Medien und PR: Verstehen, was ist.

12. Januar 2009

Zwingli mit besserer PR-Agentur

An Spässen wir diesen im Museum der Reformation hätte der Franzose Johannes Calvin, einer der wichtigsten Denker der Schweiz wohl keinen Spass gehabt. Er galt als sittenstrenger Wächter in der Stadt Genf. Dank ihm wurde die Schweiz Fluchtort von Flüchtlingen aus aller Welt, die nicht zuletzt zu unserem heutigen guten Ruf und Wohlstand beitrugen: Ohne Hugenotten gäbe es heute keine Schweizer Uhrenindustrie. Calvin war aber nicht nur religiöser Führer sondern auch global erfolgreicher Begründer und Verbreiter der protestantischen Wirtschaftsethik. Seine Betrachtungen zur Wirtschaft mit der Verurteilungen von Exzessen und der Einführung von Zinssatzbegrenzungen sind gerade in der heutigen Bankenkrise aktueller denn je. Und trotzdem: Johannes Calvin, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 500. Mal jährt, gilt als dunkler und versessener Diktator, dem man die Schuld an der Verbrennung des spanischen Arztes Michel Servet nie verziehen hat.
Ulrich Zwingli ist die Lichtgestalt der Schweizer Reformation – nicht nur in Zürich. Die 2,4 Millionen Reformierten in der Schweiz sind zahlenmässig den Calvinisten erdrückend überlegen und erinnern sich zuerst an Luther, Zwingli und dann erst an Calvin. Dabei hatte Calvin weltweit eine weitaus grössere Wirkung mit seiner Lehre als Zwingli, dessen Wirkungskreis beschränkt war. Dass Zwingli in der Limmat unliebsame Täufer aus Zollikon hat ersäufen lassen, hat man vegessen. In der reformierten Kirche hat Huldrych Zwingli die bessere nationale PR-Agentur. Mit zahlreichen Veranstaltungen zum Calvin Jahr 2009 erinnert sich die Kirche an den grossen Reformator.

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