11. September 2008
Der Mann ist von gestern, ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein würde sein Land am liebste als absolutistischer Herrscher von Gottes Gnaden führen. Und wenn ihm mal nicht passt, was seine Untertanen beschliessen, dann droht der grösste Grundstücksbesitzer Österreichs, nach Wien abzuwandern. Das Volk stimmte schliesslich 2003 für die “Fürsteninitiative”, welche der Familie die Möglichkeit gibt, das Land bis zu einem halben Jahr per Notrecht zu regieren. Zu seinem Selbstverständnis passt die Äusserung, Deutschland sei das Vierte Reich, das er auch noch zu überleben hoffe. Der Fürst hat damit einmal mehr wenig Fingerspitzengefühl bewiesen. Ist es ein Anzeichen für die Degeneration des alten Adels? Hans Adam beginnt für das Land zur Last zu werden. Vielleicht wäre es für das Land gar nicht schlecht, wenn er auswanderte.
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11. September 2008
Zu meiner Zeit herrschte in der Schule Frontalunterricht vor. Man musste stillsitzen, das Lernen in Gruppen war noch nicht erfunden. In meine Klasse von 28 Schülern in Bern hatten wir damals gerade einen Italiener und ein Kind, dessen Eltern geschieden waren, was als exotisch galt. Jeder wusste zudem um die familiäre Situation des Mitschülers.
Wie ich als Vater eines seit zwei Wochen schulpflichtigen Kindes erfahre, haben sich die Zeiten geändert – und zwar zum Besseren. Meine Tochter teilt als Erstklässlerin in der Tagesschule Staudenbühl das Schulzimmer mit Drittklässlern und profitiert enorm von ihrem Banknachbarn. Die 20 Schüler sind ethnisch durchmischt, werden am Mittag im der Schule angeschlossenen Hort verpflegt und auch nach der Schule betreut. Kurz: Ich habe das Gefühl, mein Kind sei dort sehr gut aufgehoben. Wenn ich mir die heutige Grundschule hier in Zürich ansehe und mit meiner Schulzeit vergleiche, dann wünschte ich mir manchmal insgeheim, nochmals Kind zu sein und von den Segnungen der modernen Schule profitieren zu können. So ist heute zum Beispiel der Musikunterricht in das Schuljahr integriert. Neben den beiden Lehrerinnen für die 1. Klasse stehen an der Schule eine Sozialarbeiterin, eine Logopädin und weitere Fachleute zur Verfügung. Die Schule hat sich zu einem Bildungszentrum entwickelt, das auch die Sozialkompetenzen fördert. Zudem haben die Schulen erkannt, dass der Informationsaustausch mit den Eltern immer wichtiger wird. Die neue Offenheit zeigt sich darin, dass ich mich ständig über die anstehenden Anlässe auf der Webseite die Schule informieren kann. Die Zürcher Schule gefällt mir. Trotz schlechter Resulate in der PISA-Studie, die auf den Einfluss der fremdsprachigen Schüler zurückzuführen ist: Mir scheint, in der Schweiz jammern wir auf hohem Niveau über unsere Schule.
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