Der grosse Verführer hat gestern in Berlin gesprochen – und 200’000 kamen. Die PR-Maschinerie Barack Obamas ist in Europa angelangt. Wer die Rede nachlesen will, kann es hier tun. Wenn ich mir unsere Politiker anschaue, frage ich mich immer wieder: Weshalb beherrscht in unserem Land kaum einer die freie Rede?
Auch wenn es niemand auszusprechen wagt: Hätte er seine Frau ein einziges Mal im Affekt geschlagen, hätte dies, ohne es gutzuheissen, als einmaliger Aussetzer eines Soldaten interpretiert werden können. Vielleicht wäre dann Roland Nef noch im Amt. Der Armeechef hat aber seine Ex-Freundin offenbar über längere Zeit verfolgt, was Planung und ein gerüttelt Mass an krimineller Energie voraussetzt. Jetzt tritt Roland Nef ab. Offenbar hat auch er eingesehen, dass er das Vertrauen in seine Person nicht mehr wiederherstellen kann. Wie könnte er auch: Seine Taten lassen sich nicht rückgängig machen. Mit dem Rücktritt Nefs ist Bundesrat Schmid aber noch lange nicht aus der Kritik. Ich bleibe bei meiner Prognose: Schmid wird auch diese Krise ausstehen und weder von selbst demissionieren noch zum Rücktritt gezwungen werden. Zu gross ist die Furch im Parlament vor einer Neuwahl – und deen Reaktionen der SVP, sollte ein ihr nicht genehmer Kandidat gewählt werden.
Wir sind alle irgend einmal eingewandert. Moderne Genanalysen, wie auf diesem Blog bereits besprochen, belegen es: Der Homo migrans hat sich über die Welt ausgebreitet. Die Enzyklopädie der Migration in Europa seit dem 17. Jahrhundert gibt einen hervorragenden Überblick über die Völkerwanderungen. Das über 1000-seitige Werk erzählt Geschichten über ganz unterschiedliche Migrantengruppen: Zum Beispiel über die bosnischen Bärenführer, die im 19. Jahrhundert mit dressierten Tanzbären in West- und Mitteleuropa ihren Lebensunterhalt verdienten, aber auch über die ägyptischen „Sans Papiers” in Paris seit 1980, die Zyprioten in Grossbritannien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und die chinesischen Zuwanderer, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der italienischen Modeindustrie anheuerten. Auch der Schweiz ist ein Kapitel gewidmet. Die Enzyklopädie der Migration in zeigt auf, dass auch die Schweiz ein ein Einwanderungsland ist – und zwar nicht erst, seit die sogenannten Gastarbeiter ins Land kamen (Bild: Abstimmungspostkarte der Gegner der Überfremdungsinitiative, 1974). Auch wenn sich gewissen Parteien in der Schweiz mit dieser Erkenntnis weiterhin schwertun.
Reichste Frau der Schweiz heiratet Bundesratssohn, brennt dann mit Künstler durch und wird psychiatrisiert. Ihr Gelieber, der Berner Maler Karl Stauffer, wird aufgrund falscher Beschuldigungen ihres Ehemannes und dessen Vaters, Bundesrat Emil Welti, in Italien eingekerkert. Nach der Scheidung vermacht Lydia Welti-Escher ihrem Mann umgerechnet 18 Millionen Franken und zieht sich zurück. Von ihrem Geliebten hatte sie sich bereits vorher zurückgezogen. Dank neuen Fakten in der Biographie der emanzipierten Tochter der einflussreichsten Politikers und Unternehmens des 19. Jahrhunderts, muss das Bild Lydia Welti-Eschers revidiert werden. Mehr…
Ist er bloss entscheidungsschwach oder doch handlungsunfähig? Samuel Schmid gibt heute Armeechef Nef vier Wochen Zeit, um das Vertrauen des Verteidigungsministers zurückzugewinnen. Die ganze Sache hat bloss zwei Haken:
Der Armeechef muss nicht nur vom politischen Vorgesetzten gefallen: Er sollte auch das Vertrauen der Bevölkerung und der Armee, des Offiziers und des einfachen Soldaten, geniessen.
Nach dem Vorwürfen gegen Roland Nef, der diese ja nicht bestreitet, lässt sich dessen Glaubwürdigkeit und die Reputation für den Posten des Armeechefs nicht mehr herstellen. Der Mann ist erledigt.
Bundesrat Samuel Schmid wirkte unsicher. Auch wenn er betont, dass er handlungsfähig ist: Weshalb entlässt er Armeechef Nef nicht? Wartet er, bis er Nef einen Posten als Militärattaché gefunden hat? Fortsetzung folgt.
Er glaubte im sicheren Bunker zu sitzen: Armeechef Roland Nef versuchte falsche Spuren zu legen und hat später häppchenweise und erst unter Druck die Wahrheit erzählt. In der Position Nefs kommt dieses Verhalten einem Kommunikations-GAU gleich. Nach der Berichterstattung in der heutigen “SonntagsZeitung” über das Verhalten des Armeechefs steht fest: Der Armeechef ist nicht mehr tragbar. Er streitet die Vorwürfe auch nicht ab, stattdessen beruft er sich auf den Schutz seiner Privatspäre. Tatsache ist: In seiner Funktion lassen sich Berufs- und Privatleben nicht mehr trennen. Sein Auftritt in Zivilkleidung im Bundeshaus am Feitag wirkte nur noch grotesk. Genau so wie seine Angriffe auf die Medien. Roland Nef hat seine Glaubwürdigkeit vollständig verpielt. Sein Rücktritt ist unabdingbar – er wird so die Haut von Bundesrat Samuel Schmid retten, der für das ganze Schlamassel an der Armeespitze schlussendlich verantwortlich ist. Auch Schmid ist offenbar im kalten Krieg stecken geblieben und alles andere als ein krisenresistenter Kommunikator. Sein Abtauchen in der Krise war lange unprofessionell und wirkte hilflos. Nach der Anfrage und Information der “SonntagsZeitung” bereits im Juni erstaunt es, dass im Departement Schmid kein Dispositiv für die Krisenbewältigung erarbeitet wurde. Offenbar gelingt es dem Bund auch mit 70 Millionen Franken, die im letzten Jahr in die Öffentlichkeitsarbeit investiert wurden, nicht, professionell und transparent zu informieren.
