jota von seiner Linie ab. Diskussionen sind zwecklos. Gut ist für ihn, was haargenau auf seiner journalistischen Linie liegt. Der Rest ist Schrott. Und das lässt er einen auch schon mal wissen und zückt verbal den Zweihänder. Gut, er weiss eben, was er will und was für ihn und seine Leser gut ist. Bloss: Die Leserzahlen seiner Zeitung zeigen nicht gerade exponential nach oben – eher umgekehrt. Wenn ichs mir recht überlege: Sein Blatt leidet vielleicht unter einer gewissen Strenge, oder soll ich sagen: Es fehlt ihm an Sinnlichkeit? Vielleicht liegts ja auch nur am etwas gar grauen Papier, mit dem die Zeitung am Kiosk untergeht.
Ein ehemaliger Hitler-Junge der Papst wird, dann einen Holocaust-Leugner wieder in die Kirche aufnimmt und eine Gruppe antisemitischer Ultras in die Arme schliesst. Die Konstellation ist zu schön, um sie nicht kritisch weiterzuverfolgen. Die Medien werden weiter recherchieren und immer wieder etwas finden, woraus sich eine Story machen lässt. So auch jetzt wieder. Der Papst ist von den Medien zum Abschuss freigegeben. Von ihrem Selbstverständnis her muss die katholische Kirche zu irdischen Dingen gar nicht Stellung beziehen und wird auch ihre mittelalterlich-absolutistische Kommunikation nicht aufzugeben. Die Kernkompetenz der Kirche ist die Vermittelung des Glaubens von oben. Irdische Dinge sind dabei nebensächlich. Deshalb ist sie auch nicht fähig, in der Krise angemessen zu reagieren. Untergehen wird die 2000-jährige Kirche nicht. Aber sie nimmt Schaden, der erst mit einem neuen Papst begrenzt werden kann. Es war ein Fehler, einen deutshen Papst mit dieser Vergangenheit zu wählen, denken Sie? Nein, die Kardinäle haben mit ihrer Wahl dem Willen Gottes gehorcht, werden gläubige Katholiken zur Antwort geben. Der Glaube ist nicht verhandelbar. Aber immer weniger Katholiken folgen ihrer Kirche blind.