Weblog-Archiv für Oktober 2007

Medien und PR: Verstehen, was ist.

28. Oktober 2007

“Wir wirken offenbar arrogant”

Armin Walpen ist das Paradebeispiel eines unsensiblen Managers. Der mächtige SRG-Chef, der sich, nota bene ohne unternehmerisches Risiko, da zu einem grossen Teil gebührenfinanziert, schamlos immer höhere Entschädigungen zuspricht, während seine Sender Hörer und Zuschauer verlieren, war bisher unempfindlich für Kritik. Der Mann hat gut lachen: Seine Bezüge stiegen von 2002 bis 2007 um 100 000 Franken auf 534 000 Franken.  Seinen Prosche Cayenne musste er zwar wieder abgeben, doch Vorwürfe perlten bisher an dem Oberwalliser ab. Jetzt hat ein Umdenken eingesetzt. “Wir wirken offenbar arrogant, gross und mächtig”, sagt Walpen im heutigen “SonntagsBlick”. Späte Einsichten kurz vor seiner Pensionierung.

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20. Oktober 2007

Politkommunikation: Nur die SVP in Form

Bereits vor der morgigen Abrechung steht fest: Die SVP kann ihre Position halten, etwas, was man ihr nach der Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat nicht zugetraut hatte. Sie ist die einzige Partei, die heute einen Wahlkampf professionell führen kann. Die Lancierung der Komplott-Theorie, die Abwehr der Angriffe der GPK, waren nur möglich, durch die konzertierte und straffe Organisation ihrer Kommunikation. Zudem gelang es der Partei unter Führung ihrer Strategen die Angriffe auf die SVP immer wieder abzulenken und mit Hilfe der “Weltwoche” und Roger Köppel gegen das politische Establishment umzuleiten. Die argumentative Unsicherheit vieler Medien unter dem kommunikativen Trommelfeuer der SVP trug dazu bei, dass die Partei zuerst als “Opfer” und später als Siegerin aus den parteipolitischen Ränken hervortrat.

Die Stärke der SVP ist immer auch die Schwäche der anderen Parteien. Diese werfen der SVP vor, die Personalisierung des Wahlkampfes um die Person Christph Blocher auf die Spitze zu treiben. Was sie vergessen: Mit ihrem Blocher-Reflex haben sie diese Entwicklung geschürt und werden morgen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Quittung dafür erhalten.

  • Die CVP unter Parteipräsident Christophe Darbelley ist eine Sowohl-als-auch-Partei. Mangels eigenem Profil positioniert man sich hilflos in der politischen Mitte und hofft einzig auf die Wirkung von Doris Leuthard als  everybody’s darling. Weshalb hat die Partei noch das “C” im Namen?
  • FDP-Parteipräsident Fluvio Pelli führt mit dem Niedergan der Partei Franz Steineggers Werk fort. Heute versucht man in den Agglomerationen linksliberale Frauen zu gewinnen und fährt einen schlingernden Kuschelkurs. Die Absicht Pellis, mit den anderen Parteien Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, zeigt, wie wenig die FDP noch an sich selbst glaubt.
  • Die SP leidet an ihrem Parteipräsidenten Hans-Jörg Fehr, der kein Gespür für Themen entwickelt. Was ihm fehlt, ist der absolute Wille, Visonen zu verwirklichen. Die für sich reklamierte Themenführerschaft im Umweltschutz hat die Partei längst an die Grünen verloren. Die Partei wirkte überfordert. Das einzige Thema, mit dem man sich profilieren konnte, ist der Anti-Blocher-Reflex. Ohne eigene Visionen gewinnt man keine Wahlen.
  • Erstaunlich, dass die Grünen es nicht verstanden, im Wahlkampf den Megatrend Umweltschutz für sich stärker zu nutzen. Stattdessen hat man mit Parteipräsidentin Ruth Genner den bisherigen unauffälligen Kurs geschickt gehalten, ohne sich in der Polemik um Blocher und die SVP zu verzetteln. Trotzdem werden der Grünen Partei kaum die SP-Wähler in Scharen zulaufen. Wem dies eher zuzutrauen ist, ist die Grünliberale Partei, die aber auf nationaler Ebene noch nicht verankert ist. Für sie kommen die Wahlen zu früh.

