Weblog-Archiv für den 20.Oktober 2007

Medien und PR: Verstehen, was ist.

20. Oktober 2007

Politkommunikation: Nur die SVP in Form

Bereits vor der morgigen Abrechung steht fest: Die SVP kann ihre Position halten, etwas, was man ihr nach der Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat nicht zugetraut hatte. Sie ist die einzige Partei, die heute einen Wahlkampf professionell führen kann. Die Lancierung der Komplott-Theorie, die Abwehr der Angriffe der GPK, waren nur möglich, durch die konzertierte und straffe Organisation ihrer Kommunikation. Zudem gelang es der Partei unter Führung ihrer Strategen die Angriffe auf die SVP immer wieder abzulenken und mit Hilfe der “Weltwoche” und Roger Köppel gegen das politische Establishment umzuleiten. Die argumentative Unsicherheit vieler Medien unter dem kommunikativen Trommelfeuer der SVP trug dazu bei, dass die Partei zuerst als “Opfer” und später als Siegerin aus den parteipolitischen Ränken hervortrat.

Die Stärke der SVP ist immer auch die Schwäche der anderen Parteien. Diese werfen der SVP vor, die Personalisierung des Wahlkampfes um die Person Christph Blocher auf die Spitze zu treiben. Was sie vergessen: Mit ihrem Blocher-Reflex haben sie diese Entwicklung geschürt und werden morgen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Quittung dafür erhalten.

  • Die CVP unter Parteipräsident Christophe Darbelley ist eine Sowohl-als-auch-Partei. Mangels eigenem Profil positioniert man sich hilflos in der politischen Mitte und hofft einzig auf die Wirkung von Doris Leuthard als  everybody’s darling. Weshalb hat die Partei noch das “C” im Namen?
  • FDP-Parteipräsident Fluvio Pelli führt mit dem Niedergan der Partei Franz Steineggers Werk fort. Heute versucht man in den Agglomerationen linksliberale Frauen zu gewinnen und fährt einen schlingernden Kuschelkurs. Die Absicht Pellis, mit den anderen Parteien Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, zeigt, wie wenig die FDP noch an sich selbst glaubt.
  • Die SP leidet an ihrem Parteipräsidenten Hans-Jörg Fehr, der kein Gespür für Themen entwickelt. Was ihm fehlt, ist der absolute Wille, Visonen zu verwirklichen. Die für sich reklamierte Themenführerschaft im Umweltschutz hat die Partei längst an die Grünen verloren. Die Partei wirkte überfordert. Das einzige Thema, mit dem man sich profilieren konnte, ist der Anti-Blocher-Reflex. Ohne eigene Visionen gewinnt man keine Wahlen.
  • Erstaunlich, dass die Grünen es nicht verstanden, im Wahlkampf den Megatrend Umweltschutz für sich stärker zu nutzen. Stattdessen hat man mit Parteipräsidentin Ruth Genner den bisherigen unauffälligen Kurs geschickt gehalten, ohne sich in der Polemik um Blocher und die SVP zu verzetteln. Trotzdem werden der Grünen Partei kaum die SP-Wähler in Scharen zulaufen. Wem dies eher zuzutrauen ist, ist die Grünliberale Partei, die aber auf nationaler Ebene noch nicht verankert ist. Für sie kommen die Wahlen zu früh.

Fazit: CVP, FDP und SP haben im Wahlkampf 2007 kommunikativ versagt. Sie konnten ihre Botschaften gegenüber der SVP nicht wirkungsvoll durchsetzen. Gehört wurde einzig ihre Kritik an der SVP, was als Armutszeugnis und Alarmzeichen verstanden werden sollte.

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