Weblog-Archiv für den 7.September 2008

Medien und PR: Verstehen, was ist.

7. September 2008

PR braucht Qualitätsjournalismus

Wenns um IT-Themen geht, sind die Grenzen zwischen Journalismus und PR fliessend. Welcher Laie kann schon immer eindeutig beurteilen, was Sache ist? In der heutigen “Sonntagszeitung” ist es einfacher: Der populäre Text unter dem Titel “Sicher im Berg” lässt beim kritischen Leser mehr als ein Fragezeichen offen. Da wird also eine Firma vorgestellt, die, so suggeriert der Text, Daten und Rechner von Schweizer Firmen (welche und wieviele wird nicht gesagt) in einer Alpenfestung (wo wird nicht verraten) atombombensicher schützt. Die Skizze vermittelt den Eindruck von zwei riesigen Anlage mit Hotel-Infratruktur irgendwo in den Alpen. In blumigen Worten beschreibt der Autor, ein selbständiger IT-Consultant, wie Besucher eine Köperkontrolle und drei Schleusen passieren müssen, bevor sie in den von Kameras und Bewegsungssensoren überwachten Raum mit den Servern gelangen. Und trotzdem beschleicht einen das Gefühl, dass der Autor gar nie vor Ort war. Warum? Der Text bleibt weitgehend faktenfrei und stützt sich allein auf die Angaben der Betreiberfirma. Offenbar ist der Autor dem schönen Claim “Swiss Fort Knox” aufgesessen.

Tatsache ist: Der Unterschied zwischen PR und Journalismus liegt vielfach nicht in dem, was gesagt wird, sondern in dem, was verschwiegen wird. Als PR-Berater bin ich der Meinung, dass sich nur guter Journalismus auszahlt – für Medien, Leser und PR-Auftrageber. Der bedenklich unjournalistische Text schadet der Glaubwürdigkeit der “SonntagsZeitung” – und damit auch derjenigen der Firma, die sich vielleicht jetzt noch über ihre Publizität freut.

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