Weblog-Archiv für Dezember 2007

Medien und PR: Verstehen, was ist.

31. Dezember 2007

Das Mass aller Neujahrsansprachen

Das vor drei Wochen eröffnete Lötschberg-Basistunnel gäbe ein gutes Sujet für die Neujahrsansprache des Wallisers Pascal Couchepin her. Die Berner Seite des Lötschbergs ist allerdings schon besetzt. Adolf Ogis Neujahrsansprache 1999 vor dem Tunnelportal des alten Lötschbergtunnels ist das Mass aller Dinge. Sie zu schlagen, wird schwierig.

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30. Dezember 2007

Netzwerke zu Image-Plattformen

An den grossen sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel Facebook und MySpace gibt es künftig kein Vorbeikommen mehr. Diese wandeln sich zu sozialen Destinationen und Image-Plattformen. Wie Chris De Wolfe, Ko-Gründer von MySpace, die Zukunft der sozialen Netzwerke sieht: Mehr Traffic, mehr Austausch, und die Grenzen zwischen online und offline-Kommunikation verwischen sich dank kleineren und handlicheren Geräten, während ihr Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zunehmen wird.

More than ever, social networks are blurring online and offline worlds, evolving into social destinations that are driving the direction of the larger web and affecting industries like advertising, music and politics. Predicting the future of social networks exclusively misses the larger point – these evolving online social destinations are laying the groundwork for the new social web which we believe is becoming infinitely more personal, more portable, and more collaborative. Mehr…

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29. Dezember 2007

Wie ich mitrede, ohne gelesen zu haben

Jedes Milieu hat eine Liste von Büchern, die man gelesen haben muss, will man sich nicht blamieren. Für den Zürcher Banker sind es zum Beispiel die Bücher des Bankenprofessors Beat Bernet, für Studenten der Geschichte immer noch das “Kommunistische Manifest”. Nicht jeder, der ein Buch gelesen haben will, hat dies auch getan. Aber das ist eine andere Geschichte. Was tut man in Gesprächssituationen, in denen es um Bücher geht, von denen man keine Ahnung hat? Nur nicht vor Scham im Boden versinken. Der französische Literaturprofessor und Psychoanalytiker Pierre Bayard räumt radikal auf mit dem Zwang des Gelesen-haben-Müssens und erweist der Nichtleserschaft einen grossen Dienst, indem er postuliert: Ein Buch muss man nicht von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen haben, um sich darüber unterhalten zu können. Vielen von uns fehlt dazu schlichtweg die Zeit. Darauf baut zum Beispiel erfolgreich das Business-Modell von Get Abstract auf.

In seinem Buch “Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat” unterscheidet Bayard die folgenden Typen von nichtgelesenen Büchern – über alle kann man sich austauschen:

  • Einem völlig unbekannte Bücher
  • Quergelesene Bücher
  • Bücher, die man vom Hörensagen kennt
  • Bücher, die man einmal gelesen, aber vollständig vergessen hat

Bayard entlastet in seinem vergnüglich zu lesenden Buch unser Gewissen und gibt dazu auch noch nützliche Ratschläge, wie man sich in angeblich belesener Gesellschaft nicht blamiert.

  • Leben Sie Ihre Komplexe bezüglich kultureller Sozialkompetenz ab und nehmen Sie nicht für bare Münze, wie viele Bücher ihre Gesprächspartner gelesen haben.
  • Betrachten Sie das Reden über Bücher in erster Line nicht als sozialen, sondern kreativen Prozess.
  • Vertreten Sie Ihre Ansichten über ein Buch oder eine Geschichte mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Falls Sie seltsame Interpretationen von sich geben, werden dann entweder als Zeichen eines originellen Geistes oder als Humor interpretiert.
  • Nötigenfalls erfinden Sie ein Buch, lassen Ihrer Phantasie freien Lauf und lenken das Gespräch auf ein anderes Thema. Und vergessen Sie nicht: Andere schummeln auch, wenn es um die Anzahl gelesener Bücher geht.

“Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat”, Pierre Bayard, Kunstmann Verlag.

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28. Dezember 2007

Was war zuerst: Das Eisen oder Wein?

Was wurde zuerst praktiziert: Die Gewinnung und Nutzung des Eisens oder die Kultivierung des Weines? Diese Frage muss man sich nach den neusten Forschungen der Basler Archäobotanikerin Lucia Wick fragen. Sie wies jetzt nach, dass am Lac du Mont d’Orge (siehe Bild) oberhalb von Sion schon während der Eisenzeit, lange vor den Römern, Reben angepflanzt wurden. Heute hat der Wein in der Schweiz einen schweren Stand. Es wird immer weniger davon getrunken – im Jahr 2006 noch 270 Millionen Liter. Während bei den Schweizer Weinen rückläufige Tendenzen zu beobachten sind, konnten die ausländischen Weine zulegen – ein Grossteil von diesen wird immer noch per Lastwagen und wenig klimafreundlich in die Schweiz transportiert. Die Entwicklung auf dem Weinmarkt spüren auch die Walliser Winzer, die mit ihren Spitzenweinen eine führende Stellung in der Schweiz einnehmen. Die neue Forschungsresultate geben nun Anlass, einmal auf die Jahrtausende alte Walliser Weinkultur hinzuweisen. Dazu die entsprechende Medienmitteilung.
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21. Dezember 2007

Seibt-ständig

Constantin Seibt, ein Journalist, den ich sehr schätze, wurde zum “Journalisten des Jahres” gewählt. Eben erst von der “WOZ” zum “Tages-Anzeiger” gewechselt, sagt er heute im “Schweizer Journalist”, er sei links, könnte aber auch einen “guten, klassischen FDP-Liberalen abgeben”.

Zum Geheimnis seiner Erfolges: “Ich glaube, dass es darum geht, mit der Information eine Art Geschichte zu erzählen….Das ganze Zeug wie Primeurs und Standardanfänge ist die Version für die Leute, die nicht das Herz haben, sich zu vertrauen und die Geschichte zu schreiben, die sie interressiert. Daran scheitern viele: Sie schreiben, was sie glauben, was interessant ist. Und nicht das, was sie wirklich interessant finden”. Bestes Beispiel: Was zum Teufel ist los mit den Finanzmärkten?

Der Mann denkt eigenständig. Es bräuchte mehr Seibts in der Schweizer Medienlandschaft.

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21. Dezember 2007

Werte alter Tugenden im Bankgeschäft

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Die Bank Wegelin, die älteste Privatbank der Schweiz, beschwört mit ihrer Weihnachtskarte alte Tugenden.

Verpflichtungen wurden früher dermassen persönlich und ernst genommen, dass man deren Verbriefung kalligaphisch untermauerte. Was wie der Bundesbrief der Eidgenossenschaft aussieht, ist in Tat und Wahrheit ein Kaufbrief aus dem Jahr 1795. In einer Zeit, in der anonyme minderwertige Hypotheken das Finanzsystem belasten, leuchtet dieses Schriftstück als Fanal für Vertragstreue: Wer so formvollendet schreibt, wird sich kaum um die Erfüllung der Verpflichtung drücken. Vielleicht müsste man beginnen, Schönschreibkurse anzubieten.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb ich mich schon vor einem Jahr von der UBS weg und hin zur Bank Wegelin gewandt habe: Die Teilhaber der Bank haften mit ihren Privatvermögen für die Kundengelder, was zusätzliche Sicherheit im Umgang mit den ihnen anvertrauten Geldern gibt. Statt mich wie die UBS mit Key-Punkten, deren Einlösung so unübersichtlich ist, dass ich einfach keine Zeit habe, mich damit auseinanderzusetzen, abzuspeisen, unterstützt die Bank Wegelin humanitäre Projekte. Das ist mir lieber. Übrigens: Die Weihnachtskarte mit persönlichen Grüssen wurde von Hand an mich adressiert.

