12. Juni 2008

Sein ehemaliges Kampfgewicht konnte er nicht beibehalten. Heute ist Ramon Vega, Schweizer Teilnehmer an der WM 1994 und der EM 1996 (Bild, rechts), denn auch weniger auf dem Fussballplatz als in Banken und in Finanzkreisen anzutreffen. Dem Fussball ist er immer noch verbunden, indem er zum Beispiel englische Fussballspieler in Finanzsachen berät. Inzwischen fasst er mit Romano Spadaro auch die Übernahme des Bologna FC (Vega: “Völlig unterbewertet im Moment”) ins Auge. Gestern war er auf Einladung von Deloitte zu Besuch in Zürich in der Deloitte-Arena, wo er vor dem Spiel Schweiz-Türkei und in der Pause als Special Guest vom CEO des Unternehmens zum Spiel befragt wurde.
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12. Juni 2008
Seit der WM 2006 gings mit der Schweizer Nationalmannschaft und Köbi Kuhn nur noch abwärts. Gestern Abend wurde der Tiefpunkt erreicht. Die Türken waren die bessere Mannschaft. Die folgenden merkwürdigen Entscheide von Köbi Kuhn führten zum Debakel:
- Kuhn ist harmoniesüchtig. Statt Spieler, die auch einmal explodieren können, berief er in seine Mannschaft fast nur kadavergehorsame Mitläufer, die wenig wagen und blind ihrem Trainer folgen. Einzige Ausnahmen: Hakan Yakin, der beste Schweizer an der Euro, und Johan Vonlanthen. Beide musste Kuhn nach der Verletzung Freis notgedrungen spielen lassen.
- Kuhn fehlte der Mut. Er wollte sich nicht auf junge Spieler festlegen, für die das Momentum spricht. Zum Beispiel Valentin Stockar vom FC Basel. Stattdessen setzte er auf “bewährte” Kräfte, die im entscheidenden Moment versagten.
- Kuhn schätzte die Lage im Angriff falsch ein. Es fehlte der Mannschaft an nominellen Stürmern. Aber weder Mauro Lustrinelli, der in der Champions-League mit Thun bewies, dass er sich international durchsetzen kann, noch Blaise Nkufo fanden Aufnahme in das Kader für die Euro. Es erstaunt nicht, dass sich der niederländische Torschützenkönig, der sich nie verstanden fühlte von Kuhn, für die Euro abmeldete. Stattdessen berief Kuhn den dauerverletzten Marco Streller, der keine Verstärkung darstellte.
- Kuhn schätzte Zwei Jahre hatte Kuhn Zeit, Varianten zu prüfen. Er tat dies bis zwei Spiele vor der Euro, erst dann wollte er sich auf die Zusammensetzung der Mannschaft festlegen. Diese hat zu wenig Zeit, um taktische Varianten und Spielzüge einzuüben.
- Kuhn gab auf. Die Körpersprache Kuhns gestern im Regen zeigte: Der Mann hatte aufgegeben und glaubte nicht mehr an die Wende des Spiels. Waren seine Gedanken im Spital bei seiner Frau?
Köbi Kuhn wird eingehen als der Trainer, der mit seiner Mannschaft an der Heim-Euro versagte. Sein Vertrag mit dem Fussballverband läuft aus. In der Wirtschaft würde man ihn nun entlassen. Wäre er clever genug gewesen, hätte er sein Amt nach der erfolgreichen WM 2006 niedergelegt. Seine eigene Eitelkeit und der von realitätsfernen Rentnern geführte Fussballverband verhinderten dies.
Die von den Medien geschürte Erwartungshaltung hat dazu geführt, dass sich in der Schweiz nun Ernüchterung breit macht. Noch schlimmer: Die Stimmung an der Euro droht zu kippen. Wären nicht wenigstens die Holländer, die in Bern für Stimmung sorgen, würde die Schweiz als Gastgeberin schon bald ein tristes Bild in der Welt abgeben.
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