Weblog-Archiv für den 31.Juli 2008

Medien und PR: Verstehen, was ist.

31. Juli 2008

1. August: Von Obama lernen

Morgen zum 1. August werden uns landauf, landab wieder Redner zugemutet, die sich verkrampft an ihr Manuskript klammern und Wort für Wort ablesen, was sie (oder ihre Einflüsterer) im stillen Kämmerlein vorbereitet haben. 99 Prozent aller 1. August-Reden sind todlangweilig, kaum jemand hört wirklich zu. Anschauungsunterricht, wie mans machen sollte, gab vor kurzem die epochale Rede Barack Obamas in Berlin. Was ist es, das Obama so stark und glaubwürdig macht?

Dank seiner Ausstrahlung kann er sofort eine gute Stimmung schaffen, er wirkt äusserst sympathisch und angenehm. Obama redete völlig frei und ohne Manuskript. Was macht den Mann so stark? Es ist sein uramerikanischer Glaube an sich selbst, an seine Visionen, an die Zukunft und an das, was er sagt. In seiner Überzeugung wirkt der Charismatiker  schon fast missionarisch, ist dabei aber nie überheblich oder abgehoben, sondern strahlt eine bescheidene und demütige Haltung aus. Er vermittelt seinen Zuhörern nicht, dass er alles besser wissen kann oder will. Im Gegenteil: Nonverbal lässt er immer wieder durchblicken, dass er sich der Grenzen bewusst ist, die der US-Präsident, der wichtigste Politiker der ganzen Welt, hat. Der Rhythmus seiner Rede zwischen Pausen und der einfachen, verständlichen und deutlichen Sprache führt dazu, dass viele Menschen von seinen Worten ergriffen sind. Obama wirkte dabei über weite Strecken vertrauenswürdiger und glaubhafter als es Hillary Clinton, obwohl sie die erfahrenere Politikerin ist und über weit stärkere Argumente verfügte. Dank seiner rhetorischen Brillianz könnte es Barack Obama schaffen, im November als erster farbiger Präsident gewählt zu werden.

Was können unsere 1. August-Redner von Barack Obama lernen?

  • Glaubwürdig ist nur, wer seine Argumente und Visionen verinnerlicht hat und diese nicht vom Blatt ablesen muss.
  • Die einfache Sprache hat die grösste Wirklung. Der Zuhörer erkennt, wenn man ihm etwas vorzumachen versucht, und wendet sich ab.
  • Begeisterung schafft man nur, wenn man von sich und seinen Visionen überzeugt ist.
  • Technische Hilfsmittel können noch so spektakulär sein, den Funken der Euphorie wird damit nicht auf die Zuhörer springen.
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31. Juli 2008

YB – seit 20 Jahren wenig Sachverstand

Seit über 20 Jahren gibt mir der BSC Young Boys Rätsel auf. Es fehlt in der Führungsetage an Sachverstand, sportlichem Weitblick, Kontinuität und Ruhe. Stattdessen folgt ein Trainer auf den anderen, Spieler werden gekauft und verkauft – der sportliche Erfolg bleibt aus. YB-Präsident Beat Grimm suchte gestern verzweifelt nach Worten und wirkte hilflos, als er im TV die Entlassung von Trainer Martin Andermatt erklärte. Weshalb schickte man den kommunikativ schwächsten Mann an die Front? War die Entlassung ein Schnellschuss? Stecken die Geldgeber dahinter? Die Mannschaft habe sich in die “falsche Richtung” bewegt, so Grimm. Tatsache ist: Der Saisonstart war beschwerlich mit einem Punkt aus drei Spielen. Aber hat man schon vergessen, dass YB die beste Mannschaft der Rückrunde der letzten Saison war? Offenbar genügt der zweite Platz, den YB erreichte, nicht mehr. Man will mehr: Ohne Torschützenkönig und Ideengeber Hakan ist YB allerdings nur noch die Hälfte wert. Für realen Ersatz war man nicht besorgt. Die Mannschaft ist heute schwächer besetzt als letzte Saison. Die Erwartungen sind offenbar nach der seit Jahren efolgreichsten Saison ins Unermessliche gestiegen. Mit der Entlassung zeigte die YB-Führung wieder einmal wenig Fussball-Sachverstand und setzte sich selbst unter Druck: Innerhalb von 20 Tagen muss nun ein Ersatz gefunden werden. Der Markt an valabeln Übungsleitern mit einem Leistungsausweis ist ausgetrocknet. Ich gehe davon aus, dass schon bald eine Übergangslösung präsentiert wird. Fazit: Die Wurstelei bei YB geht weiter. Wie es die Fans auffassen beim “Runden Leder”.

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