Weblog-Archiv für den 16.Juli 2008

Medien und PR: Verstehen, was ist.

16. Juli 2008

General mit Amokläufer-Potential

Die Reaktionen von Armeechef Nef und dem VBS sind ein kommunikativer GAU. Es gibt nur zwei Strategien in einem solchen Fall: Entweder man schweig und steht die Krise aus, oder man legt sofort alle Fakten auf den Tisch. Der Schritt von Roland Nef in die kommunikative Offensive ist halbherzig und löst das Problem nicht. Heute weiss man, dass er seine Ex-Freundin nicht geschlagen hat, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte. Vorgeworfen wurde ihm Nötigung. Mit anderen Worten: Nef wurde des Stalkings beschuldigt. Hat er auch noch schweigegeld bezahlt? Spekulationen wachsen ins Kraut, jetzt muss Transparenz hergestellt werden. Was Familienverhältnisse und privates Umfeld über die Eignung eines Kandidaten für eine Spitzenposition aussagen und weshalb ein Stalker als Chef der Armee ein Risiko und nicht mehr tragbar ist. Einige Überlegungen:

  • Stalking ist keine Bagatelle. Es handelt sich dabei nicht um eine einmalige Handlung im Affekt. Ein Stalker belästigt eine Person über längere Zeit systematisch und mit Perfidie. Was, wenn er in seiner Funktion als Armeechef eine Enttäuschung erlebt? Wird er zum Amokläufer?
  • Von einem General wird erwartet, dass er auch in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahrt, wobei Schweizer Soldaten seit über 200 Jahren keine Extremsituationen mehr erlebten. Offenbar ist Nefs Psyche dazu nicht stabil genug.
  • Wie würde Nef als Armeechef mit einer Kränkung duch eine Soldatin umgehen?
  • Die Glaubwürdigkeit Nefs ist heute beschädigt. Als Armeechef ist er kein Vorbild mehr.
  • Wer beim Bund eine Spitzenposition innehat, sollte “sauber” sein. Nicht alle sind dies allerdings, wie das Beispiel von Raymond Cron zeigt.

Angestellt hat Nef in vollem Wissen um dessen privates Umfeld Samuel Schmid. Schauen wir doch mal, wie sich Nefs Chef aus der Affäre zieht. Fortsetzung folgt. Die Kampagne des “Blick”, davon ist auszugehen, wird weitergeführt.

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16. Juli 2008

Tattoos: Zurück an den Anfang

Willkommen im Club. Christa Rigozzi hat jetzt auch eines. Sie hat sich medienwirksam eine Tätowierung stechen lassen, einen Stern am Knöchel. Die Ex-Miss, die nicht gerade durch Esprit glänzte – aber welche Miss tut das schon, das gehört schliesslich nicht zu ihrer Kernkompetenz – zeigt mit ihrem neuen Körperschmuck, wenig Gespür für Stil. Der Trend aus den 90er Jahren, sich ein Zeichen der Rebellion auf den Körper stechen zu lassen, nähert sich dem Verfalldatum, denn: Fast alle tragen es. Die Coiffeuse um die Ecke ebenso wie der Student, die Ex-Miss und die Sekretärin mit dem “Arschgeweih”. Ich rede aus Erfahrung, ich habe selbst mit zwei Trägerinnen eines Solchen zusammengearbeitet. Die Tätowierung hat ihre Bedeutung verloren. Sie ist wieder dort angekommen, wo sie einst herkam: In der Unterschicht. Was sich Menschen sonst noch so alles in die Haut ritzen rassen zeigt der Tattooblog.

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16. Juli 2008

Berner Augenwischerei

Der Berner Regierungsrat Andreas Rickenbacher übt sich in der “NZZ” vom letzten Samstag im Abfeuern von Nebenpetarden:

Der Kanton Bern ist nicht, wie das da und dort immer noch wahrgenommen werden mag, reiner Agrar-, Industrie-, Tourismus- oder Administrativkanton, sondern ein ausbalancierter Mix aus diesen und weiteren Elementen.

Der Artikel ist eine Reaktion auf den Artikel, den der Chefökonom von “Avenir-Suisse”, Boris Zürcher, im Frühling in der “Berner Zeitung” publiziert hatte. Rickenbacher will uns sagen, der Kanton Bern sei ganz anders, als er wahrgenommen werde. Wenn ein Mix so ausbalanciert ist, wie Rickenbacher behauptet, braucht der Kanton dann alle paar Jehre eine neue Wachstumsstrategie? Auch bei der Wirkung der neusten Bemühungen sind Zweifel angesagt: Mit “Bildung”, “Raumentwicklung” und “Gesamtmobilität” lassen sich strukturschwache Regionen nicht aufwerten. Die Kur für den Kanton Bern wären Steuersenkungen. Doch davon ist man weit entfernt. Die Anstrengungen, den Kanton vorwärtszubringen, werden deshalb vielenorts nur noch belächelt. An der Wahrnehmung des Kantons ändern sie nichts.

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