11. November 2008
Neues aus der Abteilung Journalisten-fragen-Journalisten-und-machen-sich-selbst-zum-Thema. Die journalistische Selbstinszenierung wird heute heute im “Tages-Anzeiger” ad absudrum geführt.
Warum wurden Sie Kriegsreporter?
Als junger Mann war ich überzeugt: Ich schreibe vier Artikel gegen das Böse, und die Welt wird besser. Ich stand politisch damals weit links. Links von mir gab es nur noch die Berliner Mauer. Damals waren einige Filme populär, die den Kriegsreporter verherrlichten: «Under Fire» mit Nick Nolte beispielsweise. Es war diese Mischung, die mich Kriegsreporter werden liess. Wenn ich von der Front nach Hause oder an die Hotelbar zurückkehrte, war ich für die Leute ein Held: Sie hingen an meinen Lippen, wenn ich erzählte. Und die schönsten Frauen lagen mir zu Füssen. So wird man zum Macho.
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Sie selber haben sich oft selber inszeniert: Ich erinnere mich an ein Interview mit Radovan Karadzic im «Blick» während des Bosnien-Krieges. Man hatte den Eindruck: Es geht nicht um den Inhalt, sondern darum, der Leserschaft zu sagen: Carl Just ist bei Karadzic. Er ist ein harter Journalist. Er hat keine Angst!
Natürlich gab es solche Sachen. Sie gehören dazu. Ich bin eitel, Sie sind eitel, wir alle sind eitel. Ich war eitel genug, um mich selber zum Spektakel zu machen. Aber die Inszenierungen wurden auf der Redaktion in Zürich gemacht. Ich habe einfach meine journalistische Arbeit getan.
Nicht neu ist: Journalisten werden Journalisten wegen den Frauen. Bei Rockstars ist das nicht anders; bei den Fussballspielern übrigens auch nicht.
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