Weblog-Archiv für November 2007

Medien und PR: Verstehen, was ist.

30. November 2007

Wann lohnt sich die Gegendarstellung?

Ein Medium verbreitet falsche Tatsachen über Sie und Ihr Unternehmen. Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen. Aber sind juristische Schritte gleich das richtige Mittel? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die falsche Darstellung von Tatsachen richtigstellen können. Nicht immer ist die Gegendarstellung die beste Lösung. Es bieten sich auch der Leserbrief oder eine kurze Berichtigung an. Welche Form der Richtigstellung wann angebracht ist, lesen Sie hier.

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28. November 2007

ACHTUNG! Surrender

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An fussballerischem Selbstbewusstsein mangelt es den Engländern nicht. Das ist heute genau so wie 1996, als die Engländer gegen die Deutschen trotz medialem Support dann doch ausschieden. Die Wahrnehmung der eigenen Stärke ist einigermassen erstaunlich, denn seit dem Weltmeistertitel vor 41 Jahren, hat das Mutterland des Fussballs wenig erreicht. Das Problem liegt in der Premier League. Die Klubs setzen Milliarden, die Meisterschaft gilt als eine der attraktivsten weltweit – und wird überschätzt. Denn es sind nur die Top-Teams, die einen attraktiven Fussball bieten. Sie gehören auch in Europa zu den führenden Klubs und setzen sich auf dem Feld und auf der Trainerbank mehrheitlich aus Nicht-Engländern zusammen. Der Rest der Liga spielt, wie die englische Nationalmannschaft, einem antiquierten, von techischen Kabinettstückchen und Taktik fast völlig freien Kraftfussball fest. Aus eigener Erfahrung vor Ort weiss ich, wie langweilig und uininspiriert Teams wie Tottenham Hotspurs und Charlton Athletic spielen. Dagegen sind selbst Spiele in der Schweizer Challange League oft erbauender. Zu verdanken ist dies der vorbildlichen Schweizer Nachwuchsförderung. Dank ihr ist die Schweiz trotz einem um ein vielfaches kleineren Reservoirs an Spielern auf einer Stufe mit der englischen Nationalmannschaft gleichzusetzen. Nach dem Debakel mit dem einhemischen Steve McLaren, der gegen die Kroaten mit den Tugenden des englischen Fussballs Marke „home made“ scheiterte, sucht man jetzt einen neuen Übungsleiter für die Nationalmannschaft. Als Hoffnungsträger wird der Portugiese José Mourinho gehandelt. Ihm stünde eine schwierige Aufgabe bervor. So bedauerlich das Ausscheiden der Engländer in der Qualifikation für die Euro 08 ist, die Schweiz hat damit ein Problem weniger: Die englischen Hooligans werden zu Hause bleiben.

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27. November 2007

Höngg ist nicht Honduras

Nach dem Mord an einer 16-Jährigen wird Höngg in den Medien zum “Hotspot” hochstilisiert. Dies ist der Zürcher Stadtteil allerdings nur für die Medien. Die Bushaltestelle Hönggerberg ist in den letzten Tagen zu einer Kultstätte geworden. Journalisten photographieren dort trauernde Jugendliche, die dort innehalten – und andere Journalisten. Höngg hat über 20’000 Einwohner, was einer mittleren Schweizer Kleinstadt entspricht. Vor einem Jahr wurde hier eine nicht detonierte Bombe unter einem Auto entschärft, jetzt der Mord an der Lehrtochter bei der Bushaltestelle auf dem Hönngerberg. Beides sind Einzelfälle. Downtown Switzerland möchte gerne grösser sein, als es ist. Gefährlich ist das Leben hier noch lange nicht. Höngg ist nicht Honduras.