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19. Dezember 2007

Der PR-Coup des fussballverrückten Bergdorfes

Gspon? Staldenried? Nie gehört! Was kann eine kleine Walliser Gemeinde mit 596 Einwohnern und einem Hotel tun, um aus dem Schatten der weltbekannten Tourismusorte Saas Fee und Zermatt zu treten? Man organisiert einen Monat vor Beginn der regulären Flachland-Fussball-EM in der Schweiz und Österreich die Fussball-EM der Bergdörfer auf über 2000 Metern über Meer. Der örtliche Fussballclub, in der Bergfussball-Szene eine feste Grösse, richtet die Spiele in der “Gspon-Arena” aus. Mit Tausenden Zuschauern ist nicht zu rechnen, denn das “Stadion“ ist nur mit einer Seilbahn oder nach einer 20-minütigen Wanderung erreichbar. Das Ereignis Bergfussball-EM war nun auch “Spiegel-Online”, der meine Medienmitteilung aufgenommen hat, einen Bericht wert. Ohne Bergdorf-EM wüsste heute kaum jemand ausserhalb des Wallis von der Existenz der Dörfer. Vielleicht lässt sich ja einmal ein Fussballbegeisterter hier nieder und schafft die ersehnten Arbeitsplätze im Dorf. Alles ist möglich.

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17. Dezember 2007

Vom Führen von Reizfiguren

YB-Trainer Martin Andermatt in der “NZZ” auf die Frage, ob er glücklich sei, eine Reizfiguren wie Hakan Yakin oder Carlos Varela im Kader zu haben:

“Ich habe keine Probleme, weil ich Sachen klar anspreche. Zu Varela hab ich etwa gesagt, dass imagemässig nicht weiterkommt, wer bloss eine Vergangenheit hat – also muss man sich eine Gegenwart schaffen.”

Wo er Recht hat, hat er Recht. Ich bin gepannt, ob Andermatts Belehrung Früchte tragen wird.

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17. Dezember 2007

Ich bin nicht gebrochen, ich bin viril…

carla.jpgMächtige Männer schmücken sich gerne mit schönen Frauen. Das war schon immer so, jetzt tut es auch Nicolas Sarkozy. Am Samstag liess er sich mit dem Ex-Model Carla Bruni bei einem Ausflug ins Disneyland von mehreren Fotografen begleiten. Ganz Paris ist entzückt über das neue Traumpaar, so es denn auch wirklich eines ist. Was will uns der französische Staatspräsident damit sagen? Nach dem Liebes-Aus mit seiner Gattin Cécilia vor zwei Monaten signalisiert er klar: Ich bin nicht gebrochen, ich bin viril, ich führe das Land und bin der Chef de l’état. Was für Wladimir Putin gut ist, er stellte kürzlich mit nacktem Oberkörper angelnd seine muskulösen Arme und Brust zur Schau, kann Nicolas Sarkozy nur recht sein. Bloss: Sarkozy treibt ein gefährliches Spiel. Sein Hang zur Selbstinszenierung und der Öffentlichmachung seines Privatlebens könnte sich als Schuss in den Ofen erweisen, wenn er nicht auf dem politischen Parkett punktet. “Le Figaro” zum neuen Traumpaar Frankreichs.

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12. Dezember 2007

Falsche Annahmen der SVP

Mit seiner Partei hat Bundesrat Christoph Blocher zwei entscheidende Fehler gemacht:

  • Er unterschätzte die Vereinigte Bundesversammlung. Die Wahl des Bundesrates ist keine Volkswahl. Parlamentarier und Parteien vergessen nicht, wenn man sie immer wieder beleidigt.
  • Um die Macht-Karte zu spielen, reicht ein 30-Prozent-Wähleranteil nicht. Mehrheiten lassen sich damit nur über Koalitionen erreichen.

Die Abwahl als Bundesrat ist die Quittung. Beruhigend: Das politische System Schweiz funktioniert auch mit einer SVP in der Opposition. Der SVP droht die Zerreissprobe zwischen den moderaten Kräften wie dem Berner Flügel sowie den Hardlinern in Zürich.

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