Armeechef Roland Nef macht heute vor, wie man in seiner Lage nicht handeln sollte: Mit seiner Klagedrohung gegen den “Blick” bringt er diesen nicht zum Schweigen, sondern stachelt die Recherchierfreude der Medien erst recht an. Zudem: Es wird immer jemanden geben, der bereit ist, über umstrittene Befehle Nefs oder dessen Eignung als Führungsperson in der Armee zu reden – auch wenn die Vorkomnisse bereits lange zurückliegen.
Die Reaktionen von Armeechef Nef und dem VBS sind ein kommunikativer GAU. Es gibt nur zwei Strategien in einem solchen Fall: Entweder man schweig und steht die Krise aus, oder man legt sofort alle Fakten auf den Tisch. Der Schritt von Roland Nef in die kommunikative Offensive ist halbherzig und löst das Problem nicht. Heute weiss man, dass er seine Ex-Freundin nicht geschlagen hat, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte. Vorgeworfen wurde ihm Nötigung. Mit anderen Worten: Nef wurde des Stalkings beschuldigt. Hat er auch noch schweigegeld bezahlt? Spekulationen wachsen ins Kraut, jetzt muss Transparenz hergestellt werden. Was Familienverhältnisse und privates Umfeld über die Eignung eines Kandidaten für eine Spitzenposition aussagen und weshalb ein Stalker als Chef der Armee ein Risiko und nicht mehr tragbar ist. Einige Überlegungen:
Stalking ist keine Bagatelle. Es handelt sich dabei nicht um eine einmalige Handlung im Affekt. Ein Stalker belästigt eine Person über längere Zeit systematisch und mit Perfidie. Was, wenn er in seiner Funktion als Armeechef eine Enttäuschung erlebt? Wird er zum Amokläufer?
Von einem General wird erwartet, dass er auch in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahrt, wobei Schweizer Soldaten seit über 200 Jahren keine Extremsituationen mehr erlebten. Offenbar ist Nefs Psyche dazu nicht stabil genug.
Wie würde Nef als Armeechef mit einer Kränkung duch eine Soldatin umgehen?
Die Glaubwürdigkeit Nefs ist heute beschädigt. Als Armeechef ist er kein Vorbild mehr.
Wer beim Bund eine Spitzenposition innehat, sollte “sauber” sein. Nicht alle sind dies allerdings, wie das Beispiel von Raymond Cron zeigt.
Angestellt hat Nef in vollem Wissen um dessen privates Umfeld Samuel Schmid. Schauen wir doch mal, wie sich Nefs Chef aus der Affäre zieht. Fortsetzung folgt. Die Kampagne des “Blick”, davon ist auszugehen, wird weitergeführt.
Willkommen im Club. Christa Rigozzi hat jetzt auch eines. Sie hat sich medienwirksam eine Tätowierung stechen lassen, einen Stern am Knöchel. Die Ex-Miss, die nicht gerade durch Esprit glänzte – aber welche Miss tut das schon, das gehört schliesslich nicht zu ihrer Kernkompetenz – zeigt mit ihrem neuen Körperschmuck, wenig Gespür für Stil. Der Trend aus den 90er Jahren, sich ein Zeichen der Rebellion auf den Körper stechen zu lassen, nähert sich dem Verfalldatum, denn: Fast alle tragen es. Die Coiffeuse um die Ecke ebenso wie der Student, die Ex-Miss und die Sekretärin mit dem “Arschgeweih”. Ich rede aus Erfahrung, ich habe selbst mit zwei Trägerinnen eines Solchen zusammengearbeitet. Die Tätowierung hat ihre Bedeutung verloren. Sie ist wieder dort angekommen, wo sie einst herkam: In der Unterschicht. Was sich Menschen sonst noch so alles in die Haut ritzen rassen zeigt der Tattooblog.
Der Berner Regierungsrat Andreas Rickenbacher übt sich in der “NZZ” vom letzten Samstag im Abfeuern von Nebenpetarden:
Der Kanton Bern ist nicht, wie das da und dort immer noch wahrgenommen werden mag, reiner Agrar-, Industrie-, Tourismus- oder Administrativkanton, sondern ein ausbalancierter Mix aus diesen und weiteren Elementen.
Der Artikel ist eine Reaktion auf den Artikel, den der Chefökonom von “Avenir-Suisse”, Boris Zürcher, im Frühling in der “Berner Zeitung” publiziert hatte. Rickenbacher will uns sagen, der Kanton Bern sei ganz anders, als er wahrgenommen werde. Wenn ein Mix so ausbalanciert ist, wie Rickenbacher behauptet, braucht der Kanton dann alle paar Jehre eine neue Wachstumsstrategie? Auch bei der Wirkung der neusten Bemühungen sind Zweifel angesagt: Mit “Bildung”, “Raumentwicklung” und “Gesamtmobilität” lassen sich strukturschwache Regionen nicht aufwerten. Die Kur für den Kanton Bern wären Steuersenkungen. Doch davon ist man weit entfernt. Die Anstrengungen, den Kanton vorwärtszubringen, werden deshalb vielenorts nur noch belächelt. An der Wahrnehmung des Kantons ändern sie nichts.