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26. November 2007

“KMU-Manager” wird “Unternehmerzeitung”

“KMU-Magazin”, “Blickpunkt KMU” und “KMU-Manager” – drei Wirtschaftsfachmedien, ein Zielpublikum: Die KMU, zu denen über 95 Prozent der Schweizer Unternehmen gehören. KMU wie bitte? Der Markt de Schweizer Wirtschaftsfachpresse ist unübersichtlich geworden. Während “Blickpunkt KMU” und das “KMU-Magazin” als Hochglanz-Magazine edel daher kommen und daher auch für die Werbung interessanter sind, stagniert der seit 13 Jahren erscheinende “KMU-Manager”. Das älteste Blatt ist mit einer beglaubigten Leserschaft von rund 100’000 auch das grösste der drei Printerzeugnisse. Was tun? In weiser Voraussicht hat sich Verleger Remo Kuhn frühzeitig die Marke “Unternehmerzeitung” angeeignet. Ab 5. Dezember lanciert die Swiss Business Press SA den “KMU-Manager” neu als “UnternehmerZeitung”. Das tönt besser. Der Titel weitet die Zielgruppe aus und ist stärker ohne das Label KMU. Mit dem neuen Namen will man auch Verwechslungen vorbeugen. Gemäss Communiqué wird der Bereich Wirtschaftspolitik stark ausgebaut. Chefredaktorin bleibt Sandra Olar.

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23. November 2007

Betty kocht wieder ohne Männer

Mein Leben als Mann ist geprägt durch einen ausgelasteten Arbeitsalltag, ich wende wenig Zeit fürs Kochen auf, lege aber trotzdem Wert auf ein genussvolles Essen. Für “Bossi” bin ich deshalb der Typ “fast casual”. Offenbar muss sich das herumgesprochen haben, denn seit der Lancierung im April erhielt ich das Magazin, das sich als “männlich, lebensnah und genussvoll” positioniert, zugestellt. Was ich mich immer gefragt habe: Was macht dieses Magazin so männlich? Vielleicht, dass man sich ein Rezept per MMS zuschicken lassen kann. Aus Neugierde habe ich es einmal getan: “Leider konnte das Rezept nicht gefunden werden”, so die Antwort. Jetzt verschwindet das Magazin aus dem Betty-Bossi-Verlag, der je zur Hälft für Coop und Ringier gehört, vom Markt. Das Magazin hat statt der angepeilten 40’000 bloss 16’000 Abonnenten gefunden, was nicht erstaunlich ist. Der Unterschied von “Bossi” zu einer beliebigen Koch- und Genussmagazin blieb mir immer verborgen. Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Küche, und es braucht keine Kochmagazine für Männer.

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22. November 2007

Nati-Dress und Design: Fehlanzeige

shirt.jpg Weshalb nicht einmal so? Seit Jahrzehnten spielt die Schweizer Fussballnationalmannschaft entweder in roten oder weissen Shirts. Design: Fehlanzeige. Mit Spannung wurde deshalb die Präsentation des neuen Trikots für die Euro 2008, immerhin drittgrösster Sportanlass der Welt, erwartet. Das mit grossem Brimborium vorgestellte Stück Polyester unterscheidet sich kaum von seinen Vorgängern. Schade, die Gelegenheit, sich mit einem unverwechselbaren Design – der Europameister-Titel ist weniger wahrscheinlich – in der Weltöffentlichkeit positiv zu präsentieren, ist damit vertan. Mir scheint, die Spieler auf dem Platz zeigen mehr Mut und riskieren mehr als die für deren Ausstattung verantwortlichen Funktionäre im Schweizerischen Fussballverband.
Mein persönlicher Favorit wäre ein Shirt im Stil von Inter Mailand, das diese Saison zum 100-Jahr-Jubiläum des Klubs getragen wird und sich an dasjenige von Ambrosiana Inter anlehnt. Zur Beruhigung der SVP: Statt des Italien-Wappens natürich im grossen riten Kreuz ein weisses Schweizerkreuz.

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21. November 2007

“Unschuldige” outen “Schuldige”

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Die juristische Lage um die Berichterstattung über den FC Thun ist unklar. Einerseits haben die Kaderspieler ein Interesse, nicht zu den Verdächtigen gezählt zu werden, andererseits haben auch diejenigen Personen, die von der Polizei einvernommen wurden, das Recht auf Persönlichkeitsschutz – umso mehr, als nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt. Was wiegt schwerer: Das Interesse der Unschuldigen oder dasjenige der Verdächtigten? Für Juristenfutter ist gesorgt.

