Privatradios sind eine Zumutung an den gebildeten Bürger, der sich informieren will. Was geboten wird, ist mit ganz wenigen Ausnahmen Unterhaltung und Musik. Die Einführung von Privatradios in den 80er Jahren hat zu einer Nivellierung des Staatsradios gegen unten geführt. Die Folge: Auch auf „DRS 1“ mutet man den Hörern heute frühmorgens diese unsäglichen Quizsendungen zu. Jetzt zieht Medienminister Moritz Leuenberger “Radio Energy” den Stecker raus. Der Entscheid ist nachvollziehbar und kommt nicht ganz überraschend. Das Ringier-Radio war der schwächste Sender, der sich um eine Konzession bemühte. Für den Ringier-Konzern, der vor einer Sparrunde steht, ist der Entscheid ein herber Image-Verlust. Freuen hingegen tu ich mich, dass “Radio 1″ eine Konzession erhalten hat. Das Radio unterscheidet sich nicht gross von seinen Mitkonkurrenten, verfügt aber mit Roger Schawinski über einen Journalisten, der auch einmal nachfragt. Eine journalistische Tugend, die man heute in den Schweizer Medien immer häufiger vermisst. Seine Sendung “Doppelpunkt” ist etwas vom Interessantesten, was die Privatradioszene zu bieten hat.
Der Verlust von “Radio Energy”, das einmal gut als Herausforderer von „Radio 24“ startete, lässt mich kühl. Wer sich wirklich informieren will, ist auf das Staatsradio angewiesen; es muss dabei nicht einmal „DRS 2“ sein. Ich gebs zu: die penetrant aufgestellten Moderatoren nerven mich. Privatradios sind etwas für Menschen bis maximal 30.
Wie man Kunden nicht behandeln sollte, ich kenne es aus eigener Erfahrung, zeigt immer wieder und seit Jahren die Cablecom. Wenn sich dann im Konzern auch noch ein kleines Leck öffnet, kommt es zu Geschichten wie derjenigen, die Thomas Benkoe im “Blick” publizierte. Die Entschuldigung des Pressesprechers ist richtig. Wenn er dann, angesprochen auf die Behebung der Pannen, aber auch noch sagt, “Eine Prognose zu machen, ist schwierig”, dann bedeutet dies, dass man im Konzern ratlos ist und den Problemen nicht Herr wird. Schlimmer kanns für den Medienanbieter nicht mehr kommen. Oder doch?
Noch 6 Tage bis zur Wahl in den USA. Perspectv sammelt Daten zur Wahl und den beiden Kandidaten und visualisiert diese übersichtlich: Wer hat zur Zeit in aktuellen Umfragen die Nase wo vorn? Was passiert in den Blogs zur Wahl?
Die Menschheit sucht nach Erklärungen. Uns ist es mal nicht das Gummibärchen-Orakle der Liebe, so müssen die McDonalds- oder die Starbucks-Theorie herhalten. Letztere verheisst wenig Gutes: Je mehr Starbucks sich in einem Land befinden, desto härter wird es von der Finanzkrise betroffen. Dank den Starbucks-Kaffees, die mit Schweizer Automaten ausgerüstet sind, haben sich die Banker zu riskanten Investitionen bewegen lassen. Der Blick auf Starbucks International Store Locator zeigt interessante Muster. In Grossbritannien (Verstaatlichung von Banken) bedienen heute 253 Starbucks ihre Kundschaft, in Spanien (Platzen der spekulativen Küsten-Immobilien-Blase) in Madrid alleine 48 Filialen. In der Schweiz gibts heute für die Lifstyle-Caffè-Macchiato-Süchtigen insgesamt 42 Abgabestellen. Starbucks erreichte, wie die Finanzwelt, 2006 ihren Höhepunkt, seither gings nur noch bergab. An Stelle von Starbucks könnten, wenn auch mit einiger Verzögerung, auch die Medien als Indikatoren hinhalten.
Der Autor des Artikels “Lizenz zum Täuschen” auf verwechselt Productplacement und Reklame mit seriöser PR. Letztere schafft Glaubwürdigkeit, weil sie eben keine Behauptungen aufstellt, sondern einen Sachverhalt erklärt. Die Schaffung einer breiten Akzeptanz für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs kam nur zustande, indem die Medien die Marketing-Botschaften der Unternehmen unreflektiert weiterverbreiteten. Das Niveau von Medien und PR-Agenturen in der Schweiz liegt deutlich über demjenigen in Deutschland, Frankreich und in den USA. Wer in der Schweiz als PR-Agentur zur Lüge greift, hat verloren, denn in unserem Land sind Behauptungen einfacher zu überprüfen.
Das Glaube ans eigene Produkt muss immer noch riesengross sein. Jetzt hat man sogar nochmals ins Redesign des Pendlerblattes investiert und das Konzept angepasst. Mit der Aufgabe der Hauszustellung wird “.ch” zur ganz gewöhnlichen Gratiszeitung und verliert auch noch seinen USP. Laut Wemf erreichte das Blatt im ersten Halbjahr 2008 durchschnittlich 204’000 Leser. Zum Vergleich: “20 Minuten” erreicht täglich fast 1,3 Millionen Leser.