21. November 2007
“Unschuldige” outen “Schuldige”
Die juristische Lage um die Berichterstattung über den FC Thun ist unklar. Einerseits haben die Kaderspieler ein Interesse, nicht zu den Verdächtigen gezählt zu werden, andererseits haben auch diejenigen Personen, die von der Polizei einvernommen wurden, das Recht auf Persönlichkeitsschutz – umso mehr, als nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt. Was wiegt schwerer: Das Interesse der Unschuldigen oder dasjenige der Verdächtigten? Für Juristenfutter ist gesorgt.
Was tun die Boulevard-Medien? Sie versuchen sich in einem regelrechten Medienhype gegenseitig zu übertreffen. In Führung liegt “20 Minuten”. Die Pendlerzeitung nennt heute in der Printausgabe die Namen von “Verdächtigen” und gibt diese quasi zum Abschuss frei. Der “Blick” veröffentlicht unter dem Titel “Die Unschuldigen: Das sind sie!” die aktuelle Mannschaftsphoto des Klubs. Unkenntlich gemacht sind fünf Spieler. Die Berichterstattung suggeriert ganz klar: Sie sind die Täter im Zusammenhang mit den Verfahren wegen sexueller Kontakten zu einer Minderjährigen. Problematisch ist: Die Spieler sind auf der Webseite des FC Thuns leicht zu indentifizieren. Gestern noch hiess es beim FC Thun, eine Veröffentlichung der Namen der einvernommen Spieler wäre juristisch viel zu heikel. Dies haben nun die Medien indirekt getan.
Weshalb hat man beim FC-Thun nicht einen externen Krisenmanager engagiert? Präsident Kurt Weder macht den Eindruck, überfordert zu sein. Die Führung im Fall hat er längst abgegeben.
Interessant ist die Rolle, die ehemalige “Blick”-Journalisten im Fall spielen: Marco Oswald, ist heute Kommunikationschef des FC Thun, Kapo-Sprecher Jürg Mosimann war in jungen Jahren ebenfalls “Blick”-Reporter.