Was tun die Boulevard-Medien? Sie versuchen sich in einem regelrechten Medienhype gegenseitig zu übertreffen. In Führung liegt “20 Minuten”. Die Pendlerzeitung nennt heute in der Printausgabe die Namen von “Verdächtigen” und gibt diese quasi zum Abschuss frei. Der “Blick” veröffentlicht unter dem Titel “Die Unschuldigen: Das sind sie!” die aktuelle Mannschaftsphoto des Klubs. Unkenntlich gemacht sind fünf Spieler. Die Berichterstattung suggeriert ganz klar: Sie sind die Täter im Zusammenhang mit den Verfahren wegen sexueller Kontakten zu einer Minderjährigen. Problematisch ist: Die Spieler sind auf der Webseite des FC Thuns leicht zu indentifizieren. Gestern noch hiess es beim FC Thun, eine Veröffentlichung der Namen der einvernommen Spieler wäre juristisch viel zu heikel. Dies haben nun die Medien indirekt getan.

Weshalb hat man beim FC-Thun nicht einen externen Krisenmanager engagiert? Präsident Kurt Weder macht den Eindruck, überfordert zu sein. Die Führung im Fall hat er längst abgegeben.

Interessant ist die Rolle, die ehemalige “Blick”-Journalisten im Fall spielen: Marco Oswald, ist heute Kommunikationschef des FC Thun, Kapo-Sprecher Jürg Mosimann war in jungen Jahren ebenfalls “Blick”-Reporter.

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15. November 2007

Journalismus statt Missionierung

Nachdem sich “Blick” und “SonntagsBlick” bei Ex-Swissfirst-Chef Thomas Matter und Rieter-Pensionskassenverwalter Jürg Maurer auf ihren Titelseiten entschuldgen mussten, sind neue Töne angesagt im Haus Ringier. Verleger Michael Ringier sagt heute in der Weltwoche, wohin die Reise seiner Sorgenkinder gehen soll.

Der politische Kurs von “Blick” und “Sonntagsblick” ist ein journalistischer Kurs, oder er sollte es noch mehr werden. Er sollte offener werden. “Blick” und “Sonntagsblick” hatten manchmal fast missionarische Züge….

Und weiter:

…Man kann durchaus engagiert sein und seine Meinung vertreten. Aber insistieren und die andere Seite überhören entspricht nicht meiner Vorstellung von Journalismus.

Ich frage mich, wie Michael Ringier in den letzten Jahren diese Diskrepanz zwischen  seinen eigenen Vorstellungen und dem Gebaren seiner Redaktionen ausgehalten hat.

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15. November 2007

Sex-Skandal in Thun: Amateure am Ball

Fussballspieler sind Image-Botschafter eines Klubs. Mit Ihnen steigt und fällt der Kurs – nicht nur im sportlichen Bereich. Hat dies die Führung des FC Thun unterschätzt? Ein Grossteil der Spieler aus der Multikultitruppe ist in einer Wohngemeinschaft untergebracht. Hat man die jungen Männer aus aller Herren Länder dort sich selbst überlassen? Der Präsident, ein hilfloser älterer Herr, sieht sich als Opfer und zündet Nebelgranaten: Er vermutet, dass der Skandal von Stadiongegenern, die den Neubau, über den am 9. Dezember abgestimmt wird, verhindern wollen, inszeniert wurde. Offenbar wird der FC Thun trotz den anlässlich der Champions League-Teilnahme eingenommenen Millionen immer noch wie ein Dorfverein zu funktionieren.

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14. November 2007

Wann ist ein Ereignis eine Krise?

“Wir definieren eine Krise als ein Ereignis, das mehr Kräfte bindet, als normalerweise zur Verfügung stehen. Noch dieser Definition haben wir fast jede Woche eine Minikrise.”

Mark Branson, ehemaliger Chief Communication Officer der UBS

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