Fazit: CVP, FDP und SP haben im Wahlkampf 2007 kommunikativ versagt. Sie konnten ihre Botschaften gegenüber der SVP nicht wirkungsvoll durchsetzen. Gehört wurde einzig ihre Kritik an der SVP, was als Armutszeugnis und Alarmzeichen verstanden werden sollte.

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18. Oktober 2007

Fatale Folgen einer unbedachten Äusserung

Wie man mit einem unprofessionell vorbrereiteten Interview Werte vernichtet, zeigte gestern Peter Pauli, CEO des Thuner Spezialsägenherstellers Meyer Burger. Gegenüber der “Finanz und Wirtschaft” sagte er: «Die jüngsten Kursavancen kann ich mit der Geschäftsentwicklung nicht in Einklang bringen.» Mit anderen Worten: Der Chef kann sich nicht erklären, was mit seiner Firma geschieht. Darauf sackte der Kurs des Unternehmens um bis zu 14 Prozent auf Fr. 318.- ab, worauf der Handel gestoppt wurde. Im Verlauf des Tages erholte sich die Aktie kontinuierlich. Zum Schluss notierte die Aktie noch 4,1 % schwächer auf 355 Franken.

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18. Oktober 2007

Der Irrtum der klassischen Werber

Obige Werbung widersetzt sich dem, was uns heute die klassischen Werber weismachen wollen. Kein Wunder, stehen diesen ob des TV-Spots die Haare zu Berge. Die Kommunikationsberaterin Karin Müller möchte Herrn Fischer die “Schmach” seines Auftrittes ersparen und empfiehlt “TeleZüri” sogar via “Werbewoche”, dem Mann gratis einen Spot zu drehen. Was dabei heraus käme, wäre ein beliebiges und austauschbares Allerwelts-Filmchen.

Am Beispiel der Fischer Bettwaren AG in Wädenswil lässt sich exemplarisch darlegen, dass PR die bessere Werbung ist. Der Film mag künstlerisch keine Stricke zu zerreissen. Trotzdem ist er kult geworden – etwas, wovon andere Unternehmen mit grösseren Werbebudgets und viele Werber nur zu Träumen wagen. Wie konnte es so weit kommen? Herr Fischer ist authentisch. Man glaubt ihm sofort, dass er mit Leib und Seele Bettfedern reinigt und Bettdecken damit auffüllt. Er ist einfach so, und er macht dem Zuschauer nichts vor. Diese Glaubwürdigkeit ist es, welche die Werbung mit ihren herkömmlichen Mitteln nie erreicht.

Erinnert sei in diesem Fall an die legendäre Neujahrsansprache von Bundespräsident Adolf Ogi. Der geborene Kommunikator wusste, was er wollte und wie er wirkt. Gut, wenn nicht alle auf die bloss gutgemeinten Ratschläge der Werbeberater hören.

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10. Oktober 2007

Keine Spur von Punkt.ch

Der lesende Pendler ist bequem. Er sucht nicht lange, sondern nimmt sich die Gratiszeitung, die ihm angeboten wird. Wer seine Leser nicht findet, verliert auf dem Markt. Ich stelle fest: Zu einem Exemplar von “20Minuten” oder “Heute” zu kommen, ist kein Problem. Schwieriger wirds bei “.ch”. Zwar wird das Blatt an neuralgischen Punkten von Kolporteuren verteilt, aber wo sind eigentlich diese Ständer, auf denen “.ch” zu den Lesern nach Hause hätte gebracht werden sollen? Ich wohne mitten in der Stadt Zürich, einen sogenannten “Notenständer” habe ich allerdings noch nie gesehen.

Der Start von “.ch” ist wenig verheissungsvoll, was auch die Wirtschaft bemerkt: Gerade mal drei Seiten bei einem Umfang von 32. Erschwerend kommt hinzu: Bei der Lancierung einer Zeitung im September die Werbebudgets für das nächste Jahre längst gemacht.

Aber auch mit der Themenwahl, agiert das Blatt wenig glücklich. “20 Minuten” ist besser gemacht. Sascha  Wigdorovits und seine Leute müssen über die Bücher.

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9. Oktober 2007

Politische Trittbrettfahrer

In der Politik ists wie in der Karriere: Leichter hats, wer eine gute Figur macht. Seit gestern lachen Nationalratskandidatinnen und -kandidaten von Plakaten und posieren für Slips und BHs der Migros. Laut Creative Director Peter Brönnimann habe man jene Leute dafür ausgesucht, die “natürlich rüberkommen und eine gute Figur machen in Unterwäsche”. Die Amerikanisierung des Wahlkampfes macht auch vor der Schweiz nicht halt. Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann scheint die Mechanismen des Wahlkampfes im 21. Jahrhundert nicht durchschaut zu haben und verurteilt die Aktion als rein kommerziell und ohne politische Botschaft. Ist es wirklich nur das?

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8. Oktober 2007

Handzahmer “Blick”

Sowohl die “NZZ am Sonntag” gestern als auch der “Blick” heute publizieren eine Geschichte über einen PR-Berater, der im Jahr 2005 offenbar die bei der Bundesanwaltschaft Druck aufgesetzt hat, um gerichtspolizeiliche Ermittlungen gegen senien ausländischen Mandanten einzustellen. Während die “NZZ am Sonntag” den PR-Berater, Thomas Borer, beim Namen nennt, anonymisiert der “Blick” die Vorwürfe, die Namen aller Personen im Artikel sind mit schwarzen Balken unkenntlich gemacht.

Nach den teuren Vergleichen mit Ex-Swissfirst-Chef Thomas Matter und Rieter-Pernsionskassenverwalter Jürg Maurer in diesem Jahr und der Zahlung von acht Millionen an Thomas Borer nach der Borer-Affäre regiert an der Dufourstrasse die Angst vor weiteren Millionenzahlungen. Diese kann sich der Verlag einfach nicht mehr leisten – weder finanziell noch imagemässig.

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7. Oktober 2007

Bern ohne Führung und überfordert

Etwas ist faul in der Stadt Bern. Warum lässt man in der Stadt Bern eine unbewilligte Demo, wie sie am Samstag auf dem Münsterplatz stattfand, überhaupt zu? Ausschreitungen waren vorprogrammiert: Einmal mehr entwickelte sich aus einer unbewilligten Demo eine Schlacht. Offenbar misst man in Bern mit unterschiedlichen Massstäben.

Die Schuld für die Krawalle schiebt der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppt heute in der “SonntagsZeitung” der Polizei zu: “Sie muss den Einsatz selber analysieren.” Falsch! Als Stadtpräsdent trägt er politische Mitverantwortung für die Krawalle. Offenbar ist Tschäppät, der seine Rolle als selbsternannter Mister Bern liebt und sich lieber Cüpli-trinkend der holden Weiblichkeit widmet, in seinem Amt überfordert.

Der Berner Polizeikommandant Jörg Gabi gibt zwar zu, dass das Hauptziel des Einsatzes, den Demo-Umzug der SVP zu gewährleisten, verfehlt worden sei, klopft sich aber gleichzeitig selber auf die Schultern und sagt, dass das Minimalziel, das direkte Aufeinadertrffen der Gruppen verhindert worden sei. Dies muss wie Hohn klingen in den Ohren, derjenigen, die bei den Krawallen zu Schaden gekommen sind.

Im Hiblick auf die Euro’08 macht Bern schlechte Werbung für sich. Auch ausländische Medien sind inzwischen auf den “Fall Bern” aufmerksam geworden. Ist Bern wirklich reif für die Euro’08?

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4. Oktober 2007

Wahlkampf-Blüten aus Zürich

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